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Bildergalerie

 

Versuch
Froh gestimmt spazierte ich durch das Gewirr der Hallen in der alten Baumwollspinnerei.
Meine Freundin Susi hatte mir eine Überraschung versprochen. Diese Überraschungen waren manchmal seltsam, aber eigentlich fast immer eine Sensation. Zieh Dir nichts besonderes an, komm wie sonst auch in Deinem Straßenzeug. Straßenzeug! So konnte man mein Outfit auch Beschreiben. Jedenfalls kannte mich jeder im Kietz.
Die Halle war gefunden. Licht schien nur durch die Fensterritzen und Löcher im Mauerwerk. Bevor ich mich aufregen konnte, kam Susi aus dem Schatten tretend auf mich zu. Kurze Umarmung, dann schob sie mich in einen Gang. Hier sah es eher wie unbewohnt, verlassen und verwahrlost aus.
Aber da ich geführt wurde, brauchte ich nicht viel zu überlegen. Wir kamen in einen großen halbdunklen Saal. Ein paar Männer, ein paar Frauen. Zwei der Frauen waren unbekleidet und eine kaum. Eine Bank, zwei Hocker, ein oder zwei Regale, waren die ganze Möblierung.
Als ich kam, stand eine nackte Frau auf einem, nein zwei Hockern, breitbeinig. Ein mittelgroßer Mann fotografierte sie von allen Seiten. Sie drehte und wandte sich in fasst jede Richtung. Meine Begleiterin flüsterte mir zu, dass ich ja nichts sagen sollte. Das würde den Künstler nur stören. Nach dem letzten Schuss, stieg die Frau runter und kam mit dem Fotografen zu uns. Wir begrüßten uns nicht mit Händeschütteln, sondern durch je eine Umarmung.
Meine Begleiterin wollte mich vorstellen, aber der Fotograf winkte ab und fragte mich, ob ich mit Nacktheit umgehen könne. Ich zuckte mit meinen Schultern und meinte, kommt darauf an wo, wie und warum.
Er grinste, die beiden Frauen auch. Dann sagte er, ob ich bereit sei, ob es mir etwas ausmachen würde, dass er von mir Bilder mache. Ich zuckte wieder mit den Schultern.
Sachlich sagte er, wenn sie einverstanden sind, dann ziehen sie sich jetzt aus und ich mache ein paar Bilder. Es war inzwischen etwas dämmrig geworden und ich fragte mich, wie er bei diesem Licht fotografieren wollte. Er schien meine Frage zu ahnen und meinte, das Licht reicht. Außerdem haben wir hier auch noch Kunstlicht.
Die andere Frau hatte sich inzwischen angezogen und assistierte dem Fotografen, genauso wie die Frau, die mich hergebracht hatte. Als ich nackt war, meinte der Mann, er würde noch kurz meine Begleiterin fotografieren, dann ginge es los.
Nach einer viertel Stunde half er mir auf die beiden Hocker. Rückte sie mehr auseinander, während meine Begleiterin meine Hüften umfasst hatte, damit ich nicht runterfiel. Angeleitet vom Fotografen wechselte ich mehrmals den Stand und er nahm verschiedene Positionen im Raum ein. Als sein Handy klingelte, sprach er mit den beiden Frauen. Die gingen weg und er schoss noch ein paar Bilder, sah auf seine Uhr und sagte, bleiben sie so stehen, ich bin gleich wieder bei ihnen.
Ich stand wie ich stand. Nackt auf zwei Hockern und wartete. Wartete. Das Dämmerlicht schwand. Es wurde dunkler und schließlich war es richtig dunkel. Der Kerl kam nicht.
Fluchend stieg ich vorsichtig runter. Tastend ging ich zu meinen Sachen und zog mich im Dunklen an. Dann suchte ich die Tür. Besann mich, dass mein Handy eine Lampenfunktion hatte und suchte den Ausgang. Langsam ging ich durch den Gang, die Gänge. Beim kommen hatte ich nicht aufgepasst welchen Weg wir genommen hatten. Die Zeit verging und es war schon ganz schön spät, als ich nun wirklich den Ausgang erreichte. Unterwegs hatte ich versucht bei der Polente anzurufen, bekam aber keine Verbindung.
Vor der Tür auf dem Weg brannten nur vereinzelt Lampen. Irgendetwas bewog mich, nicht den Haupteingang zu benutzen, sondern den Nebeneingang auf der alten Salzstraße. Dort war es hell und ich ging zügig Richtung Bahnhof. An der Ecke Thüringer-/Spinnereistraße standen Leute die diskutierten und ab- und zu lachten. Wortfetzen erreichten mich. Erst wollte ich hingehen, um zu hören was es gab. Dann hörte ich wie jemand sagte: „Der wird aber Augen machen!“ Ich bezog diese Worte auf mich und ging zum Bahnhof. Als hinter mir Motorengeräusch erklang drehte ich mich um. Eine freie Taxe. Ich winkte und stieg ein. Erleichtert hörte ich dem Gesprächsrinnsal des Fahrers zu. Er lachte ab und zu und meinte dann: „Na der wird Augen machen!“ Das hatte ich doch in de Spinne schon einmal gehört. Deshalb fragte ich, was das zu bedeuten hatte. Bruchstückhaft kam Halbwissen. ‚Da wurde einer verascht. Alle sind gespannt, ob er selbst rausfindet oder gerettet werden muss. Dass dauert aber lange bis der kapiert. Wieso kommt er nicht? Das Geschenk wird ihn versöhnen!‘ Da ging es wohl um mich.
Ich nickte immer schön brav mit dem Kopf und lies ihn reden. Aufmerksam wurde ich, als er sagte, die dort hätten ihn beauftragt zu sehen, ob ein einzelner großer Mann in Richtung Bahnhof ging und wen er verständigen solle.
Als wir am Ring waren überholten uns mehrere Wagen. Ein Mann steig aus einem Auto und kam zu uns an einer Ampel und fragte, den Fahrer, ob er was gesehen hätte. Der Fahrer schüttelte seinen Kopf und fragte mich. „Was hätte ich denn Sehen sollen?“ „Einen großen schlanken Mann mit Umhängetasche.“ „Nee, habe ich nicht.“ Sie fuhren weiter. In meine Richtung. Ich sagte zu dem Taxifahrer: „Fahren sie eine Straße weiter. Dann rechts und wieder rechts. An dem Kindergarten bitte halten.“ Als das Taxe weg war, ging ich zum Block und klingelte am letzten Aufgang. Die Frau kam runter und ich bat sie, mir die Kellertür aufzuschließen. Warum wolle ich ihr morgen erzählen. Und zu keinem ein Wort, das sie mich reingelassen habe.
Weder auf der Treppe noch in der Wohnung machte ich Licht.
Was sollte ich tun? Polizei anrufen und die Sache schildern?
Bei mir an der Haustür klingelte es. Ich rührte mich nicht und rief die 110 an. Es verging keine halbe Stunde, da ein Krankenwagen und Polizei kamen.  Der Sanitäter untersuchte mich von Kopf bis Fuß. Verdacht auf Gehirnerschütterung, als ich mir meinen Kopf sehr heftig gestoßen hatte und dabei den Erdboden küsste. Die Polizei beschäftigte sich mit den Leuten, die da auf mich warteten.
Warteten. Sie warteten wirklich auf mich. Als ich nicht kam wollten sie zu mir. Auf den Gedanken, dass mir etwas in dem Haus in der Spinnerei zugestoßen sein konnte, kamen sie nicht.

Ab und zu kommen Menschen auf seltsame Ideen. Um jemanden etwas Gutes zu tun, muss er, um die Wirkung des Guten zu erhöhen, erst einmal richtig abgewertet werden! Das war auch hier der Fall.

Mir ist es in meinem Vorleben öfter passiert, dass ich in Beratungen und sogar auf Feiern bzw. vor den Feiern, erst richtig angepfiffen und dann ausgezeichnet wurde. Meine damaligen Vorgesetzten konnten nie begreifen, dass ich nach einem Anpfiff mich nicht über eine Auszeichnung freuen konnte.

Daher die Wortfetzen: Na der wird Augen machen …

KM 13.07.2019
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Die Neue
Als meine Frau den Absprung wagte und mich allein lies, fühlte ich mich bald sehr einsam. Plötzlich war ich selbst für alles verantwortlich. Was mich am meisten ärgerte, war, dass ich mit niemanden mehr schimpfen konnte. Es musste unbedingt eine neue Lebensgefährtin her.
Aber wie?
Ich ging Tanzen. Hechelte sonntags durch den Schönefelder Park. Durchstreifte alle möglichen Straßen. Eine Lebensgefährtin fand ich nicht.
Eines Nachmittags bemerkte ich im Volksgarten, dass ein paar Schritte hinter mir eine kleine, winzige Katze saß. Wieso saß die mitten auf dem Weg? Kopfschüttelnd ging ich weiter. Nach ein paar Metern drehte ich mich um. Die Katze saß direkt hinter mir – mitten auf dem Weg. Ich lockte. Sie reagierte nicht. Ich ging weiter und beschleunigte meine Schritte immer mehr. Ein paar Leute guckten blöd, als ich mit riesigen Schritten durch den Park stakste. Am Tor zu den Kleingärten hielt ich an. Drehte mich um. Mitten auf dem Weg saß die Katze. Wieso lief das blöde Vieh hinter mir her? Ohne mich noch einmal umzudrehen ging ich nach Hause. Zog mich um, und begann das Essen anzurichten. Es klingelte an der Wohnungstür. Als ich öffnete, saß die Katze auf meinem Fußabtreter. Mein Nachbar fragte: „Ist das Ihre Katze?“ Wie kam das Tier vor meine Tür? Ich nickte dem Nachbar zu und sagte zu dem Tier: „Warum hast du nicht geklingelt? Du könntest schon lange satt sein.“ Mein Nachbar griff sich an den Kopf und verschwand. Einladend öffnete ich weit die Türen. Das Vieh betrat gravitätisch meine Wohnung und besichtigte alle Räume.
Dann setzte sie sich in der Küche vor den Tisch und sah mich erwartungsvoll an.
Eine Weile musterten wir uns. Dann sagte ich: „Pass mal auf. Ich wasche mir, wenn ich nach Hause komme immer die Hände. Da ich nicht weiß, wo du herkommst, musst du erst einmal in die Wanne. So viel Zeit muss sein.“ Da sie mich verständnislos ansah, lotste ich sie ins Bad. Ehe sie es sich versah, stand sie erbost fauchend in meiner Badewanne. Meine Hände mit dicken Arbeitshandschuhen geschützt, wurde sie gründlich gewaschen. Hinterher abgetrocknet, geföhnt und gebürstet. Danach wurde gegessen. Während des Essens überlegte ich, ob es sich lohnte, ein Katzenklo zu kaufen. Ich holte erst einmal einen großen Karton. Er wurde zum Körbchen, der Deckel zum Klo. Dann taufte ich das Tier, meiner geflohenen Gattin gedenkend, auf Janet. Janet begriff sehr schnell. Da bei mir sowieso immer alle Türen offenstanden, kannte sie sich bald aus. Um meine Pflanzen machte sie einen Bogen. Ich hatte sie präpariert. Ihr Klo fand sie wohl nicht so gut, aber nach einigen Unstimmigkeiten zwischen uns, benutzte sie es. Schwierig war es, ihr beizubringen, dass sie in der Nacht in ihrem Körbchen und nicht in meinem Bett schlafen musste. Wenn ich duschte, balancierte sie erst immer so lange auf dem Badewannenrand herum, bis sie in die Wanne fiel. Schließlich machte ihr das Duschen mit mir Spaß. Wenn ich die Kinderbadewanne mit Lappen und Eimern aus der Wanne genommen hatte, sprang sie hinein und wartete mauzend darauf, dass ich ihr folgte. Vorsichtshalber hatte ich im Volksgarten ein paar Zettel an die Bäume gepickt: Katze zugelaufen. Da sich nach einer Woche noch niemand gemeldet hatte, erteilte ich Janet Dauerwohnrecht. Mein Hautarzt hatte mir zwar gesagt, dass ich gegen Katzen allergisch sei, aber Janet schien das nicht zu wissen und mich störte es nicht.
Bald waren Janet und ich ein richtiges Paar. Wir teilten uns in die häusliche Arbeit. Ich arbeitete. Janet sah zu und gab mit Blicken, Ohren und Schwanz Anweisungen.
Schnell hatte sie heraus, wie sie mich ärgern konnte. Natürlich hatte sie gleich zum Anfang getestet, wie weit sie gehen konnte. Aber da es nicht meine erste Katze war, beherrschte ich die Lage fast souverän. Sie dachte sich immer alle möglichen Tricks aus, um mich hereinzulegen. Wenn ich anfing zu wettern freute sie sich. Das unterschied sie von meiner Ex. Die freute sich nie, wenn ich wetterte. Beim Fluchen und Schimpfen konnte ich so richtig aus mir heraus gehen, mich richtig abreagieren. Die Katze nahms gelassen. Grinste und sprang auf meinen Schoß, um mich schmusend zu versöhnen. Das hatte meine Ex auch nie gemacht. Wenn ich Besorgungen machen musste, legte Janet sich brav in das Körbchen. Kam ich wieder, begrüßte sie mich herzlich. Meine Ex hatte dann immer geknurrt. Schließlich kaufte ich Halsband mit Bauchgurt und Leine und ging mit ihr Gassi. Nach einigen Unterrichtsgängen und Begegnungen mit Hunden, benahm sie sich manierlich. Änderte nicht dauernd die Richtung, zerrte mich nie ins Eiscafé oder in die Konditorei. Meckerte und schimpfte auch nie. Nur wenn ich keine Lust zum Spielen oder Schmusen hatte, wurde sie grantig und bestand mit Krallen und Zähnen auf ihrem Recht. Lies sich aber immer schnell versöhnen.
Sie war so ganz anders als die alte Janet.
Ich bereute den Wechsel nie.

Kurt Meran 09. November 2009

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Mausi
Peter lag auf seinem Sofa und beobachtete seine kleine Katze. Mausi, wie er sie „getauft“ hatte, spielte mit einem Tischtennisball. Peter kamen immer die Tränen, wenn er ihr beim Spielen zusah. Es waren Tränen der Verzweiflung. Er hatte Mausi in der kurzen Zeit, die sie bei ihm war sehr liebgewonnen.
Vor ein paar Wochen hörte er ein leises Miauen, als er an einem Gebüsch im Park vorbeiging. Das Miau klang sehr kläglich. Peter sah sich nach allen Seiten um. Keine Katze. Es umrundete das Gebüsch. Entdeckte einen alten Abfallbehälter und um ihn herum abgelagerten Unrat. Woher kamen die Laute? In dem Dreck herumwühlen wollte er nicht. Schließlich bahnte er sich doch einen Weg durch den Dreck und öffnete den Container. Das Miauen wurde lauter. Nicht viel. Er suchte sich einen starken Zweig und forschte, das Zeug im Container hin und herschiebend nach dem Tier.
Ein Mann in einer Art Uniform blieb stehen und fragte barsch: „Was machen sie da?“ Peter sagte: „ Fragen sie nicht, helfen sie mir lieber. Im Container ist eine Katze!“ Der Mann sah ihn ungläubig an und trat dann näher. Sah und horchte in den Container. Sagte dann: „Ich bin gleich wieder da.“ Nach kurzer Zeit kam er mit einer Schaufel, Müllsäcken und einem Henkelkorb wieder. Zu zweit suchten sie nun das Tier und sortierten gleichzeitig den Müll. Schließlich fanden sie ein winziges, kläglich miauendes Fellbündelchen.
Der Mann meinte: „Eine Schweinerei so etwas. Überlebenschancen hat das Tierchen nicht. Ich lasse es einschläfern.“ Inzwischen war ein Kleintransporter der Stadtreinigung gekommen. Die Müllsäcke wurden aufgeladen und weggebracht. Peter sagte zu dem Mann: „Wo wollen sie mit der Katze hin, ich komme mit.“ Beim Tierarzt bestand er darauf das Kätzchen behalten zu wollen, obwohl es völlig unterernährt war. Der Arzt zuckte mit den Schultern. Dann meinte er: „Kommen sie morgen wieder. Ich werde es erst einmal untersuchen und versorgen.“
Am nächsten Tag erfuhr er, dass das Kätzchen kaum eine wirkliche Chance hätte. Es wäre völlig unterernährt. Dazu wäre ein Vorderbein gebrochen und ein Hinterbein kürzer. Peter bestand darauf es mitzunehmen. Der Arzt schrieb ihm Verhaltensmaßregeln auf.
Mausi lebte bei der Pflege auf. Trotz ihrer Behinderungen wurde sie ein fröhliches Tier. Allerdings konnte sie zuerst weder springen noch klettern. Am liebsten saß sie auf seinem Bauch, wenn er auf dem Sofa lag. Oder sie verkroch sich in seine Armbeuge.
Dass sie nicht in seinem Bett schlafen durfte, sah sie nicht ein. Peter hatte Angst, sie im Schlaf, wenn er sich umdrehte zu erdrücken. Anstatt in ihrem Körbchen zu bleiben, saß sie traurig mauzend vor seinem Bett. Hochspringen konnte sie ja nicht. Peter blieb hart. Sie durfte alles tun, was sie wollte. Aber in sein Bett kam sie nicht!
Sie lebte sich ein und wurde sogar etwas fülliger.
Saß Peter am Computer, hob er sie auf den Tisch. Interessiert sah sie ihm beim Schreiben zu. Wie alle Katzen musste sie ihn ärgern. Ging er einmal raus und kam zurück, lag sie auf der Tastatur und mimte tiefen Schlaf.
Der Arzt meinte bei einer Konsultation: „Warten wir ab. Sie hat sich durch ihre Pflege gut erholt. Aber…“
Kurt Meran 10.10.2011

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Flinke Maus
Peter stand vor seinem Computer und fluchte. Mausi saß daneben und grinste.
Sie lebte jetzt über ein Jahr bei ihm und hatte sich gut entwickelt. Gewachsen war sie zwar kaum, aber sie war gut genährt und recht flink. Springen konnte sie immer noch nicht richtig.
Gottseidank!
An seinen Tagesablauf hatte sie sich gewöhnt. Fernsehen fand sie interessant. Peter durfte allerdings die Fernbedienung nicht liegen lassen, wenn er einmal rausging. Genauso wenig durfte der Computer unbeaufsichtigt sein.
Eines Abends stellte er erstaunt fest, dass ständig ein anderes Programm lief, wenn er einmal das Wohnzimmer verlassen hatte. Er konnte sich das überhaupt nicht erklären. Heute hatte er die Ursache ergründet.
Mausi saß jetzt immer am Computer und wollte unbedingt schreiben. Sie legte sich nicht mehr auf die Tastatur, wenn er raus ging. Sie setzte sich davor und lies ihre Pfötchen auf den Tasten spazieren gehen.
Peter hatte sich nicht nur darüber gewundert, dass sich seine Fernsehsender dauernd änderten. In seinem Geschriebenen waren in letzter Zeit viele, vollkommen unverständliche Fehler. Außerdem verschwand ungespeicherter Text immer einmal.
Vorhin musste er, auf dem Korridor stehend, mit ansehen wie Mausi seinen Text verschandelte und schließlich den Computer ausschaltete.
Alles was Peter in langen Stunden geschrieben hatte, war weg.
Er fluchte unbeherrscht. Scheißkatze!
Wütend schnauzte er sie an: „Du kommst mir nicht wieder auf den Tisch, wenn der Computer an ist!“ Mausi sah ihn unschuldig an. Peter musste sich eisern beherrschen, um sie nicht zu schlagen. „Raus!“ Gut gesagt. Mausi konnte weder hoch- noch runterspringen.
Brummend ging Peter zum Sofa und machte den Fernseher an. Es dauerte lange bis er ein Programm fand, welches ihn interessierte. Mausi saß derweil mauzend auf dem Computertisch. „Strafe muss sein!“ Als er sah, dass sie Anstalten machte herunter zu springen, setzte er sie neben sich aufs Sofa. Dann nahm er die Zeitung und sah nach den Programmen. In dem Moment schaltete der Fernseher um. Peter sah entsetzt zu, wie Mausi mit der Fernbedienung spielte. Deshalb also …
Nach einem langen Stillschweigen zwischen ihnen, lenkte Peter ein.
Er kaufte einen alten und billigen Computer für Mausi. Da konnte sie sich amüsieren. Am Sofa brachte er einen Stufentritt an. Nun war Mausi nicht mehr auf seine Hilfe  angewiesen. Die Fernbedienung bekam ein Fach in seinem Bademantel.
Alles in Butter?
Leider nicht.
Mausi langweilte sich mit der Zeit allein an ihrem Computer und sah ihm lieber bei der Arbeit zu. Peter stellte die automatische Textsicherung ein und als Bildschirmschoner eine irre Fratze.
Mausi saß dann mit dem Rücken zum Bildschirm, wenn Peter einmal draußen gewesen war.
Kurt Meran, Leipzig 26.10.2011

Guten Tag Frau Fliege
Fliegen werden in meiner Wohnung gern begrüßt. Was wäre eine Wohnung ohne Fliegen? Früher kamen Fliegen oft zu Besuch.  Ja sie hatten bei uns eine wirkliche angemessene Heimstatt.
Nicht umsonst gaben wir ihnen den Kosenamen „Stubenfliege“!
Mittlerweise sind diese lieben Tierchen wohl ausgestorben.

Dafür macht sich eine Verwandte breit und unbeliebt. Die Frucht- oder auch Obstfliege.
Wehe, wenn sie losgelassen!
Beziehungsweise angelockt worden sind.
Nun gibt es ja verschiedene Maßnahmen mit Fliegen umzugehen. Als ich vor Jahren eine ehemalige Arbeitskollegin in ihrer Wohnung aufsuchte, fragte ich mich schon an der Wohnungstür, wo ich da sei. Die Wände und die Zimmerdecken waren irgendwie wulstig und zwischen ihnen gab es Ganger über Ganger – ich meine, unzählige Spinnenweben.
Die Dame erklärte mir stolz, dass sie etwas für die Umwelt tun würde, indem sie Fliegen keine Chance gäbe.
Die Spinnenweben wären natürliche Fliegenfallen. Kopfschütteln machte ich mich fluchtartig davon.

Heute Morgen entdeckte ich an den Wänden und der Zimmerdecke Massen von Fruchtfliegen. Außer Bananen hatte ich nichts im Obstkorb. Wie kamen die lieben Fliegen in meine Wohnung?
Nach angestrengtem Überlegen, baute ich eine Fruchtfliegenfalle.
Aber Tierschützer brauchen keine Angst zu haben, dass ich den Fliegen etwas tun werde. Die Fliegen werden nur gesammelt.
Wenn nichts mehr fressbares in der Wohnung ist, setze ich sie an einem Ort mit reichlichem Nahrungsangebot  in Freiheit. Die Fliegen finden bis dahin in der Falle angemessene Nahrung vor.

Ich werde sie wohlgenährt und gestärkt, für den Kampf ums Überleben, der Natur zurückgeben.

KM 08062019
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Mein lieber Freund und Kupferstecher ...

Vatis Spruch
Mein lieber Freund und Kupferstecher, sagte mein Vater immer, wenn ich etwas „ausgefressen“ hatte. Was das bedeutete, erklärte er mir, soweit ich mich erinnern kann, nicht.

Jahre später, als ich mich für Kulturgeschichte interessierte und begeisterte und kulturgeschichtliche Romane las und sammelte, erinnerte ich mich öfters an seine Worte. Im Rahmen des Buchdruckes las ich auch immer wieder den Begriff „Tiefdruck“! Mein Vater hatte auch davon gesprochen.

Als ich meine „Laufbahn“ als Hobbyjournalist begann, bekam ich jahrelang Einladungen für Ausstellungen im „Neuen Augusteum“ von der Kustodie der Universität Leipzig.
Und eines Tages war da auch eine Einladung für die Ausstellung: „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ dabei. Ich besuchte natürlich diese Ausstellung. Und nun erfuhr ich endlich was dieser Spruch eigentlich bedeutete! Und ich konnte mein Wissen über DRUCKEN ergänzen.

In einem kulturgeschichtlichen Roman hatte ich schon von dem Übergang vom handschriftlichen Kopieren der Buchseiten zum Buchdruck gelesen und sah nun meine vielen Bücher mit ganz anderem Blick.
Wenn ich ein neues Buch in die Hand nehme, denke ich an meinen vor siebzig Jahren verstorbenen Vater, der viele Jahre Direktor eines großen international bekannten deutschen Verlages gewesen ist.

KM 2019
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 Autorengruppe „by chance“ – zufällig

 Wie es begann.

 Ein Bekannter erzählte mir Ende des Jahres 2012, dass er ein Vereinsquartier, eine ehemalige Gaststätte zur Nutzung übernommen hatte. Da ein anderer Verein Räumlichkeiten suchte, gab ich die Adresse weiter. Dabei kam ich auf die Idee, dass die bekannte Leipziger Autorengruppe „Provokant“ deren Mitglied ich war, den Raum nutzen könne. Ich gab meine Idee an den Chef der Autorengruppe weiter. Im Februar 2013 besichtigten wir zusammen den Raum. Dabei baute ich meine Idee aus und kam zu dem Schluss, dass auch andere Gruppen und Vereine Nutzer sein konnten. Der Raum fasste mindestens 30 Personen und konnte noch durch Öffnen der hohen Zwischentüren erweitert werden. Da die Autorengruppe „Provokant“ nur zweimal im Jahr Lesungen veranstaltete und ich seit 2004 einmal im Jahr eine eigene Lesung bei Senioren durchführte, hatte ich eine neue Idee:

Die Gründung einer eigenen Autorengruppe. Mit monatlichen Lesungen!

Der Chef von „Provokant“ machte mit und ein Mitglied der Gruppe „Die Textlosen“ ebenso. Wir gaben uns einen Namen und im April war die Autorengruppe „by chance“ geboren. Das Konzept war einfach. Zwei bis drei „Stammmitglieder“ und wer von den Gästen wollte bzw. sich traute, konnte ebenfalls Vorlesen.

Nach Überwindung einer ganzen Menge Schwierigkeiten fand am 24. Mai 2013 die erste Lesung statt. Da ich an allen Tagen die Veranstaltungen der Leipziger Buchmesse besucht hatte, war die Formulierung eines Werbetextes nicht schwer.

Der Erfolg beflügelte uns. Deshalb luden wir schon am Ende der ersten Lesung zum neuen Termin ein.

Mein Konzept ging auf. Die "Leser" wechselten. Manche nahmen nur einmal Teil, andere mehrmals. Besonders freuten wir uns, als ein 12-jähriges Mädchen, unterstützt von ihrer Mutter, eigene Geschichten vorlas. Ich hatte sie auf Vorschlag von "Lesetante" Netti beim Stadtteilfest in Paunsdorf angesprochen und gewinnen können. "Zur Probe" las sie bei der letzten Lesung der Lesebühne bei 'Hugendubel'. Da las allerdings noch Netti ihre Geschichten. Bei uns las sie selbst.

 Am 21. November wurde die vierte Lesung durchgeführt. Nicht im Quartiersladen, sondern zum ersten Mal an einem bekannten Leipziger Lese Ort. In der DAA – Medienwerkstatt in Leipzig, Torgauer Platz. Diese vierte Lesung war gleichzeitig die letzte Lesung der Gruppe im laufenden Jahr. Es hatte sich gezeigt, dass monatliche Lesungen nicht durchführbar sind.

Die Mitglieder der Autorengruppe „Provokant“ wechselten und ebenfalls die der Autorengruppe „by chance“.

Mit wechselndem Erfolg lebte die Autorengruppe „by chance“ weiter. Wir waren nur noch zwei „feste“ Mitglieder. Dann verschwand eines Tages mein Mitstreiter und ich musste im Kreis von über fünfzig Gästen allein Lesen. Mitzumachen traute sich keiner der Gäste zu. Aber nach der Lesung stellte ich mich den vielen Fragen.

Es gelang mir nicht, neue Mitstreiter zu interessieren. Las bei Senioren, spontan in Gaststätten, im Urlaub im Hotel, bei irgendwelchen Veranstaltungen. Immer.

Mehrmals hatte ich versucht in Altersheimen zu lesen. Die Träger der Heime hatten kein Interesse.

Meine letzte offizielle Lesung fand im September 2017 bei Senioren statt.

Seit 2001 schreibe ich Kurzgeschichten und habe, wenn ich unterwegs bin immer welche in der Aktentasche. Man weis ja nie ...

 

KM 2019

 

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Papiermüll
Ich frage mich oft, ob die großen Versandhäuser schon im Computerzeitalter angekommen sind! Da werden tonnenweise Hochglanzkataloge versendet, als ob die Regenwälder die gesamte Erdoberfläche lückenlos bedecken!
Wenn ich etwas bestellen will, sehe ich mir die Erzeugnisse auf den Internetseiten der Versandhäuser an.

Nach dem vorletzten eingegangenen Paket eines Versandhauses, habe ich es auf die Personen-Waage gewuchtet, um das Gewicht festzustellen. Danach habe ich es, als Rücksendung zur Post gebracht und diese Sendung, mit dem Hinweis, dass ich einen Computer habe und deshalb keine Kataloge mehr annehme, versendet.
Das Versandhaus muss wahrscheinlich Analphabeten beschäftigen, denn nach einem halben Jahr traf der nächste Pack Kataloge ein. Ein Kind aus dem Haus freute sich, als ich ihm den Packen schenkte.

Ich bekam dann doch Post. Das Versandhaus behauptete, nur gerecyceltes Papier zu verwenden, um die Regenwälder zu schonen. Und wieder fragte ich mich, was da für Leute beschäftigt werden. Dieses Papier ist zwar aufbereitet, aber stammt doch ursprünglich von Bäumen.

Ein anderes Versandhaus stürzte mich regelrecht in ein Abenteuererlebnis.
Zuerst kam ein Katalog. Als ich die Folie entfernen wollte, wurde ich fast ohnmächtig. Es stank entsetzlich! Ich entsorgte das Paket. Bestellte dann aber per Internet Oberhemden. Leibwäsche soll man vor dem Anziehen WASCHEN! Vorsichtshalber zog ich Gummihandschuhe an, als ich die Hemden waschen wollte. Da es nicht so viele waren, nutzte ich die große Waschschüssel. Bevor ich das Paket ganz öffnete, verfluchte ich den Tag vor 50 Jahren, an dem ich die Gasmaske, ein Relikt des Krieges, entsorgt hatte! Als die Hemden lange genug im Wasser gelegen hatten, fand ich sie zuerst nicht in der farbigen Lauge. Nach einem Dutzend Wasserwechseln, konnte ich sie endlich Waschen.

Nun stellt sich mir die Frage, was mache ich, wenn ich mir einen neuen Anzug kaufe. Sollte ich den auch erst einmal Waschen, bevor ich ihn bezahle?


Kurt Meran 23.01.2019
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Alle Angaben seitens des L-Schönefelder Almanach ohne Gewähr

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