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Maja
Achim ging nach einem Besuch bei Bekannten nach Hause. Er war sehr bedrückt. Seine Bekannten hatten ihm mit Nichtigkeiten zugesetzt. Er war verletzt und fühlte sich missverstanden. Achim war so in Gedanken versunken, dass er fast über ein kleines Kind, das plötzlich vor ihm stand gefallen wäre. „Was machst du hier?“, fragte er erstaunt „Ich warte auf meinen Vati, aber er kommt nicht“. Der Stimme nach, war das ein Mädchen. Er nahm die Kleine bei der Hand und zog sie ins Laternenlicht. „ Wieso wartest du im Dunklen auf deinen Vati?“ „Mutti hat gesagt, warte hier, ich komme gleich wieder“, sagte die Kleine weinerlich. Achim fand das seltsam. Abends um neun im Dunklen lässt eine Mutter doch ihr Kind nicht allein.
„Wie heißt du denn?“, fragte er. „Maja“. Maja heißt doch die Biene, erinnerte er sich, das ist doch kein Mädchenname. „Und weiter?“ Sie sah ihn fragend an. „Wie heißt denn deine Mutti?“ „Mutti“. Mm. „Und dein Vati?“ „Vati“. „Hast du Geschwister?“ „Ja, aber die sind schon groß“. „Wie groß, ich meine wie alt bist du denn?“ „Vier.“ Verdammt, dachte er, hier kommt niemand. Was fange ich mit einem vierjährigen Mädchen an? Schließlich, während die Kleine immer weiter plapperte, rief er die Polizei an. Umständlichen Fragen gab er gereizt ironische Antworten. Der Beamte am Telefon sagte: „Bleiben sie, wo sie sind, die Mutter kommt bestimmt bald.“ Achim fragte den Beamten, ob er in seinem Büro Fenster habe. Stille. Dann sagte der Mann: „Natürlich, warum?“ „Na, dann gucken sie doch einmal hinaus und sagen mir, was sie sehen.“ „Nichts, es ist doch dunkel.“ „Na eben, es ist dunkel, “ schäumte Achim. „Und ich stehe hier im Dunkeln mit einem kleinen Mädchen, das ich in dieser Dunkelheit fast umgestoßen hätte. Wir stehen nun schon fast eine Stunde hier. Es kommt keine Mutter und auch kein Vater, und ich muss unmögliche Fragen beantworten.“ Damit beendete Achim das Gespräch. Die Kleine sagte plötzlich: „Ich habe Hunger“. In seine Wohnung wollte Achim nicht gehen. Wer weiß, was die Polizei dann glaubte. Er rief noch mal dort an, und sagte: „Hier ist noch niemand aufgetaucht. Wir gehen jetzt zu Stottmeister. Es fängt an zu regnen und Maja hat Hunger.“ Maja ergriff zutraulich seine Hand, als er sagte: „ Komm bitte mit. Da drüben können wir zu Abend essen. Aber lass mich nicht los, damit du mir nicht verloren gehst.“ Bei Stottmeister war mäßiger Betrieb. Die Kellnerin nahm die Bestellung auf. Achim erzählte ihr, wieso er in Begleitung eines kleinen Mädchens war. Sie aßen und tranken, ohne dass Polizei auftauchte. Da er nicht wusste, was er mit einem kleinen Kind abends anfangen sollte, begann er ihr Geschichten zu erzählen. Geschichten, die er gerade beim Erzählen erfand. So, wie er es immer machte, wenn er allein war. Und eigentlich war er ja immer allein. Maja hörte gespannt zu. Er ließ das ganze Märchenreich auferstehen, und integrierte es in die moderne Welt. Märchengestalten flogen zum Mond, Astronauten verliefen sich im Wald und fragten die Hexe nach dem Weg. In den Geschichten, die er erzählte, war alles möglich. Die Zeit verging. Achim musste einmal hinaus, unterbrach die Geschichte und stand auf. Ungläubig sah er sich um. Am Nebentisch saßen zwei Polizistinnen. Herr Stottmeister lehnte an der Biertheke. Die zwei Biertrinker dort, die noch laut erzählt hatten, als Achim und Maja aßen, waren mucksmäuschenstill. Am nächsten Tisch saß ein Ehepaar mit zwei größeren Kindern. Er sagte erstaunt: „Nanu, die Polizei ist ja da. Warum sind Sie denn nicht an unseren Tisch gekommen?“ Eine der Polizistinnen sagte: „Wir wollten sie nicht stören. Solche Geschichten haben wir noch nicht gehört. Wer hat die geschrieben?“ Achim grinste. „Ich komme gleich wieder.“ Maja wollte nicht allein bleiben und stand auch auf. „Ich gehe auf die Toilette, da kannst du nicht mit“, und zu Herrn Stottmeister gewendet: „Passen sie mal auf die Kleine auf?“ Der nickte. Als Achim wieder kam, saßen alle noch friedlich da und warteten. Ein Junge fragte: „Geht’s weiter?“ Er sah auf die Uhr. Ungläubig starrte er auf das Zifferblatt. „Es ist ja schon eins! Maja muss ins Bett.“ Maja sagte: „Ich bin noch nicht müde. Wir gehen zu dir, und du erzählst weiter.“ „Prima“, sagte Achim, „erstens geht das nicht, weil wir immer noch nicht wissen, was mit deinen Eltern ist, und dann bin ich weder auf Besuch noch auf Kleinkinder eingerichtet.“ Die Polizistinnen beratschlagten und telefonierten. Dann sagte die eine: „Wir bringen Maja jetzt ins Kinderkrankenhaus. Sie kommen morgen aufs Revier, damit ein Protokoll aufgenommen werden kann.“ Maja protestierte. „Ohne Onkel Achim komme ich nicht mit.“ Er lenkte ab. „Du wirst in einem weißen Bett schlafen, und dich ganz toll wohl fühlen.“ „Nein, ich bleibe bei dir.“ Er schüttelte den Kopf. „Maja. Maja das geht nicht. Ich kann dich nicht mitnehmen. Du musst ins Bett und ich habe nur eins.“ „Da schlafe ich eben bei dir im Bett.“
Er wurde ungeduldig. „Maja, ich habe nur ein schmales Bett. Da kann man nicht zu zweit drin schlafen.“ „Bist du denn allein?“ „Ja, Maja.“ „Da musst du aber traurig sein.“ „Warum soll ich traurig sein?“ „Weil du so allein bist.“ Er wurde langsam wütend. Es wurde immer später. Er wollte ins Bett. Und die beiden Polizeibeamtinnen taten gar nichts. Alle anderen waren inzwischen gegangen. Herr Stottmeister und seine Kellnerin machten überall das Licht aus. Achim sagte zu den Beamtinnen: „Wären Sie bitte so freundlich, etwas zu unternehmen? Ich will ins Bett. Oder sie übernehmen das Kind, und ich gehe schlafen.“ Und zu Stottmeister: „Würden Sie mir bitte was zu trinken geben, ich habe einen ganz trockenen Mund.“ Die ältere der Polizistinnen fragte: „Haben sie wirklich keine Frau?“ „Nein, verflixt und zugenäht. Was soll die Fragerei?“ Maja fing an zu heulen. „Warum ärgert ihr meinen Onkel?“, schluchzte sie. Alle sahen sich wie auf Kommando um. „Wer ist denn dein Onkel“? fragte Herr Stottmeister. Maja zeigte auf Achim. Die Polizistinnen fingen an zu schimpfen. „Ruft der Kerl bei uns an und sagt, er hätte ein Kind gefunden, in Wirklichkeit ist sie seine Nichte!“ Achim fiel das Kinn auf die Brust. Vollkommen verblüfft starrte er Maja an. „Maja, was soll der Unsinn? Wir haben uns erst heute Abend kennen gelernt. Ich habe dich noch nie gesehen.“ Maja, sagte unbeirrt: „Du bist mein Onkel.“ Und zu den Polizistinnen: „Er denkt sich immer so tolle Geschichten aus.“ Die Polizeibeamtinnen wollten jetzt seine Wohnung sehen. „Wir kommen jetzt mit zu ihnen.“ Da streiten keinen Sinn hatte, welcher Mann kann sich gegen drei Weiblichkeiten durchsetzen, ging Achim mit Maja an der Hand los. Als alle sein Wohnzimmer betraten, pfiffen die Polizistinnen verblüfft. Er wunderte sich darüber, sagte aber kein Wort. Die Ältere schaute in alle Ecken und meinte dann verwundert: „Und hier wohnen sie?“ Er nickte. „Hier wohne ich.“ „Hier ist es ja für zwei Personen viel zu klein.“ „Na, ich bin ja auch allein.“ „Und wo wohnt Maja?“ Achim wollte gerade sagen, woher soll ich das wissen, als es an der Haustür klingelte. Er meldete sich über die Sprechanlage. „Polizei, öffnen sie bitte!“ Die Treppe herauf kamen zwei Polizisten und eine nicht mehr ganz junge, verweinte Frau. Als sie Maja sah, stürzte sie auf das Kind zu und umarmte es heftig. „Kind, was machst du nur für Sachen? Wo bist du gewesen?“ schluchzte sie. Die vier Grünen debattierten leise. Dann sagte einer von ihnen: „Die Sachlage klären wir morgen. Sie sind um acht auf dem Revier Nordost.“ Achim schüttelte den Kopf. „Das werde ich mit Ihrer gütigen Erlaubnis nicht tun. Wenn Sie so liebenswürdig sind, dann sehen Sie bitte einmal auf die Uhr. Es ist fast vier Uhr! Ich denke, wir verabschieden uns jetzt. Ich gehe ins Bett und komme Morgen, sobald ich ausgeschlafen habe, auf das Revier. Würden Sie bitte so freundlich sein und meine Wohnung jetzt verlassen?“ Nach einem kurzen Zögern verließen alle Achims Wohnung.
Am frühen Nachmittag erschien er, er hatte vorher angerufen, auf dem Revier. Maja war mit ihrer Mutter auch da. Als Achim ins Zimmer trat, flog Maja auf ihn zu. Sie sprang ihn an und umarmte ihn stürmisch. An seinem Hals hängend weinte und lachte sie glücklich. Die Mutter erzählte, wieso Maja verschwunden war.
Ihr Mann war vor einiger Zeit gestorben. Maja und ihr Vater hatten sich heiß und innig geliebt. Maja glaubte nicht, dass er niemals wiederkommen würde, und suchte ihn ständig. Sie wusste, wo er gearbeitet hatte und pendelte auf dem Arbeitsweg hin und her. „Vati geht hier immer lang, ich treffe ihn bestimmt.“ Dann ergänzte sie, dass Maja den ganzen Tag von Onkel Achim geschwärmt hätte. Maja, jetzt auf seinem Schoß sitzend, machte den Vorschlag, da er ja allein sei, könne er doch zu ihnen ziehen. Platz sei genug da und sie brauchten nicht in der Gaststätte sitzen, wenn sie Geschichten hören wollten. Achim fluchte innerlich. Da hatte er sich ja etwas Schönes eingebrockt! Seine Gedanken wurden abrupt unterbrochen. Die Mutter lud ihn zum Kaffeetrinken ein. Achim zuckte mit den Schultern. „Geht nicht. Ich trinke keinen Kaffee, esse keinen Kuchen und habe keine Zeit.“ Maja mischte sich ein: „Du kommst jetzt mit!“ Resigniert zuckelte Achim mit.
Majas Familie bewohnte ein Einfamilienhaus. Man sah auf den ersten Blick, dass sich niemand um den Vorgarten gekümmert hatte. Nach dem Kaffeetrinken schnappte Achim sich ein paar Werkzeuge, stellte Mutter und Tochter zur Arbeit an und brachte den Vorgarten einigermaßen in Ordnung. Danach wurde er zum Abendbrot eingeladen. Zusammen mit der Frau brachte er später Maja ins Bett. Natürlich ging es nicht ohne Geschichte ab. Als die beiden Erwachsenen das Kinderzimmer verlassen wollten, rief Maja sie zurück. Erst flüsterte sie ihrer Mutter etwas ins Ohr und als diese sie verblüfft ansah, sagte sie laut: „Weißt du, Onkel Achim, du wärst bestimmt ein guter Vati. Warum bleibst du nicht da? Du kannst ja Mutti heiraten. Und wenn Vati nach Hause kommt, freut er sich bestimmt, dass Mutti nicht so allein ist.“ Und dann flüsterte sie ihm halblaut zu: „Mutti weint nachts immer.“

Kurt Meran von Meranien 25.12.2007

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Klingelingeling
Es kommt der … Nein, nicht der Eiermann wie es in einem  Schlager einmal hieß.
Ich sitze in der Küche und frühstücke, als es an der Wohnungstür klingelte. Lege die Schnitte weg. Wische mir den Mund ab, stehe auf und schlängele mich zur Wohnungstür. Kein Mensch da. Gehe weiter Frühstücken. Bin gerade fertig, als es wieder klingelt.
Diesmal an der Haustür. Wer könnte da geklingelt haben? Da ich so gut wie nie Besuch bekomme, kann es nur der Postbote sein.
Auf dem Signalfeld der Wechselsprecheinrichtung brennt kein Licht. Ich öffne meine Tür und lausche. Nichts. Schließe die Tür und gehe wieder in die Küche.
Klingelingeling an der Wohnungstür. Ich sprinte zur Tür und reiße sie auf. Niemand da! Verdammt und zugenäht! Wer veralbert mich hier?
Ich räume ab und beginne aufzuwaschen. Klingelingending an der Wohnungstür. Altes Lied - keiner da und auch keine Schritte im Haus. Laut mache ich meinem Ärger Luft: "Welcher Idiot klingelt hier dauernd?" Nichts rührt sich!
Das Vorstehende wiederholt sich mehrmals, ohne dass ich den Verursacher  feststellen konnte.

Von den Mitarbeitern der DHL ist ja bekannt, dass sie nur etwa 10 Sekunden an der Haustür warten, bis sie beim Nachbarn klingeln oder wieder gehen. Die Hermesleute handeln ebenso. Allerdings sagen sie, wenn ich mich melde, nicht wie die DHL: Post ein Paket für sie, sondern: "Aufmachen - Hermes!"
Es ist auch schon vorgekommen, dass ich gemerkt habe, wer da geläutet hatte und an der offenen Tür meinen Namen rief. Als der DHL-Mensch an mir vorbeiging wiederholte ich meinen Namen. Er knurrte:"In der vierten Etage wird die Sendung angenommen. Gehen sie mir aus dem Weg!" Ich wartete bis er wieder herunterkam und fragte nach. Seine Antwort: "Wenn sich der Empfänger nicht meldet, klingle ich woanders." "Glauben Sie etwa ich stehe an der Tür und warte darauf, dass jemand klingelt?" "Die Wohnungen hier sind nicht so groß, da können sie in Sekunden an der Tür sein." "Ach so. Ich darf nichts anderes machen, als auf das Klingeln zu warten!" Das "Sie Idiot" verkniff ich mir. Ich stieg von der ersten in die vierte Etage und klingelte. "Herr Mayer entschuldigen Sie bitte die Störung. Die DHL hat gerade ein Paket für mich bei Ihnen abgegeben". Herr Mayer sieht mich an und sagt:"Woher wissen Sie das?" Ich erkläre es. Mayer sagt: "Ohne die amtliche Mitteilung kann ich die Sendung, für die ich unterschrieben habe nicht ausliefern!" Mayer ist Beamter. Ich tigere also von der vierten Etage ins Erdgeschoss. Im Briefkasten ist nichts! Steige wieder in die vierte. Mayer faucht mich an: "Was wollen Sie denn nun schon wieder?" Wieder meine Erklärung  und Mayer sagt: "Woher soll ich wissen, dass Sie berechtigt sind, das Paket in Empfang zu nehmen?" "Sehen Sie doch nach der Anschrift!" "Ich sehe überhaupt nichts an. Geben Sie mir die Benachrichtigung und fertig!" Wütend gehe ich und ruf bei der Deutschen POST an. Die freundliche Beamtin sagt mir, dass der Zusteller ordnungsgemäß gearbeitet hat: "Öffnet der Empfänger nicht, wird anderweitig zugestellt!"

Zwei Tage später lag die Benachrichtigung im Briefkasten. Ich dachte gar nicht daran, mir das Paket in der vierten Etage abzuholen. Der Inhalt war unverderblich und konnte bei Mayer schmoren. Abends klingelte es an der Wohnungstür. Ich ließ mir Zeit. Keiner da. Ich sagte laut: "Welches Rindvieh macht hier Klingelputzen?"
Zwei Minuten später klingelte es wieder. Nach dem zweiten Klingelton öffnete ich die Tür. Mayer. Er sah mich an ohne etwas zu sagen. Ich sagte auch nichts. Schließlich meinte er: "Haben Sie die Benachrichtigung?" Ich nickte und fragte: "Haben Sie das Paket?" "Sehen Sie eins?" "Warum klingeln sie dann?" "Wollen sie das Paket nicht endlich bei mir abholen?" "Nein. Ich verweigere den Empfang"!
Zwei Tages später treffe ich Frau Mayer auf der Straße. Grantig schnauzt sie mich an: "Sie Rotzlöffel. Wie können Sie es wagen, uns so in Ungelegenheiten zu bringen. Telefoniererei und Renner ei für nichts." Zwei Tage später nimmt meine Bekannte ein Paket für Mayer an. Mayer kommt abends mit der Benachrichtigung und will sein Paket abholen. Ich sage: "Tja Herr Mayer, da gibt es ein Problem. Es gibt ja zwei Mayer im Haus. Woher soll ich wissen, dass sie der Richtige sind?" "Reden Sie nicht. Ich habe hier die Benachrichtigung!" "Na und. Wenn der DHL-Mann die nun in den falschen Briefkasten geworfen hat?" "Ich sehe mir das Paket an!" "Das Paket ist schwer. Das trage ich nicht herum!" "Ich kann ja rein kommen." "Ich lasse doch keine fremden Leute in meine Wohnung!" Am nächsten Tag standen drei Männer vor meiner Tür. Die beiden Mayer und ein DHL-Mann. Alle drei sahen sich diskutierend das Paket an, dass der DHL´er schließlich wieder mit nahm. Zwei Tage später klingelte es an der Haustür: "Post. Ein Paket für Mayer. Würden sie es entgegennehmen?" "Welcher Mayer?" "Das ist doch egal!" "Mir nicht. Guten Tag!" Seitdem sprechen die beiden Mayer nicht mehr mit mir. Beide Frauen hatte ich danach zum Kaffeetrinken eingeladen. Sie haben sich meine Wohnung im Detail angesehen und den Weg von der Küche zur Wohnungstür gründlich erforscht. Nun weiß das ganze Viertel, wie meine Wohnung aussieht und wie die Wohnungswege gestaltet sind.
Mitte Januar wünschte ich meinem Nachbarn ein gesundes neues Jahr. Er bedankte sich, wünschte mir das Gleiche und fragte, ob ich im Krankenhaus oder verreist gewesen wäre. Nein. Meinte er: "Ich habe mehrmals bei Ihnen geklingelt. Aber sie waren nie da!" Der Nachbar wartet also noch nicht einmal die zehn Sekunden, wie der Postbote!

Kurt Meran von Meranien 15.01.2017
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Anneliese (Aus Anneliese erzählt)
Anneliese ist die jüngste Schwester meiner Frau Marianne. Sie ist sehr viel jünger als diese. Sie kann mich nicht leiden. Ich nenne sie immer Liese, was sie bis zur Weißglut reizt. Anneliese hat eine kurvenreiche Figur, ist ein kleines bisschen blöd und hellblond.
Wir hatten uns fast 10 Jahre nicht gesehen, als sie plötzlich bei uns auftauchte und weinend eine unglaubliche Geschichte erzählte.
Besucht hatten wir uns wegen ihrer Figur und ihrer Heirat nicht mehr. Und das kam so.
Anneliese hatte die blöde Gewohnheit, in ihrer Wohnung, auch wenn wir da waren, so gut wie nackt herumzulaufen. Wahrscheinlich dachte sie nicht daran, dass Rudi und ich nicht nur Verwandte, sondern auch und vor allem Männer waren.
Sie war so aufreizend, dass ich in ihrer Gegenwart keinen klaren Gedanken fassen konnte. Auch wenn sie uns besuchte, musste sie immer erst einmal Duschen, und vergaß, sich anschließend richtig anzuziehen. Egal, ob wir in ihrer oder in unserer Wohnung waren, sie war nackt.
Natürlich wurde ich nach den Besuchen dann von Marianne angebellfert, ich hätte Anneliese gierig angestarrt. Also gingen wir nicht mehr hin, und wenn sie zu uns kam, verschwand ich im Hobbyraum.
Als sie heiratete, löste sich das Problem. Für ihren Gatten, einem Banker waren wir nicht salonfähig. Er hatte mich nach meinem Beruf gefragt, und ich hatte Orthopädie-Facharbeiter geantwortet. Marianne hatte er gar nicht gefragt. Frauen hatten Hausfrauen zu sein. Er zog mit Anneliese in ein neugebautes großes Anwesen, mit Pool und allen Schikanen. Anneliese, die sowieso nicht gerne arbeitete, blieb zu Hause und lebte nur noch auf und für Partys. Ihr Gatte scheffelte Geld und stellte Anneliese zur Schau. Uns gab es für sie nicht mehr!
Bis gestern!
Da Anneliese viel freie Zeit hatte, und ihr Gatte selten zu Hause war, kam was kommen musste, sie ging fremd. Außerdem versuchte sie ihr Taschengeld durch Lotterien aufzubessern. Ihr Gatte schenkte ihr zwar viele Kleider und Schmuck, gab ihr aber nur ein sehr mäßiges Taschengeld. Den Haushalt besorgten Hausangestellte, die ihr Gatte mit in die Ehe brachte, und die nur ihm rechenschaftspflichtig waren. Da die Lotterien mehr Geld kosteten als Gewinne brachten, hatte Anneliese bald gehörige Schulden.
Eines Tages kam Ferifredo, ihr Herr Gatte dahinter, dass sie nicht nur persönliche Schulden hatte, sondern ihn auch betrog. Er bezahlte ihre Schulden, löste ihr persönliches Bankkonto auf und reichte die Scheidung ein.
Gerade, als der Scheidungsprozess zum Finale kam, kam der große Gewinn. Was tun? Anneliese zeigte sich gegenüber ihrem Nochehemann äußerst großzügig und schuldbewusst!
Sie wollte vom gemeinsamen Eigentum nur das alte Blockhaus in der Lüneburger Heide. Alles andere sollte ihrem Gatten bleiben. Allerdings wollte sie das Blockhaus, schön gelegen an einem kleinen See in vollkommener Einsamkeit, renovieren. Das dafür erforderliche Geld spendete ihr Ferifredo gern.
Und jetzt kommt der Clou!
Anneliese ließ sich unter einem Vorwand ihren Gewinn bar auszahlen. Sie renovierte das Haus und zog unauffällige Zwischenwände ein. Zwischen den Wänden deponierte sie ihr Geld. Damit sie nicht mit dem Bus in die Stadt fahren musste, schenkte ihr Ferifredo noch einen Kleinwagen. Da Anneliese offiziell kein Geld hatte, trug Ferifredo alle Gerichts- und Anwaltskosten. Anneliese lebte zufrieden in ihrem Blockhaus mit dem Gedanken, das Trennungsjahr ist schnell vorbei, und dann kommt mein Gewinn zum Tragen. Sie ging viel schwimmen, wanderte, machte kleinere Autotouren und saß in lauen Sommernächten am See. Ferifredo und auch seine Freunde bekam sie nicht zu Gesicht. Sie lebte das Jahr vollkommen allein in ihrer Hütte. Nachts hörte sie oft das rascheln von Mäusen, und morgens lauschte sie dem Vogelzwitschern. Völlig eins mit der Natur brauchte sie sich nicht mehr fein anzuziehen. Sie lief im Haus nackt herum und ging gleich so zum See baden, überzeugt, dass in ihre Einsamkeit sowieso niemand kam. Als die Scheidung perfekt war, fuhr sie in die Stadt und feierte ein paar Tage dieses Ereignis. Nach dem Winter, den sie in der Stadt bei einer Freundin verbrachte, kam sie zurück, um ihr Geld einzusammeln und zu überlegen, wie sie es langsam verbrauchen oder anlegen könnte. Eigentlich wusste sie genau wie alles ablaufen sollte.
Aber sie wollte es erst einmal in Ruhe auf einem Haufen sehen. Ausgerüstet mit einem Koffer fuhr sie zum Blockhaus. Hier schien sich nichts Negatives getan zu haben. Alles sah so aus, wie sie das Haus im Spätherbst verlassen hatte.
Sie räumte eine Seite frei, und löste die nur eingehängte Sperrholzwand. Sprachlos sah sie in die entstandene Lücke! Die sorgsam gestapelten Geldbündel lagen zerfetzt am Boden! Rasend wühlte sie in ihnen herum. Riss dann alle Zwischenwände heraus, und fiel in Ohnmacht. Als sie wieder aufwachte, lag sie zwischen umgefallenen Möbeln und Dreck! Die lieben Mäuse hatten ganze Arbeit geleistet! Sie hatten die Geldbündel zum Nestbau und anderem verwendet! Trotz allem Suchen und Sortieren, das Geld war und blieb futsch!

Kurt Meran von Meranien 15.03.2007




Lektion eins
zur Handhabung des neuen Datenschutzgesetzes:

Nach Beendigung einer Vereinsversammlung hielt der Kassierer wieder einmal die Hand auf. SPENDEN!
Nach einigem Zögern, ich halte nichts davon, erst einmal auf der Spendenliste nachzusehen, was andere rausgerückt hatten, drückte ich dem Kassierer einen Geldschein in die Hand. Er betete irgendeinen Spruch vor sich hin. Dann trug er in die Spendenliste den gespendeten Betrag ein und unterschrieb!

Einigermaßen erstaunt fragte ich: „Wieso schreibst Du Deinen Namen hin und nicht meinen?“ Unwirsch antwortete er: „Ich habe doch gerade erklärt warum! Hör besser zu oder wasch Dir die Ohren. Also noch einmal: Dein Name ist geschützt, denn er wird nicht genannt!“
Nach einer Pause ergänzte er: „Du kannst diesen Betrag in Deine Steuererklärung eintragen. Für Spenden unter fünfzig Euro gibts es aber keinen Nachweis mehr!“

Die Kehrseite der Medaille: Früher machte sich der Vorstand die Arbeit, für Spenden ab zehn Euro ein Dankschreiben zu übergeben. Das fällt nun weg, denn er weis ja meinen geschützten Namen nicht.

Und mein Portmonee steht unter meinem Schutz und bleibt in Zukunft zu!
KM 2018
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