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Wald – Schwarzwald

Durch einen Reiseclub erhielt ich 2002 Gelegenheit, mich in Deutschland umzusehen. Nach 1990 war ich in Familie, mit meiner damaligen Lebensabschnittsgefährtin in allen möglichen und unmöglichen Gegenden Mitteleuropas gewesen. Als Streitpuffer, nahm ich möglichst meine Enkelin mit. Oma wurde mir gegenüber nicht so ausfällig, wenn die Süße dabei war.

Als wir uns getrennt hatten, fuhr ich, als Mitglied eines Reiseclubs meist allein. Dabei bekam ich mit, dass die Hotelzimmer, die den Mitgliedern des Reiseclubs vermietet wurden, meist schlecht möbliert waren.

Oft fuhr ich in den Schwarzwald. Etwas außerhalb eines Badeortes lag ein kleines, aber feines Dreisternehotel, in dem ich gern wohnte. Innerhalb von fünfzehn Jahren war ich etwa ein Dutzendmal dort. Wie bei mir üblich, legte ich mich bei meinen Aufenthalten, mit allen möglichen Leuten an.

Die ERSTEN die sich aufregten, waren Forstbeamte. In dem Vorort gab es einen Wanderweg, der rund um den Ort führte. Natürlich war es ein historischer Wanderweg. Zwei pensionierte Forstbeamte führten die Urlauber herum. Der historische Wanderweg war zweigeteilt. Kurzer- und langer Weg. Der komplette Wanderweg führte durch den Wald. Auf und über Anhöhen und durch das Hochmoor.

Ich hatte eine Wanderkarte vom ADAC und nahm deshalb an den Führungen nicht teil. Ein Grund war auch, dass ich das Geschwätz der „Wanderer“ nicht leiden konnte. Im Wald hatte man still zu sein, um der Natur lauschen zu können. Wenn sich mir unterwegs andere Leute anschlossen, machte ich sie höflich darauf aufmerksam, dass sie still zu sein hatten. Falls sie mir für meine Dienste Geld anboten, lehnte ich generell ab. Wurde eine Wanderpause in einer Gaststätte gemacht, und für mich etwas mitbestellt, dann ließ ich mir das am Anfang gefallen. Später nicht mehr.

Ein paarmal waren unter den „Mitläufern“ Forstleute inkognito, die mich wegen Steuerhinterziehung angezeigt hatten, wenn ich Essen- oder Geldspenden angenommen hatte.

Eigentlich brauchte ich diese „Spenden“ auch nicht! Ich trug wasserdichte hohe Wanderschuhe, derbe Wanderkleidung und hatte stets einen Liter grünen Tee und mehrere Brezeln, als Wanderzehrung dabei. Im Wald war ich still. Machte öfters Pausen, meistens auf einem Baumstamm sitzend. Die vorhandenen Bänke waren meist, außer auf Rastplätzen in einem traurigen Zustand. Saß ich irgendwo im Wald, oder auf einem Hang oder im Hochmoor, dann lauschte ich der Natur, den Bewohnern des Waldes.

Wenn ich mich gestärkt hatte und ruhig sitzen blieb, erwachten die kleinen und größeren Waldbewohner aus ihrer Schreckstarre und gingen ihren Beschäftigungen nach. Es war drollig, wenn Wiesel oder Vögel im Unterholz spielten. Vögel beschwerden sich über mir in den Bäumen sitzend oder herumflatternd, über die Störung.

Vorsichtshalber achtete ich darauf, immer mit dem Wind zu gehen. Ich hatte keine Lust für Begegnungen mit wehrhaften Wildtieren!

Im Winter kam das ein paarmal vor. Ich hätte zwar auch auf der Straße wandern können, aber die Schneepflüger schoben den Schnee meist nur auf die Sommerwege, so dass auf den Stra0enrändern meist meterhohe Schneewälle lagen. In Kurven und vor allem Haarnadelkurven, war das sehr gefährlich und ich war nach einer solchen „Straßenwanderung“ vollkommen fertig. Dagegen war das Treffen mit einem Wildtier das reinste Vergnügen. Wir standen uns plötzlich gegenüber. Das heißt, dass Wild war eigentlich nicht so erstaunt wie ich. Es hatte ja gemerkt, dass da ein unwillkommener Tollpatsch unterwegs war. Ich hatte mit einem langen Stock stochernd die Schneehöhe gemessen.  Ich blieb zwar nicht so leicht stecken, aber wenn mir der Schnee auf einem verschneiten ausgewaschenen Waldweg bis zum Bauch ging, war das schon blöd.

Ein komisches Gefühl, wenn ich plötzlich einem Hirsch gegenüberstand. Ich stand und stand und stand. Dann ging ich eben weiter und schob mich an dem hochbeinigen Hirsch vorbei. Ein Wildschwein grunzte missbilligend, ging aber wenigstens einen Meter beiseite, damit ich vorbeikam. Ein Wanderer stand eines Tages einem Wolf gegenüber und dachte, es wäre ein Hund. Schnauzte ihn an und ging auf ihn zu. Das war allerdings immer noch besser, als sich herumzudrehen und zurückzulaufen. Weglaufende sind potentielles Wild, das gejagt werden will.  Ich sah das Tier an. Es konnte ja auch ein verirrter Schäferhund sein. Ohne zu ihm auffällig hinzusehen ging ich weiter und unbeirrt an ihm vorbei. Drehte mich dann um und musterte ihn, ohne ihm in die Augen zu sehen. Er merkte nun, dass ich weder Angreifer noch flüchtendes Wild war und ging seines Wegs, ohne seine Zeit mit mir zu vertrödeln.

Eines späten Nachmittags verirrte ich mich. Eigentlich hätte das nicht passieren dürfen, wenn ich acht auf meinen Weg gegeben hätte. Ich wanderte auf einem Berggrat in Richtung Hotel. Der Bergrücken führte zwar am Ort vorbei, aber ich war ihn schon vielmals gegangen und wusste wo der Pfad begann, auf dem ich den Ort erreichte. Es wurde dunstig. Anstatt weiterzugehen, setzte ich mich auf einen am Wegrand liegenden dicken Baumstamm und machte Pause. Im Rucksack hatte ich wie üblich meine Schlechtwetterausrüstung mit wasserdichter Plane, Wollmütze und dicken Socken, die ich über die Wanderschuhe ziehen konnte. Und ich hatte noch zwei Brezeln und eine Flasche grünen Tee und eine volle Wasserflasche. Während ich aß, fühlte ich mich beobachtet und sah auf. Auf doppelter Armlänge saß vor mir ein mittelgroßer Hund. Und wie das so ist, wenn man allein ist, begann ich ein einseitiges Gespräch und erzählte dem Hund wo ich war und wohin ich wollte. Er hörte mir ruhig zu, schien aber irgendwie abgelenkt. Vielleicht hat der Hunger dachte ich und nahm vom Mund ein Stück Brezel und legte es vor ihm auf den Boden. Er schnupperte es an, fraß es aber nicht. Nun brach ich ein neues Stück von der Brezel ab, führte es zu meinem Mund, leckte dran und wollte es zu dem anderen Stück legen, als er es mir aus der Hand fraß. Gut erzogen dachte ich und wir teilten uns die ganze Brezel. Brezeln machen durstig. Im Rucksack hatte ich noch einen relativ flachen Becher. In den goss ich Tee, der inzwischen kühl war, nippte daran und stellte ihn vor das Tier. Er schleckte den Tee und ich trank aus einem ähnlichen zweiten Becher. Als er sah, dass nichts weiterkam, war er plötzlich weg.

Ich stand auf und ging den Weg, mich nach links wendend im nun satten Nebel weiter. Nach ein paar hundert Metern verwandelte sich der Wanderweg in einen Pfad. Ich drehte mich hin und her, aber eine Erleuchtung hatte ich nicht.

Wo war ich? Irgendwo musste der Weg glatt abbrechen. War ich schon dort, oder war ich träumend vom Wanderweg abgewichen? Fluchend ging ich zurück. Zurück! Wo war der Baumstamm auf dem Ich gegessen hatte? Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nicht auf einem Weg war. Nach ein paar Schritten sah ich Steinbrocken. Hatte ich noch nie bemerkt. Ein Stück weiter lag ein dicker Baum.  Ich versuchte nachzudenken, ohne in Panik zu verfallen. Da half nur eins: den Tag, den hellen Tag abwarten. Hier zu bleiben.

Wo war Norden, wo Süden? An einzelnstehenden Bäumen, kann man das feststellen. Hier konnte ich es nicht. Ein Glück das es nicht regnete. Feucht war es trotzdem.

Was tun? Anrufen. Mit dem Handy nach Hilfe rufen? Unsinn, sagte ich mir es ist ja noch nichts passiert. Als ich voriges Jahr im Hochmoor bis an die Knie im Dreck stand, war ja auch nichts weiter passiert. Außer, dass die Hotelwirtin, als ich es in der Gaststube erzählte, in Ohnmacht fiel.

Eigentlich war es ganz einfach. Ich scharrte auf der, dem Wind abgekehrten Seite des Baumstamms den Dreck weg und streute trockene Fichtennadeln hin so dick ich konnte. Darauf legte ich die wetterfeste Plane. Wickelte mich in die Wolldecke und legte mich, an den Baumstamm gepresst hin. Meine Tasche diente als Kopfkissen.

Ich musste wohl schnell eingeschlafen sein. Außerdem schützte mich die Decke. Es war, als ich aufwachte direkt mollig warm. Mollig warm! Ich verspürte einen bestimmten Drang und wollte aufstehen. Das ging aber nicht so leicht. Ich lag in einer Höhle. Einer lebendigen Höhle! Vor mir, neben mir, auf mir, lagen Hunde. Wo kamen die vielen Hunde her, die jetzt unwillig knurrten? Ehe ich das Rätsel lösen konnte, musste ich erst      einmal auf die Seite. Als ich zurückkam, war meine „Höhle“, meine Lagerstatt ausgefüllt.

Das erinnerte mich an meinen vormaligen Hund. Wenn ich am Schreibtisch saß, legte sich der Hund auf meine Füße und knurrte grob, wenn ich diese bewegte. Meine Katze sprang mir auf den Schoß. Gab ich mich, wenn ich arbeitete, nicht mit ihr ab, dann legte sie sich hinter mir um meine Hüften. Stand ich einmal auf, dann knurrten Beide. Kam ich wieder, da war kein Platz mehr im Chefsessel. Beide oder einer lag mit ausgebreiteten Vorder- und Hinterbeinen auf dem Sessel und mimte tiefen Schlaf.

Wir schliefen auch. Als es richtig hell war, war nur noch mein Essensgast da. Der Nebel war weg und ich erkannte wo ich war. So schnell ich konnte strebte ich dem Hotel zu. Mein Schlafgast zeigte mir zwar einen anderen Weg, aber der war mir zu steil. Im Ort brach ein irrer Radau aus. Alle Hunde gebärdeten sich wie toll. Im Gastraum des Hotels, saß wie jeden Morgen der Herr Oberförster mit seinem Hund beim Frühstück. Beide gebärdeten sich auch wie toll und ich musste erzählen!

Das war aber noch nicht ALLES. Wenn ich wandern ging und das tat ich fast jeden Tag, kam es mir immer so vor, als würde ich unsichtbar begleitet. Ich versuchte das Gefühl loszukriegen, in dem ich ein Stück mit dem Bus fuhr, ehe ich in den Wald ging. Und ich fuhr ebenfalls mit dem Bus in die Stadt. Stieg dort vom Kurgarten aus auf den Berg. Wanderte über den Höhenzug bis zum Urlaubsort. Stieg ich dann in den Ort hinab, war wieder das Gefühl, dass ich beobachtet wurde da.

Der Förster grinste, als ich ihm das erzählte. „Unsere Wölfe haben ein Auge auf SIE“!

Mein Nickname den ich nun bekam, war nicht unbedingt freundlich gemeint!

12.11.2019

KM   

***

Was es nicht alles gibt

 

Ich öffne eine Seite in meinem neuen Computer (Laptop) und lese: Du bist eingeladen vom 18:01 bis 21:01! Wohin ich eingeladen bin, steht nicht da. Um das rauszubekommen, lese ich weiter. Schließlich komme ich dahinter, dass ich kommenden Donnerstag zu einer Vernissage eingeladen bin, die um 18,01 Uhr beginnt und 21,01 Uhr endet! Verrückt! Abgesehen davon bin ich ein ängstlicher Mensch und gehe nicht gern allein, abends zu einem mir unbekannten Ort! Und zu Vernissagen schon gar nicht. Wer Vernissage sagt, meint Party!

 

Da geht man hin, um gesehen zu werden und sich zu amüsieren und kostenlos zu betrinken. Nichts ist schrecklicher, als nüchtern unter betrunkenen zu sein!

Außerdem will ich Kunst genießen und nicht wegen meinem ausgefallenen Outfit angestarrt werden!

Das ist genauso unangenehm, wie meine letzte Gastrolle im Krankenhaus. Der Rettungswagen bringt mich hin. Ohne zu fragen werde ich routiniert auf längeren Aufenthalt vorbereitet. Am linken Handrücken wird ein Blutabnahmestutzen installiert. Ich kann noch sprechen und sage es mehrmals, bitte nicht am linken Handrücken anbringen! Meine Worte interessieren überhaupt niemanden. Auf Linkshänder sind die nicht eingerichtet. Ich bin Beidhänder! Bestimmte Tätigkeiten wie Rückenwaschen mache ich mit meiner linken Hand. Nach einer Weile, ich liege immer noch im Entré auf einem Bett, muss ich für "kleine Jungs"! Ein junger Kerl begleitet mich bis vor die Toilette. Als ich wieder rauskomme faucht er mich an: "Was haben Sie denn solange gemacht?" "Ja was wohl?" Um bestimmte Vorgänge zu steuern, nutze ich die linke Hand.

Am nähsten Morgen geht es weiter. Es wird einem im Allgemeinen ja gern und gut geholfen. Aber ...! Meine Rückseite wasche ich mit meinem linken Handrücken. Mit der dort installierten Blutsaugermaschinerie geht das schlecht. Also frage ich die helfenden Schwesternschülerinnen, ob mir eine nicht meinen Rücken und die unteren Gefilde waschen könne.

Erst große Aufregung! Dann bringt mich ein solches Wesen in einen Duschraum. Hilft mir beim Ausziehen der Nachtwäsche, aber nicht freiwillig beim Waschen meiner Rückseite.

Am nächsten Morgen gehe ich gleich in den Duschraum am Ende der Station und bitte eine gesetzte Frau in Weis, die auf dem Korridor steht, mir zu helfen. Sie sieht mich erstaunt an und sagt: "Ich bin die Reinigungskraft!" "Na, das ist ja prima. Fangen Sie an. Ich möchte gereinigt werden!" Während ich das sage, beginne ich mich "freizumachen"! Die Frau geht raus. Etwas bedeppert sehe ich hinterher, als schon zwei Schwesternschülerinnen, wie sich später herausstellt, hereinkommen und mich in die Mache nehmen.

 

Der Krankenhausaufenthalt wurde noch ganz unterhaltsam. Bis zu einer Frage, ob ich einer bestimmten Untersuchung zustimmen würde, die mehr einer OP glich. Ich lehnte ab und wurde am nächsten Morgen entlassen.

Wer wäscht mir jetzt meine Rückseite und die unteren Gefilde?

 

Kurt Meran

 07.10.2019

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Der Morgen bei mir
Heute Morgen ging nicht alles glatt. Normalerweise wache ich, ohne Wecker, kurz vor sieben Uhr auf. Ich gehe nicht abends ins Bett wie andere Leute, sondern nach Mitternacht gegen zwei Uhr.  Das ist eine der Nachwehen von dreißig Jahren rollendem Schichtdienst. Ruhe ich länger als fünf Stunden, komme ich nicht aus dem Knick.

Kurz nach acht Uhr nehme ich meine morgendliche Tablettenration zu mir und frühstücke dann gegen neun Uhr. Ich esse weiter am Tag nur, wenn ich Hunger habe.
Heute war es anders!
Ich wurde kurz vor sieben wach. Stand aber erst nach einer kurzen Morgengymnastik im Bett gegen halb acht auf. Die Tabletteneinnahme verzögerte sich auch, da ich mich erst, um meine Waschmaschine kümmerte. Das Frühstück rührte ich dann auch erst um halb zehn an. Eine Pizza stand auf dem Morgenprogramm. Die achtundzwanzig er Pizza reichte geradeso, um den ersten Hunger zu stillen. Die Pizzen werden immer dünner! Angeblich sollen dünne Pizzen besser schmecken, als dicke Pizzen. Nur, wie ich von einer dünnen achtundzwanzig er Pizza satt werden soll, hat mir bisher noch niemand sagen können!

Habe ich keine Pizza, gehören zu einem ordentlichen Frühstück vier nicht zu dünne Scheiben dunkles Brot mit Schmalz oder Streichwurst. Eingelegtes Gemüse wie gefüllte Oliven oder Artischocken, mit Butter bestrichene dünne Zwiebelscheiben und Fleischbrühe oder grüner Tee.

So gestärkt, kann der Tag werden wie er will. Mich kann dann nichts mehr erschüttern.

Aber so dünne Pizza, also nein!

Kurt Meran 27.09.2019
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Immer noch Schrecklich!
Alles Mist! Ich bin immer noch auf der Suche. Nicht nach einer „neuen“ Frau, wie mancher verleicht glauben könnte. Nein. Ich suche etwas, was ich dringend brauche.

Normalerweise finde ich etwas Gesuchtes nicht dort, wo ich es vermute, sondern dort wo es sich normaler Weise aufhalten / stehen / liegen muss, ich aber nicht gleich hinsehe.
Diesmal haut das nicht hin. Ich finde es weder dort, wo ich es vermutet hätte und auch nicht, wo es sich normalerweise aufhält.
Um mich nicht in einen wohlverdienten Ärger hineinsteigern zu können, habe ich im Umkreis der verschwundenen Dinge aufgeräumt und beinahe einen Schlag bekommen. Zur Abwechslung, um den Ärger runter zu fahren, hatte ich die Waschmaschine mit dunkler Unterwäsche, Unterhosenlieblingsfarbeschwarz, geladen.

Dann machte ich aus Versehen eine Schranktür auf, hinter der ich die unteren Teile der Sommerunterwäsche lagere. Da lagen, sauber gestapelt, hellblaue, weisgestreifte und schwarze, grüngemusterte Unterhosen! Von jeder Sorte ein Dutzend. Die Hellblauen sind mindestens 25 Jahre jung und die grüngemusterten 15 Jahre alt und werden in der Waschmaschine gerade behandelt.

Unterhemden habe ich nicht so viele. Höchstens 30! Natürlich wechsle ich täglich die Unterwäsche. Aber wie es der Teufel will, jedes Mal, wenn ich mich beim Arzt freimachen muss, beim Arzt zieht man sich nicht aus, man macht sich frei, trage ich ein lädiertes Unterhemd.
Bin gespannt, was ich heut noch so finde!

Verflixt - jetzt habe ich über dem Schreiben vergessen, was ich suche ...

Kurt Meran 5.10.2019
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Misslungene Überraschung
Wir saßen am Küchentisch und überlegten. Wir. Das waren meine liebe süße Enkelin und ich, der von allen anderen ungeliebte olle Sachse!

Die Eltern der Lütten waren im Urlaub. Erholungsurlaub ohne Kind. Oma, meine Lebensabschnittsgefährtin arbeitete. Ich hatte Nachtschicht gehabt und hatte mittags die Süße von der Kita abgeholt.
Nachdem wir ein bisschen geklönt hatten, kamen wir auf den glorreichen Gedanken, Oma mit etwas besonderem zu überraschen. Am frühen Nachmittag waren wir soweit fertig. Die Küche glich zwar einem Truppenübungsplatz, aber Oma kam ja erst nach fünf und bis dahin waren wir mit aufräumen fertig. Dachten wir!
Ehe wir mit dem Aufräumen begannen, stärkten wir uns erst einmal.
 
Ein Aufschrei riss uns aus der Ruhepause – Oma stand entsetzt in der offenen Küchentür. Die Lütte floh in das Kinderzimmer. Ich kam gar nicht dazu aufzustehen. Das Unglück brach ungehemmt auf mich hernieder!
Alles, was ich nach Meinung meiner Lebensabschnittsgefährtin in den letzten fünf Jahren falsch gemacht hatte, wurde mir ungehemmt vorgeworfen! Ich ließ sie Reden. Einmal musste sie ja aufhören müssen.
Dann käme ich zu Worte. Dachte ich! Schließlich stand ich auf und ging.
 
Ich begab mich in mein Büro. Stärkte mich und fuhr zum Streckenposten 111! Von dort löste ich eine Alarmübung mit Einbeziehung der technischen Dienste der Bahn und der Stadt aus. Im naheliegenden kleinen Ort gelang es mir ein paar Leute zum Mitspielen zu bewegen: ‚Ein PKW war beim Überqueren des mit Halbschranken gesicherten Bahnüberganges von einem Regionalzug erfasst worden. Es gab Tote und Verletzte‘.

Die städtischen Behörden und die Bevölkerung spielten begeistert mit. Endlich eine ordentliche Abwechslung im tristen Leben. Meine Vorgesetzten fluchten und die Leiter der technischen Dienststellen der Bahn, konnten gar nicht fassen, was der dämliche Sachse, also ich, da wieder einmal angerichtet hatte.
Die Dinge entwickelten sich so, dass ich erst nach drei Tagen nach Hause kam. Diese Zeit hatte für meine Enkeln genügt, ihrer Oma zu erzählen, was wir vorgehabt hatten. Da Oma immer noch schmollte, räumte die Lütte alles zusammen und versenkte unsere tolle Überraschung im Müllcontainer.

Oma sah zwar ein, dass sie im Unrecht war, schmollte aber immer noch. Die Lütte blieb jeden Tag bis es nicht mehr ging in der Kita und ich solange es ging auf Arbeit. Und als eigener Chef ging das. Vor allem, als ich an meinem Bericht feilte.
Schließlich telefonierte ich mit ihrem Chef. Der war einer der Leiter der technischen Dienststellen, die ich an dem „Unfalltag“ um ihre Freizeit und um ihren Nachtschlaf gebracht hatte. Nachdem er mir am Telefon ein paar „liebenswürdige“ Worte gesagt hatte, kümmerte er sich um unseren Hausfrieden.
 
Zwei Wochen später bekam ich eine Einladung vom Kreis. Alle, die etwas zu sagen hatten oder sich das einbildeten, waren gekommen, um sich zu zeigen und ausgezeichnet zu werden.
Es regnete Orden!
Für die Anderen. Ich hatte ja nur meine Pflicht getan. Und einen ungeliebten Sachsen auszeichnen? Nein, das konnte nicht sein.

Na warte! Ich suchte die Stadtverwaltung auf und stöberte in den Akten. Stellte zusammen, was ich brauchte, schrieb eine Geschichte und schickte sie an alle regionalen Zeitungen.
Das ganze Land war entsetzt!
OHNE SAGGSN LIEF NICHTS …

***
Nachtrag: Ich mache mir ab und zu den Spaß und fahre dort hin. Mich kennt man unter meinem damaligen Nicknamen, den ich nach einer öffentlichen Veranstaltung bekam, und von der Statur her immer noch. Meine damalige Lebensabschnittsgefährtin habe ich vor zwölf Jahren das letzte Mal gesehen. Mit der „Lütten“ habe ich noch Verbindung. Sie wohnt mit ihrer Familie in Brandenburg.

Kurt Meran 27.09.2019
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Guten Morgen

Der Tagesbeginn war für mich heute nicht gut.
Ich wachte mit den Anzeichen eines Schlaganfalls auf. Nach der Selbstdiagnose und den Blutdruckwerten, informierte ich die Bereitschaft des Malteserhausnotrufs.

Die Malteser informierten den Rettungsdienst. Der Rettungsdienst traf nach kurzer Zeit ein. Wie üblich wurde ein Gerät angeschlossen. Ich hatte die Ehre mit einem brandneuem Diagnosegerät, welches noch in der Testphase ist, gemessen und untersucht zu werden. Dann wurden Fragen gestellt. Vorsichtshalber hatte ich mich straßenmäßig angezogen. Mir ist es schon mehrmals passiert, dass ich im Schlafanzug mitgenommen wurde. Auf der Hinfahrt ist das kein Problem. Aber als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, musste ich so wie ich war, im Taxi nach Hause fahren.

Vorzugsweise im Winter ist es sehr angenehm, in Schlafanzug und Hausschuhen auf der Straße unterwegs zu sein.

Diesmal hatte ich Glück. Den Rettern hatte ich meine selbst angefertigte (mit Hilfe des Hausarztes) zweiseitige DIN A 4 Krankenakte vorgelegt. Diese Krankenakte wird jährlich aktualisiert und beinhaltet nicht nur Krankheiten, sondern auch Untersuchungen, Diagnosen und Operationen. Alles was meinem Körper seit 1955 passiert ist!

Ich wurde eingehend befragt, während das Gerät arbeitete.
Dann zwitscherten die Retter wieder ab und hinterließen für die Hausärztin einen vierseitigen Untersuchungsbericht.
Als sie weg waren, überprüfte ich die Werte mit meinem Blutdruckmessgerät.

Für viele von Euch, wird die Diagnose einen bitteren Geschmack haben: Ich lebe noch!  

Kurt 24.09.2019

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Reinlichkeit
Ich danke Gott und allen Heiligen, dass keiner der Retter auf den Gedanken kam, meine Küche zu betreten. Wahrscheinlich wäre die Rettung dann unterbesetzt gewesen!
Nachdem die Rettung abgezwitschert war, wollte ich frühstücken und sah, was in der Küche los war. Ich stärkte mich im Wohnzimmer und widmete mich danach der Küche und in diesem Zusammenhang dem Bad.

Früher hatte ich mehrmals verschiedene Reinigungskräfte!
ABER erstens, waren die Damen schwatzhaft. Zweitens TEUER. Und drittens unzuverlässig!
Eine entdeckte bei der Wohnungsbesichtigung einen Teil meiner Alkoholika. Meinte, bevor sie anfangen könnte müsse sie sich erst einmal stärken. Trank eine ganze Flasche französischen Rotwein und kam nie wieder.
Eine andere entsorgte, ohne mich zu fragen, meine wiederverwendeten Plastebehälter. Zu meinen Vorhaltungen „wiederverwendbar“ äußerte sie sich mit einem Wort, welches ich hier nicht wiedergeben möchte.
Eine Dritte war so schwatzhaft, dass mir stets schlecht wurde. Ihre überzogenen Preise passten mir sowieso nicht. Auch nicht, als sie mich zum Essen beim Griechen einlud und ich dann die Zeche bezahlen musste.
Eine Vierte kam gar nicht erst richtig rein. An der Wohnzimmertür stehend meinte sie aufgebracht: „Hier wird man mit einem Wisch gar nicht fertig!“
Da ich in manchen Dingen ordnungsliebend bin, waren dass keine „Freundschaftsdienste“, sondern professionelle Dienstleister.

Nachdem ich mit der Küche fertig war, widmete ich mich der Wäsche. Meine Waschmaschinentrommel rotiert!  Ladung: dunkle Unterwäsche! Beim Laden der Maschine, habe ich kontrolliert, was noch nötig sei. Handtücher erst einmal nicht. Bei 50 (fünfzig) habe ich aufgehört zu zählen. Ich liebe schöne Sachen und die meisten der Handtücher sind mit wunderbaren Applikationen verziert. Die einfachen 23 Handhandtücher natürlich nicht. Wozu braucht man zu Hause Badehandtücher? An einem besonders langweiligen Tag, habe ich zwei Badehandtücher geteilt und die entstanden Ränder sorgsam eingefasst. Die Damen brauchen nicht zu lachen. Ich kann mit Nadel und Nähmaschine umgehen. Bevor ich die Eisenbahn mit meiner Anwesenheit beglückte, war ich geprüfter Bandagist-Geselle!

Ich brauche eigentlich gar keine andere Rentnerbeschäftigung. Mit der Hausarbeit bin ich voll ausgelastet! Und denke immer an den blöden Spruch meiner Mutter: Heirate und du brauchst Dich um den Haushalt nicht mehr zu kümmern!
Kurt Meran 24.09.2019
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Alle Angaben seitens des L-Schönefelder Almanach ohne Gewähr

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