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LSoA

Giraffenbräu

Was ist „Giraffenbräu“?

Wie es die letzte Silbe „bräu“ andeutet, ist es etwas zu trinken.

Ältere Bürger der ehemaligen DDR werden es noch WISSEN, zwischen 22 Uhr und 10 Uhr wurden in Bahnhofsgaststätten und Zügen keine alkoholischen Getränke gereicht.

ABER! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wer das geheime Stichwort kannte, bekam doch Alkohol. Rechtzeitig vor 22 Uhr, bereiteten sich Mitropa-Kellner auf die Nacht und die Wünsche der Stammgäste vor. In normale Mitropa-Kaffeetassen wurde „Brauner“ gefüllt und ebenfalls in Kaffeekännchen.

Kannte ein Stammgast das Stichwort, bekam er Schnaps in der Kaffeetasse.

Es gab aber auch entsprechende Mixgetränke, die vollkommen harmlos aussahen.

Eines abends wunderten sich Frauen in unserem Ferienheim darüber, dass ich Limonade trank, während sich alle anderen Männer Bier und Schnaps reinzogen.

Als ich dann später leicht schwankend meinem Nachtlager zustrebte, wunderten sie sich noch mehr!

Frauen sind von Natur neugierig und ich merkte, dass ich dauernd beobachtet wurde. Schließlich sprach mich die Heimleiterin an.

Wir waren keine Heimgäste, sondern unfreiwillige Handwerker. Ein paar Wochen bevor die Schulferien begannen, fuhren wir brigadeweise in das betriebseigene Kinderferienlager, um es auf den Kinderansturm vorzubereiten.

Der Einsatz war jeweils an einem freien Wochenende. Wir arbeiteten bei der Eisenbahn Schichtdienst im Vierbrigadeplan. Start war Freitag-früh, nach der Nachtschicht (Wochenplan: Montag und Dienstag Spätdienst 14 – 22 Uhr, Mittwoch und Donnerstag Nachtdienst 22 bis 06 Uhr). So konnten wir von Freitagmittag bis Sonntagnachmittag werkeln und Freitag und Samstagabend ein bisschen was trinken.

Die Heimleiterin wollte wissen was ich trank. Als Einziger kein Bier und keinen Schnaps, dass war sehr verdächtig! Wie ich ins Bett kam, wussten die Frauen nicht, denn wir Männer hielten lange durch.

Ich trank Giraffenbräu!

Keiner im Raum wusste, was das war!

Ich braute es zusammen und reichte den Damen ein Glas zum Kosten. Sie waren begeistert und wollten mehr. Mehr mehr mehr. Jede bekam ein Glas und ich füllte nach, wenn mir ein leeres Glas gereicht wurde. Nach einem Glas, sollte eigentlich genüge getan sein, aber die Frauen wollten trotz meiner Warnungen immer mehr!

Sie verschwanden irgendwann in ihre Gemächer.

Am nächsten Morgen war der Teufel los!

Zum Arbeitsbeginn war keine der Frauen da und später nicht ansprechbar. Da die Wochenendleiterin nicht auftauchte, frühstückten wir Männer recht spät und suchten uns Arbeit. Die Damen tauchten erst am Nachmittag auf. Ich hatte mich rechtzeitig, für eine Außerhausarbeit verzogen und bekam den Zorn der Damen erst zum Abendbrot, schon gemäßigt, zu spüren. Trotz meiner Warnungen zwangen mich die Damen erneut Giraffenbräu, von mir angerichtet, zu reichen.

Am Sonntagvormittag, machten wir Männer, die Damen waren unsichtbar, frei und gingen baden. Am Abend fuhren wir zurück.

Am Dienstag nach der Frühschicht (von 6 Uhr bis 14 Uhr) war Gewerkschaftsversammlung. Die gesamte Bahnhofsleitung nahm Teil. Ich sollte, ganz klar, wegen Sabotage, bestraft werden!

Dummerweise war ich der Vorsitzende der KK (Konfliktkommission), Schöffe am Kreisgericht und Leiter des Schöffenkollektivs des Dienstortes.

Irgend ein Idiot hatte die Transportpolizei und das Kreisgericht verständigt und das Gericht die Staatsanwaltschaft.

Meine Stellvertreterin übernahm die Leitung der Beratung. Der angebliche „Anspruch“ der Staatsanwaltschaft und der Transportpolizei die Leitung zu übernehmen, wurde abgelehnt. Die Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Transportpolizei durften unter Vorbehalt, bleiben.

Ich legte Rechenschaft über mein Verhalten ab und nutzte die Chance, um die ungeliebten „Posten“: Schöffe und Konfliktkommissionsmitglied loszuwerden.

Meine Stellvertreterin leitete die Beratung souverän. Mir war zu meinem Ärger keine Schuld nachzuweisen. Meine beiden Anträge: Erstens, Entbindung vom Schöffen-dienst und damit logischer Weise, Beendigung der Funktion Leiter des Schöffenkollektivs und Zweitens Abwahl als Vorsitzender der Konfliktkommission und Abwahl als Mitglied der Konfliktkommission, wurden abgeschmettert!

Beim nächsten Schöffeneinsatz, stellte ich in einer Verhandlung Fragen, was zwar erlaubt, aber selten gemacht wurde und unterschrieb ein Urteil nicht und ein zweites nur unter Vorbehalt, nach einer Diskussion mit dem Richter.

Damit war der Schöffendienst vorzeitig beendet.

Blieb die Konfliktkommission! Vorsitzender der KK war eine sehr unbeliebte Funktion. Der Vorsitzende der KK stand zwischen Leitung und Belegschaft. Die Mitglieder taten nichts, außer klug Reden und Abstimmen. Ich war zum Vorsitzenden gewählt worden, als dieser genug hatte. Der Leiter beschimpfte mich, wenn ich im Rahmen der Möglichkeit beim Antrag auf materielle Verantwortlichkeit von der beantragten Summe abwich, mit den Worten: „Das ist ein Wohltätigkeitsverein, aber keine Konfliktkommission“ und die „Übeltäter“ regten sich über den Zahlbetrag auf.

Als die KK (Konfliktkommission) eines Tages einen Rangiermeister und guten Genossen, wegen Diebstahls, auf Antrag der Staatsanwaltschaft materiell bestrafte, wurde ich vom Vorsitzenden der Betriebsgewerkschaftsleitung beschimpft und auf der Brigadeversammlung gedemütigt.

In Auswertung dieses Vorgangs trat die Konfliktkommission geschlossen zu rück. Was die gesamte Betriebsleitung, einschließlich Parteileitung und Gewerkschaftsvorstand, absolut nicht verstand!

Ich habe in den zwölf bzw. zehn Jahren, bei der Ausübung dieser Funktionen sehr viel gelernt und bin später, als sozialistischer Leiter, erfolgreich in viele Fettnäpfchen getreten!

 

KM 09.12.2020

 

***

Wolke sieben
Ich wollte nach Kreischa fahren. Bis Wilsdruff auf der BAB. Über Kesselsdorf und Freital, dann durch das Poisenthal nach Possendorf. Das Poisenthal ist eine vorsichtig zu befahrende kurvenreiche Waldstrasse. An den Seiten wechseln sich alte Bäume mit Felsen und tief gelegenen Wiesen ab. 80 Km/h sind auf den Geraden und 30 in den Kurven erlaubt. Ich fahre in die unübersichtlichen engen Kurven aber meist nur mit Schritt. Es war schönes Wetter, und ich fuhr ein wenig schneller als sonst. Unterhaltung hatte ich, da ich in Freital zwei Anhalter, jüngere etwas heruntergekommene Männer aufgelesen hatte. Die wunderten sich, das mein Auto so leer war.

Ihre großen Stoffbeutel hatte ich in den leeren Kofferraum getan. Wo ich eigentlich hinwolle? Richtung Kreischa. Haben sie Geld? Nein. Und auch kein Gepäck? Nein. Und was wollen sie in Kreischa? Ich will gar nicht nach Kreischa. Sie sahen mich fragend an. Ich sagte, es geht euch zwar nichts an, aber ein Stück vor Possendorf steht am Wegrand eine dicke Eiche. An die will ich mein Auto setzen. Ich will mir nämlich das Leben nehmen. Deshalb brauche ich weder Geld noch Gepäck. Sie schwiegen. Dann sagte einer, halten sie bitte an, wir steigen lieber aus. Ich kam bald zu der Eiche. Als ich die Kurve, in der die Eiche stand, in hohem Tempo ansteuerte, polterte etwas unter mir. Ich kam ins Schleudern und überschlug mich. Beim Aufprall schoss ich wie eine Rakete aus dem Auto. Merkwürdigerweise nicht durch die Frontscheibe, sondern durch die rechte offene Tür. Als ich durch die Luft flog, wunderte ich mich noch, wieso die Tür auf war, und warum  die Airbags nicht funktioniert hatten. Den Gurt hatte ich abgemacht, als die Männer ausgestiegen waren. Ich landete auf einer matschigen Wiese vielleicht 20 Meter unterhalb der Straße. Mein linker Arm, mein Kopf und die ganze linke Seite taten weh. Mühsam krabbelte ich zur Straße zurück. Ich sah zwar die Eiche, konnte aber mein Auto nirgends entdecken. Da es entsetzlich nach Rauch stank, vermutete ich, dass es explodiert war. Also setzte ich mich auf einen Steinbrocken am Straßenrand und wartete auf ein vorüber fahrendes Auto. Ich musste wohl eingenickt gewesen sein, als ich aufwachend  eine liebliche Stimme hörte. Vor mir stand eine nackte junge Frau, und sagte komm Liebster ich ziehe dich aus und wasche dich. Ich sah mich um. Um uns herum waren hellblaue Wände. Mein linker Arm war verbunden, und lag in einer Schlinge. Meine Kleidung starrte vor Schlamm und Dreck. Schmerzen hatte ich keine. Ich überlegte, war ich schon auf Wolke sieben? Ich fragte die Frau, warum bist du nackt? Sie sagte, damit ich meine Sachen nicht schmutzig mache, wenn ich dich ausziehe. Das war einleuchtend. Nach dem Bad wollte sie mit mir ins Bett. Da ich Angst hatte zu versagen, fragte ich sie nach gewissen Gewürzen. Ein Aufguss aus klein gehackten Nüssen oder Mandeln, Kardamomkernen, gebrochenen Zimtstangen, einem Stück Vanilleschote und schwarzem Assamtee, mit Honig gesüßt, macht potent. Ich durfte das Gebräu kochen und trinken. Im Bett hatte ich plötzlich Schwierigkeiten. Ich konnte meinen linken Arm zuerst nur unter sehr starken Schmerzen bewegen. Aber Sex ist ja bekanntlich ein starkes Schmerzmittel. Und die Schmerzen verflogen durch unsere Aktivitäten bald. Am nächsten Tag fuhr mich die Maus nach Leipzig. Zu Hause fiel mir ein, dass ich überhaupt keine Papiere mehr hatte. Die lagen im Auto, und das war wohl verbrannt. Also ging ich zur Polizei. Bitte ihren PA. Habe ich nicht, der liegt in meinem Auto. Wo ist ihr Auto? Im Poisenthal. Was macht es da? Es hat sich um einen Baum gewickelt. Wieso sind sie nicht dort? Warum haben sie die Unfallstelle verlassen? So ging es eine ganze Weile. Schließlich wurde telefoniert. Dann hieß es, da liegt ein Wagen. Kommen sie mit, wir fahren hin. Als ich über den Gang geführt wurde, stutzte ich an einem Plakat. Ich sagte zu  den Polizisten, die zwei Männer da, die kenne ich, die habe ich gestern mitgenommen. Sagte der eine, Mensch, da haben sie aber Glück, das sie noch leben. Wieso, fragte ich? Das sind gesuchte Straßenräuber. Die sind sehr brutal. Ich sagte, die waren harmlos. Sie haben mich gefragt, ob ich Geld hätte, sind aber dann plötzlich ausgestiegen. Wir fuhren nun zu einem Unfalldurchgangsarzt. Der stellte fest, dass meine linke Elle gebrochen war, und ich außer einer Gehirnerschütterung, jede Menge Hautabschürfungen hatte. Im Poisenthal lag ein Wagen um die Eiche gewickelt. Aber nicht meiner. Wollen sie uns verarschen? Zürnten die Beamten! Mein Handy klingelte. Die Maus. Liebster, ich habe deine Brieftasche gefunden. Quatsch! Meine Brieftasche ist doch im Auto geblieben. Ja eben, dort habe ich sie auch gefunden! Einer der Beamten fragte, was ist nun wieder los? Ich sagte, meine Papiere sind wieder da. Geben sie mal das Handy her, sagte er fluchend. Er diskutierte mit der Maus. Dann fuhren wir wieder los. Nach Fremdiswalde. Diesen Ortsnamen hatte ich noch nie gehört. Als wir auf einen Bauernhof kamen, stand dort mein Auto etwas versteckt in einer Ecke. Verbeulter als sonst, aber mein Auto. Wir stiegen alle aus. Eine Tür wurde geöffnet und ein Berg von einer Frau erschien. So groß wie ich, aber dick und stämmig, wie eine tausendjährige Eiche. Das war nicht die Maus! Ich fragte, wer sind denn sie? Die Mutter, geh ins Haus Junge, du wirst erwartet. Einer der Beamten rief, halt hier geblieben. Was er sonst noch sagen wollte ging in einer Armbewegung der Eiche unter. Im Haus erwartete mich die Maus. Schon wieder nackt. Liebster komm schnell ins Bett. Ich habe dir auch schon den Tee gekocht. Trink und komm! In einer Pause, fragte ich, sag mal wie kommt mein Auto hier her? Sie sah mich verblüfft an. Aber Liebster, damit sind wir doch hierher gefahren. Woher? Ja, aber das weist du doch. Ich hatte zwischen Possendorf und Freital eine Panne und du hast angehalten und mich mitgenommen. Wo bin ich denn hergekommen? Du bist in Richtung Freital gefahren und hast über die dicken Eichen geschimpft.

Es ist mir bis heute völlig schleierhaft, was sich zwischen meinem Unfall, und dem Erwachen im Haus der Maus ereignet hat. Die Polizei glaubte mir kein Wort, obwohl man später an einem Baum Lackspuren von meinem Wagen, in und an meinem Flitzer Blätter, Rindenstücke und Zweige, und auf der Wiese meine linke Sandale fand. Schuhgröße 46/47 hat nicht jeder.

Kurt Meran von Meranien 10.05.2007

KeramikMarkt im GRASSI

vom 12.06.2021 bis 13.06.2021

jeweils von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

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