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Onkel Kurt

Habe einmal wieder ein Erlebnis gehabt. Ein Erlebnis, von dem ich nicht weiß, wie es zustande kommt. Niemand kann es mir erklären. Ich habe schon alle möglichen Leute, Pädagogen, Erzieher und Sozialarbeiter gefragt. Nichts. Eine wirklich verwertbare Antwort habe ich nie erhalten.

Kinder vertrauen mir und laden mich oft sogar zum Mitspielen ein!

In ging vorhin auf dem Grünzug an einer Kita vorbei. Zwei kleine Mädchen, etwa 4 bis 5 Jahre jung mit Hula-Reifen riefen: „Onkel!“ Ich sah mich um. Außer mir war niemand in der Nähe.  Also trat ich an den Zaun. „Guck einmal was meine Freundin kann!“ Das kleine Mädchen wirbelte seinen Hula-Reifen um ihren Körper. Ganz schön lange. Sie bekam von mir ein dickes Lob. Dann ging ich lächelnd weiter.

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als meine Enkelin in dem Alter war. Ihre Eltern waren, bezüglich ihrer Tochter, eifersüchtig auf mich. Sie wendete sich meist an mich, wenn es ein Problem gab. Für mich war die Kleine „mein Mauseherz“! Ich nenne sie immer noch so, obwohl sie inzwischen über 30 und meine Urenkelin 3 ist.

Wenn wir über eine viel befahrene Straße wollten, wehrte Mauseherz die Hand ihrer Mutter ab und fasste mich an. Ich zeigte ihr, wie man ganz leicht gefahrlos und ohne lange zu warten über eine vielbefahrene Straße kommt. Kleine Kinder natürlich mit Erwachsenen. An der See ging sie nicht mit ihren Eltern ins Wasser, sondern mit mir. Und wie ich schon geschrieben habe, in meinem Garten bekam ich oft Besuch von Kindern. Hatte ich Kinderbesuch, blieb meine Arbeit liegen und ich beschäftigte mich mit dem Besuch.

Ich wurde früher oft gefragt, warum ich nicht Kindergärtner geworden bin. In der DDR war das für männliche Bewerber sehr schwer. Meine Personalakte sah nicht gut aus. Ich war kein Pionier gewesen. War nicht jugendgeweiht. Keine FDJ und keine SED. Also nicht tauglich für Umgang mit Kindern!

 

KM 11.09.2019

 

***

 

Man nehme …
Meine Mutter war eine exzellente Köchin und sagte nach dem Krieg immer, in der Küche verzweifelt ihre Vorräte musternd: „Man nehme so man hat!“

Außer meinem Herrn Vater, gehörten noch zwei ältere Schwestern und jede Menge andere Verwandte zur Familie. Die wohnten aber glücklicher Weise nicht in unserer Nähe. Er war der Stolz der Familie und deren Oberhaupt. Als er starb wurde ich das Oberhaupt. Allerdings nur auf dem Papier. Großvater hatte im Jahr 1919, als die Adelstitel per Gesetz abgeschafft wurden, so etwas ähnliches wie der letzte säggssche Genig gesagt, als seine Minister ihm vorschlugen gnädig abzudanken. Die Großfamilie, alle Onkel und Tanten waren entsetzt! Als mein Vater die Regie übernahm und gebeten wurde, etwas zu unternehmen, sagte er großspurig: „Ich bin ich! Ich brauche keinen Titel!“

Vatis Reich war der Salon! Muttis Reich die Küche und ich der Blödmann vom Dienst!
Ich kehrte bei Zeiten dem Wohnbereich den Rücken und tauchte in der Küche unter. Kochen war mein Ding. Aufwaschen nicht. Das mussten die beiden Mädchen machen. Als ich gezwungen wurde, aufzuwaschen und abzutrocknen, rutschten die nassen Teller und Tassen mir solange aus den Händen, bis Vater ein Machtwort sprach und ich „gehobener“ Küchenjunge wurde. Meine Schlafkammer lag direkt neben der Küche und ich war Tag und Nacht dienstbereit.

Später stellte sich heraus, dass meine Kochkünste einigen Wert hatten.
Meine erste Gattin konnte nur drei was gut: Radiohören – Kaffee kochen und noch was, aber sonst nichts!
Meine zweite Gattin konnte außer einem … nichts, war aber lernfähig. Als sie alles gelernt hatte, ließ sie sich scheiden.
Eine Kollegin suchte einen ausgezeichneten Hausmann und fand ihn in mir. Sie arbeitete im Tagesdienst. Ich im Schichtdienst. Wenn sie nach Hause kam blitzte die Wohnung und das Essen war fertig.
Nach einem Zwischenfall, wert für eine andere Geschichte, trennten wir uns.
Meine dritte Gattin war eine gute Hausfrau und Köchin. Allerdings verwendete sie außer Salz, Zucker, Brühwürfel und Essig kaum Würze. Ich durfte nur Kaffeekochen (mein geheimes Spezialrezept), Kartoffelsalat (geheime besondere Zutaten) und Fischbrötchen (vier verschiedene fischige Beläge) anrichten.
Als wir uns trennten, weinte die Tochter! Warum wohl?

Als ich heute in meiner Miniküche kochte, ich kochte doppelt, musste ich an früher denken und träumte. Ich kochte doppelt, außer dem Essen, weil sich manches Gewürz und Utensil erst finden ließ, wenn ich dort suchte, wo es immer stand. Und ich träumte von den Zeiten, als ich „in Familie“ und wenn es zu viel geworden war, für die ganze Etage kochte.

Kurt Meran von Meranien
17.08.2019
***
Der Garten
Berni fuhr auf den Parkplatz und sah sich um. Seine neue Flamme hatte ihm genau und ausführlich den Weg beschrieben.

„Du fährst die Ausfallstraße lang, bis zu dem Parkplatz vor der Gartenanlage. Damit Du den Parkplatz nicht verfehlst, hinter der Wohnzeile geht ein schmaler ungepflasterter Weg ab. Dort beginnt die Gartenanlage.  Du bleibst auf der Ausfallstraße.  Der Parkplatz ist nicht mehr weit. Vom Parkplatz geht es in die Anlage durch drei Tore. Du nimmst das erste Tor. Geradeaus geht es bis zum unteren Abschluss der Anlage. Meinen Garten erreichst Du, in dem Du in den zweiten Weg rechts einbiegst. Es ist der dritte Garten links!“

Dritter Garten links!
Garten? Na ja. Ein Gelände mit Zaun, Bäumen und Unkraut!
In der Mitte führte vom Tor nach unten, das Gartengelände fiel leicht ab, eine „Apfelallee!“ Die Bäume standen in schmalen Rabatten voller Unkraut. Auf der rechten Seite stand mitten im „Beet“ eine alte Hauspflaume. Ein knorriger Baum mit dichter, verwachsener Krone. An das Beet schloss sich nach hinten ein Gartenhaus aus Fertigteilen an. Auch von weitem konnte Berni sehen, dass der Erbauer keine Ahnung gehabt hatte. Soweit Berni es beurteilen konnte, wuchs um das Gartenhaus herum, dass bestimmt dreißig Quadratmeter hatte, Unkraut unterbrochen von Steinplatten.

Auf der linken Seite war außer etwas rasenähnlichem nichts zu sehen. Umrahmt oder auch eingefasst wurde dieser Garten von einer unterschiedlich hohen Hecke. Zu seinem Erstaunen, hatte das Gartentor, dass er in der Hecke erst gar nicht bemerkte, ein Schloss, und er keinen Schlüssel.

Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich die ganze Anlage einmal anzusehen.
Die Anlage war doch sehr groß. Das mussten schätzungsweise um die fünfhundert Gärten sein. Dazu kam noch eine Reihe Grabeland.
Durch die Anlage schlendernd sah er die unterschiedlichsten Formen der Kleingärten. Sehr gepflegte und ungepflegte. Mit und ohne Laube. An einem Garten, der mehr einem eingezäunten Müllplatz ähnelte blieb er staunend stehen. Ein Mann mittleren Alters sprach ihn an: „Du glaubst bestimmt nicht, wem dieser Garten gehört!“ Berni sah sich den Mann erst einmal in Ruhe an, bevor er antwortete. Er war nicht gewohnt, von Fremden einfach so geduzt zu werden. Dann sagte er: „Du wirst es wissen und bestimmt auch sagen!“ Nun musterte der Andere ihn. Unwillig und abschätzend. Dann sagte er in abfälligem Ton: „Bei Dir piept es wohl! Du kannst mich doch nicht einfach duzen. Was Sachsen so einfällt. Blödmann! Ich sage es Dir aber trotzdem. Der Garten gehört dem Kreisvorsitzendem. Idiot!“
Berni sah den Mann verächtlich lächelnd an und antwortete dann: „Ein Mecklenburger, der einen Sachsen belehren will, toll! Du hast mich zu erst geduzt! Ich bin es nicht gewohnt, mich von Fremden duzen zu lassen! Hier meine Karte, falls Du lesen kannst!“
Damit drehte er sich um und ging.
*
Als Berni beim Garten seiner neuen „Flamme“ eintraf, war diese schon da und überfiel ihn mit Vorwürfen. Berni ließ sie Reden und besah sich die Laube nun aus der Nähe.
Wer die Laube gebaut, oder besser gesagt, die Fertigteile zusammengesetzt hatte, musste da mit Augenmaß gearbeitet haben. Bestimmt einem vernickelten Augenmaß seiner Großmutter. Die Tür zur Terrasse, war mit der Tür zum Abstellraum vertauscht worden. Die Terrasse war zur Hälfte aus Beton und die andere Hälfte war der einfache Rasenboden ohne Rasen, also eher Dreck.

Die Flamme schien das nicht zu stören. Stolz zeigte sie ihm das Innere des Baus. Wohnzimmer, Küche, Abstellraum und Toilette. Die Toilette war einfach ein Stuhl ohne Polster mit einem Eimer drunter. Sehr praktisch.
In keinem der Räume gab es einen Fußboden, außer den nackten Beton. Schön kühl im Sommer. Eine Zwischendecke unter den Dachsparren gab es auch nicht. Und Die Dachpappe hatte man auch weggelassen. Einfach toll!

Berni sagte nichts. Erst nach mahnendem Hüsteln der Dame, quetschte er ein „Toll“ heraus und floh ins Freie. Das Ergebnis des Gartenrundgangs und die mit Stolz vorgetragenen Erklärungen zerrten an seinen Nerven. Schließlich ermannte er sich und bewertete das was er gesehen hatte. Sie schmollte. Da sie nichts sagte, suchte Berni nach einer Sitzgelegenheit. Nichts zu finden, dachte er, bis er einen umgestülpten Kübel fand. Es wurde auch Zeit, denn seine Beine zitterten schon.

Die Flamme hielt einen nicht enden wollenden Monolog über die nunmehrige Gestaltung ihres Gartens. Der voraussehbare Schlusspunkt gefiel Berni eigentlich nicht. Sie war die Planerin und er der Gartengestalter oder in Wirklichkeit der Gartenarbeiter. Er nickte zu allem. Das ist prima dachte er. Sie lässt mich ihre Pläne umsetzen. Also bin ich verantwortungsfrei. Was Besseres konnte ihm gar nicht passieren!

Nach einem halben Jahr waren Laube und große Teile des Gartens nicht mehr wiederzukennen. Vorsichtshalber hatte er den Begriffsstutzigen gespielt und sich alle Pläne und Vorstellungen der Flamme schriftlich geben lassen!
Da man nichts überstürzen soll, hatte er einen Punkt nach dem Anderen schön langsam abgearbeitet. So langsam, dass die „Auftraggeberin“ ihre Vorstellungen mehrmals ändern konnte. Die Gartennachbarn und der Vorstand hatten zugesehen, diskutiert, sich aber nicht wirklich eingemischt. Zu am Anfang geäußerten Bedenken hatte Berni sofort geantwortet, dass er nicht verantwortlich sei, sondern nur der Arbeiter wäre. Irgendwelche Mutmaßungen und Unterstellungen prallten an seiner Ruhe ab.

Irgendjemand hatte beobachtet, dass er mit dem Pflaumenbaum gesprochen hatte. Von da an galt er als Idiot und man ließ ihn in Ruhe. Selbst der Kerl, der ihn beim Garten des Kreisvorsitzenden angesprochen hatte, sagte nichts mehr.

Im Herbst beobachtete ein Nachbar, wie Berni die Bäume verschnitt. Sogar die Pflaume. Der Vorsitzende hatte geraten den Baum umzulegen und mit dem Holz spekuliert. Berni dachte nicht daran, dem Vorsitzendem zu folgen. Als Erika, seine Flamme ihn von dem Rat in Kenntnis setzte, hatte er den Kopf geschüttelt und ihr eine Riesenernte versprochen.

Ihr Verhältnis war für die Kleingärtner undurchsichtig. Ihn anzusprechen lohnte nicht und Erika äußerte sich nicht. Man wusste nur, dass sie nicht zusammenwohnten. Jeder hatte eine eigene Wohnung und sie schienen sich nur im Garten zu treffen.

Als Berni die Bäume verschnitt, tauchte im Garten ein Vorstandsmitglied auf und verbot ihm die Bäume zu verschneiden. Berni zeigte ihm den schriftlichen Auftrag und geleitete ihn aus dem Garten.

Erika musste zum Vorstand. Berni war auch eingeladen, ging aber nicht hin. Als Erika gefragt wurde wo Berni sei, zuckte sie mit den Schultern. Ein Vorstandsmitglied tigerte zum Garten, um Berni zu holen. Berni empfing ihn am Gartentor und wies daraufhin, dass er kein Mitglied des Gartenvereins sei und dessen Einladungen nicht zu folgen brauche.
Die Sache kam vor den Kreisvorstand. Dieser kam zu einem Ortstermin. Nach eingehender Besichtigung des Gartens und nebenbei der Bäume, wurde Berni gefragt, ob er für den Kreisvorstand arbeiten würde.
Berni antwortete diplomatisch: Können schon, aber er würde doch dem jetzigen Baumbeschneider nicht die Arbeit wegnehmen wollen. Außerdem habe er weder einen Garten, noch sei er Mitglied, und eine Mitgliedschaft lehne er ab!

Berni möblierte die Laube mit billig im Möbelhaus erstandenen Rückgaben. Nachdem er das Dach gedeckt, einen Holzfußboden und eine Zwischendecke eingezogen hatte. Das Holz bekam er als Werbegeschenk von IKEA!

Eines Tages war Berni weg! Er tauchte weder im Garten, noch bei Erika auf. In seiner Wohnung war er auch nicht.
Erika störte das kaum. Sie hatten gestritten und er nahm sich eine Auszeit. Dafür störte es den Gartenvorstand. Berni war noch immer kein Mitglied. Eigentlich wollten die Einheimischen ihn auch nicht haben, aber eine Mitgliedschaft im Vorstand wäre nützlich gewesen.

Wo war Berni?

Eines Tages im Spätherbst hörten die Kleingärtner Motorengeräusche. Es klang wie ein Traktor. Aber wer hatte hier einen Traktor und wozu? Im Kleingarten wurde mit dem Spaten umgegraben.

Sie kamen schnell dahinter wer hier Traktor fuhr. Natürlich Berni! Auf seinem Kleintraktor sitzend zog er in aller Ruhe Furche um Furche, ohne sich um die zahlreichen „Zaungäste“ zu kümmern. Als der Vorsitzende Berni zur Rede stellen wollte, kam er nicht in den Garten. Das Tor war abgeschlossen und Berni reagierte nicht auf die Rufe. Er reagierte auch nicht, als der vom Vorstand gerufene Polizist in den Garten wollte. Einer der Männer holte Werkzeug und das Gartentor wurde ohne Schlüssel geöffnet. Berni hielt seinen Traktor an, kam zum Weg auf dem eine Menge Leute standen und meldete dem Polizisten einen Einbruch. Verdutzt fragte der Polizist, wann denn eingebrochen worden wäre. Berni antwortete ganz ruhig: „Eben vor ein paar Minuten.“ Und ergänzte: „Die Einbrecher sind ja hier. Sie stehen neben Ihnen!“

Es begann eine langwierige Diskussion. Thema waren die Punkte:

1. Wie kam der Traktor in den Gartenverein und den Kleingarten. Das Befahren der Wege mit Motorfahrzeugen war verboten.

2. Das Eindringen von Fremden in diesen Garten.

3. Das unangemeldete Erscheinen des Vorstandes in diesem Garten.

4. Wer hatte den Wasserhahn entfernt?

Der Polizist schrieb alles auf und nahm schließlich auch die verursachten Schäden durch die herumtrampelnden Leute auf.

Dann stellte er Fragen. Berni unterbrach den Polizisten und fragte so in die Runde, wer denn eigentlich gesehen hätte, dass er mit dem Kleintraktor auf den Gartenwegen gefahren sei. Niemand meldete sich. Schließlich sagte der Vorsitzende: „Wie soll der Traktor hierhergekommen sein. Er ist auf dem Gartenweg hierhergefahren. Punkt!“ Berni grinste und sagte: „Beweis das einmal! Ich habe ihn auf einen stabilen Plattenwagen gefahren und hierher transportiert!“ Dann ging es um das Betreten des Gartens. Wer hatte den Wasserhahn abgedreht und dabei das Siegel des Vorstandes entfernt? Nun meinte der Vorsitzende Berni solle sich nicht so aufplustern und der Polizist gab sein Fett dazu. Berni schob mit ausgebreiteten Armen alle aus dem Garten raus.

Am nächsten Tag stand die ganze Geschichte im Lokalblatt. Es gab sogar eine Bilderstrecke. Da die Leute schräg von hinten fotografiert worden waren und somit nur die Gruppe, aber keine einzelnen Personen zuerkennen waren, weigerte sich die Polizei die Sache aufzuklären. Ganz abgesehen davon, dass alle im Garten von Erika standen.

Der Traktor verschwand der der dritten Nacht und aufmerksame Nachbarn stellten fest, dass Herbstpflanzungen vorgenommen worden waren.

In einer außerordentlichen Vorstandssitzung wurde beschlossen Berni zwangsweise zum Mitglied zu machen und in den Vorstand aufzunehmen.

Berni nahm diesen ganzen irren Vorgang gelassen zur Kenntnis. Eine Woche später setzte er durch, dass dem Kreisvorsitzendem aufgetragen wurde seinen Garten innerhalb von einem Monat in Ordnung zu bringen. Da nichts geschah, wurde der Pachtvertag fristlos gekündigt und der Garten durch freiwillige beräumt. Weder Polizei noch Gericht erhoben Einspruch. Zum Frühlingsbeginn sollte ein neuer Kreisvorstand gewählt werden!

An der Kreisvorstandstagung nahm Berni als neuer Vorsitzender seines Kleingärtnervereins teil. Die riesige Kleingartenfläche wurde in fünf selbständige Vereine geteilt. Diese Vereine konnten leichter verwaltet werden, als das große, unübersichtliche Gelände. Berni schaffte es, unkontrollierte Entnahme von Wasser und unkontrolliertes Verbrauchen von Elektrizität zu unterbinden.

Es existierten keine Pläne über verlegte Wasserrohre und Stromkabel. Erst als Berni mit strengen Maßnahmen drohte und schließlich bei einem Kleingärtner eine polizeilich gestützte Hausdurchsuchung durchführte, wurden die Strom- und Wassersünder aufgedeckt und kaltgestellt. Bei der Hausdurchsuchung kam heraus, dass die Steinlaube verbotener Weise unterkellert war und in einem Teil dieses Kellers Industriekühlschränke unter Umgehung der Stromzähler an der Leitung angeschlossen waren.

 

Berni wurde, bis zu seinem Ausscheiden wegen Umzuges, jedes Jahr wieder zum Vorsitzendem gewählt, obwohl er gar keinen eigenen Kleingarten hatte: Wo steht, dass der Vorsitzende einen Garten haben muss?

 

Kurt Meran

 19052019

*

DER GARTEN - Was es nicht alles gibt – eine Erklärung!
Wer nicht glaubt, dass jemand Vorsitzender eines Kleingärtnervereins werden kann, wenn er weder Mitglied ist noch einen Kleingarten hat, dem sei gesagt:
Von 1989 bis 1998 war ich Vorsitzender eines Kleingärtnervereins mit 75 Parzellen. Ich hatte weder einen Garten, noch war ich Mitglied. Hätte ich mich nicht bereiterklärt, wäre aus dem Verein ein Parkplatz geworden.
Aller zwei Jahre wurde gewählt. Ein paarmal wurde mir vorgeworfen, dass ich nicht an den Pflichtstunden teilnehmen würde, sondern mit dicker Zigarre, Notizblock und Kamera im Verein unterwegs gewesen bin, um Unzulänglichkeiten aufzudecken!
Da ich keinen Garten hatte, brauchte ich keine Stunden zu leisten! Außerdem habe ich jedes Mal den Mitgliedern vorgeschlagen, mich abzuwählen. Ich trat schließlich zurück. Nach einem Gartenfest stimmte die Kasse nicht. Mangels Rücklagen, hatte ich die Getränke und Speisen auf Kommission gekauft. Zurückgeben konnte ich nichts, da mein Stellvertreter nach Mitternacht, alles was nicht verkauft worden war, verschenkt hatte.

Der Rechnungsführer des Vereins war Diplommathematiker und mit der Verwaltung der Finanzen vollkommen überfordert.
KM 2019
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Klingelingeling
Es kommt der … Nein, nicht der Eiermann wie es in einem  Schlager einmal hieß.
Ich sitze in der Küche und frühstücke, als es an der Wohnungstür klingelte. Lege die Schnitte weg. Wische mir den Mund ab, stehe auf und schlängele mich zur Wohnungstür. Kein Mensch da. Gehe weiter Frühstücken. Bin gerade fertig, als es wieder klingelt.
Diesmal an der Haustür. Wer könnte da geklingelt haben? Da ich so gut wie nie Besuch bekomme, kann es nur der Postbote sein.
Auf dem Signalfeld der Wechselsprecheinrichtung brennt kein Licht. Ich öffne meine Tür und lausche. Nichts. Schließe die Tür und gehe wieder in die Küche.
Klingelingeling an der Wohnungstür. Ich sprinte zur Tür und reiße sie auf. Niemand da! Verdammt und zugenäht! Wer veralbert mich hier?
Ich räume ab und beginne aufzuwaschen. Klingelingending an der Wohnungstür. Altes Lied - keiner da und auch keine Schritte im Haus. Laut mache ich meinem Ärger Luft: "Welcher Idiot klingelt hier dauernd?" Nichts rührt sich!
Das Vorstehende wiederholt sich mehrmals, ohne dass ich den Verursacher  feststellen konnte.

Von den Mitarbeitern der DHL ist ja bekannt, dass sie nur etwa 10 Sekunden an der Haustür warten, bis sie beim Nachbarn klingeln oder wieder gehen. Die Hermesleute handeln ebenso. Allerdings sagen sie, wenn ich mich melde, nicht wie die DHL: Post ein Paket für sie, sondern: "Aufmachen - Hermes!"
Es ist auch schon vorgekommen, dass ich gemerkt habe, wer da geläutet hatte und an der offenen Tür meinen Namen rief. Als der DHL-Mensch an mir vorbeiging wiederholte ich meinen Namen. Er knurrte:"In der vierten Etage wird die Sendung angenommen. Gehen sie mir aus dem Weg!" Ich wartete bis er wieder herunterkam und fragte nach. Seine Antwort: "Wenn sich der Empfänger nicht meldet, klingle ich woanders." "Glauben Sie etwa ich stehe an der Tür und warte darauf, dass jemand klingelt?" "Die Wohnungen hier sind nicht so groß, da können sie in Sekunden an der Tür sein." "Ach so. Ich darf nichts anderes machen, als auf das Klingeln zu warten!" Das "Sie Idiot" verkniff ich mir. Ich stieg von der ersten in die vierte Etage und klingelte. "Herr Mayer entschuldigen Sie bitte die Störung. Die DHL hat gerade ein Paket für mich bei Ihnen abgegeben". Herr Mayer sieht mich an und sagt:"Woher wissen Sie das?" Ich erkläre es. Mayer sagt: "Ohne die amtliche Mitteilung kann ich die Sendung, für die ich unterschrieben habe nicht ausliefern!" Mayer ist Beamter. Ich tigere also von der vierten Etage ins Erdgeschoss. Im Briefkasten ist nichts! Steige wieder in die vierte. Mayer faucht mich an: "Was wollen Sie denn nun schon wieder?" Wieder meine Erklärung  und Mayer sagt: "Woher soll ich wissen, dass Sie berechtigt sind, das Paket in Empfang zu nehmen?" "Sehen Sie doch nach der Anschrift!" "Ich sehe überhaupt nichts an. Geben Sie mir die Benachrichtigung und fertig!" Wütend gehe ich und ruf bei der Deutschen POST an. Die freundliche Beamtin sagt mir, dass der Zusteller ordnungsgemäß gearbeitet hat: "Öffnet der Empfänger nicht, wird anderweitig zugestellt!"

Zwei Tage später lag die Benachrichtigung im Briefkasten. Ich dachte gar nicht daran, mir das Paket in der vierten Etage abzuholen. Der Inhalt war unverderblich und konnte bei Mayer schmoren. Abends klingelte es an der Wohnungstür. Ich ließ mir Zeit. Keiner da. Ich sagte laut: "Welches Rindvieh macht hier Klingelputzen?"
Zwei Minuten später klingelte es wieder. Nach dem zweiten Klingelton öffnete ich die Tür. Mayer. Er sah mich an ohne etwas zu sagen. Ich sagte auch nichts. Schließlich meinte er: "Haben Sie die Benachrichtigung?" Ich nickte und fragte: "Haben Sie das Paket?" "Sehen Sie eins?" "Warum klingeln sie dann?" "Wollen sie das Paket nicht endlich bei mir abholen?" "Nein. Ich verweigere den Empfang"!
Zwei Tages später treffe ich Frau Mayer auf der Straße. Grantig schnauzt sie mich an: "Sie Rotzlöffel. Wie können Sie es wagen, uns so in Ungelegenheiten zu bringen. Telefoniererei und Renner ei für nichts." Zwei Tage später nimmt meine Bekannte ein Paket für Mayer an. Mayer kommt abends mit der Benachrichtigung und will sein Paket abholen. Ich sage: "Tja Herr Mayer, da gibt es ein Problem. Es gibt ja zwei Mayer im Haus. Woher soll ich wissen, dass sie der Richtige sind?" "Reden Sie nicht. Ich habe hier die Benachrichtigung!" "Na und. Wenn der DHL-Mann die nun in den falschen Briefkasten geworfen hat?" "Ich sehe mir das Paket an!" "Das Paket ist schwer. Das trage ich nicht herum!" "Ich kann ja rein kommen." "Ich lasse doch keine fremden Leute in meine Wohnung!" Am nächsten Tag standen drei Männer vor meiner Tür. Die beiden Mayer und ein DHL-Mann. Alle drei sahen sich diskutierend das Paket an, dass der DHL´er schließlich wieder mit nahm. Zwei Tage später klingelte es an der Haustür: "Post. Ein Paket für Mayer. Würden sie es entgegennehmen?" "Welcher Mayer?" "Das ist doch egal!" "Mir nicht. Guten Tag!" Seitdem sprechen die beiden Mayer nicht mehr mit mir. Beide Frauen hatte ich danach zum Kaffeetrinken eingeladen. Sie haben sich meine Wohnung im Detail angesehen und den Weg von der Küche zur Wohnungstür gründlich erforscht. Nun weiß das ganze Viertel, wie meine Wohnung aussieht und wie die Wohnungswege gestaltet sind.
Mitte Januar wünschte ich meinem Nachbarn ein gesundes neues Jahr. Er bedankte sich, wünschte mir das Gleiche und fragte, ob ich im Krankenhaus oder verreist gewesen wäre. Nein. Meinte er: "Ich habe mehrmals bei Ihnen geklingelt. Aber sie waren nie da!" Der Nachbar wartet also noch nicht einmal die zehn Sekunden, wie der Postbote!

Kurt Meran von Meranien 15.01.2017
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Anneliese (Aus Anneliese erzählt)
Anneliese ist die jüngste Schwester meiner Frau Marianne. Sie ist sehr viel jünger als diese. Sie kann mich nicht leiden. Ich nenne sie immer Liese, was sie bis zur Weißglut reizt. Anneliese hat eine kurvenreiche Figur, ist ein kleines bisschen blöd und hellblond.
Wir hatten uns fast 10 Jahre nicht gesehen, als sie plötzlich bei uns auftauchte und weinend eine unglaubliche Geschichte erzählte.
Besucht hatten wir uns wegen ihrer Figur und ihrer Heirat nicht mehr. Und das kam so.
Anneliese hatte die blöde Gewohnheit, in ihrer Wohnung, auch wenn wir da waren, so gut wie nackt herumzulaufen. Wahrscheinlich dachte sie nicht daran, dass Rudi und ich nicht nur Verwandte, sondern auch und vor allem Männer waren.
Sie war so aufreizend, dass ich in ihrer Gegenwart keinen klaren Gedanken fassen konnte. Auch wenn sie uns besuchte, musste sie immer erst einmal Duschen, und vergaß, sich anschließend richtig anzuziehen. Egal, ob wir in ihrer oder in unserer Wohnung waren, sie war nackt.
Natürlich wurde ich nach den Besuchen dann von Marianne angebellfert, ich hätte Anneliese gierig angestarrt. Also gingen wir nicht mehr hin, und wenn sie zu uns kam, verschwand ich im Hobbyraum.
Als sie heiratete, löste sich das Problem. Für ihren Gatten, einem Banker waren wir nicht salonfähig. Er hatte mich nach meinem Beruf gefragt, und ich hatte Orthopädie-Facharbeiter geantwortet. Marianne hatte er gar nicht gefragt. Frauen hatten Hausfrauen zu sein. Er zog mit Anneliese in ein neugebautes großes Anwesen, mit Pool und allen Schikanen. Anneliese, die sowieso nicht gerne arbeitete, blieb zu Hause und lebte nur noch auf und für Partys. Ihr Gatte scheffelte Geld und stellte Anneliese zur Schau. Uns gab es für sie nicht mehr!
Bis gestern!
Da Anneliese viel freie Zeit hatte, und ihr Gatte selten zu Hause war, kam was kommen musste, sie ging fremd. Außerdem versuchte sie ihr Taschengeld durch Lotterien aufzubessern. Ihr Gatte schenkte ihr zwar viele Kleider und Schmuck, gab ihr aber nur ein sehr mäßiges Taschengeld. Den Haushalt besorgten Hausangestellte, die ihr Gatte mit in die Ehe brachte, und die nur ihm rechenschaftspflichtig waren. Da die Lotterien mehr Geld kosteten als Gewinne brachten, hatte Anneliese bald gehörige Schulden.
Eines Tages kam Ferifredo, ihr Herr Gatte dahinter, dass sie nicht nur persönliche Schulden hatte, sondern ihn auch betrog. Er bezahlte ihre Schulden, löste ihr persönliches Bankkonto auf und reichte die Scheidung ein.
Gerade, als der Scheidungsprozess zum Finale kam, kam der große Gewinn. Was tun? Anneliese zeigte sich gegenüber ihrem Nochehemann äußerst großzügig und schuldbewusst!
Sie wollte vom gemeinsamen Eigentum nur das alte Blockhaus in der Lüneburger Heide. Alles andere sollte ihrem Gatten bleiben. Allerdings wollte sie das Blockhaus, schön gelegen an einem kleinen See in vollkommener Einsamkeit, renovieren. Das dafür erforderliche Geld spendete ihr Ferifredo gern.
Und jetzt kommt der Clou!
Anneliese ließ sich unter einem Vorwand ihren Gewinn bar auszahlen. Sie renovierte das Haus und zog unauffällige Zwischenwände ein. Zwischen den Wänden deponierte sie ihr Geld. Damit sie nicht mit dem Bus in die Stadt fahren musste, schenkte ihr Ferifredo noch einen Kleinwagen. Da Anneliese offiziell kein Geld hatte, trug Ferifredo alle Gerichts- und Anwaltskosten. Anneliese lebte zufrieden in ihrem Blockhaus mit dem Gedanken, das Trennungsjahr ist schnell vorbei, und dann kommt mein Gewinn zum Tragen. Sie ging viel schwimmen, wanderte, machte kleinere Autotouren und saß in lauen Sommernächten am See. Ferifredo und auch seine Freunde bekam sie nicht zu Gesicht. Sie lebte das Jahr vollkommen allein in ihrer Hütte. Nachts hörte sie oft das rascheln von Mäusen, und morgens lauschte sie dem Vogelzwitschern. Völlig eins mit der Natur brauchte sie sich nicht mehr fein anzuziehen. Sie lief im Haus nackt herum und ging gleich so zum See baden, überzeugt, dass in ihre Einsamkeit sowieso niemand kam. Als die Scheidung perfekt war, fuhr sie in die Stadt und feierte ein paar Tage dieses Ereignis. Nach dem Winter, den sie in der Stadt bei einer Freundin verbrachte, kam sie zurück, um ihr Geld einzusammeln und zu überlegen, wie sie es langsam verbrauchen oder anlegen könnte. Eigentlich wusste sie genau wie alles ablaufen sollte.
Aber sie wollte es erst einmal in Ruhe auf einem Haufen sehen. Ausgerüstet mit einem Koffer fuhr sie zum Blockhaus. Hier schien sich nichts Negatives getan zu haben. Alles sah so aus, wie sie das Haus im Spätherbst verlassen hatte.
Sie räumte eine Seite frei, und löste die nur eingehängte Sperrholzwand. Sprachlos sah sie in die entstandene Lücke! Die sorgsam gestapelten Geldbündel lagen zerfetzt am Boden! Rasend wühlte sie in ihnen herum. Riss dann alle Zwischenwände heraus, und fiel in Ohnmacht. Als sie wieder aufwachte, lag sie zwischen umgefallenen Möbeln und Dreck! Die lieben Mäuse hatten ganze Arbeit geleistet! Sie hatten die Geldbündel zum Nestbau und anderem verwendet! Trotz allem Suchen und Sortieren, das Geld war und blieb futsch!

Kurt Meran von Meranien 15.03.2007

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Alle Angaben seitens des L-Schönefelder Almanach ohne Gewähr

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