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Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig informiert über folgenden neue digitale Angebot HOFFNUNGSZEICHEN:

Sammlungsstücke und Geschichten für Jetzt
Zeugnisse von Orientierungssuche,

Streben nach Menschlichkeit und Zusammenhalt in schweren Zeiten

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Noch kann das Ausmaß und die Dauer der vom Coronavirus verursachten Krise kaum erahnt werden. Als Historiker eines Stadtgeschichtlichen Museums liegt unsere Aufgabe dabei vor  allem in der Aufzeichnung und Begleitung dieser epochalen Vorgänge – doch können wir immerhin aus der Geschichte Trost und Ermutigung schöpfen. Aus diesem Anlass präsentiert das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig ab sofort die digitale Reihe HOFFNUNGSZEICHEN. Ein Objekt der Museumssammlung als Hoffnungszeichen wird täglich auf der Museumswebsite und in den Sozialen Netzwerken vorgestellt.

„Wir sind ja keineswegs die erste Generation, die in Leipzig mit gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, Pandemien, Kriegen und Umwälzungen konfrontiert wird, damit zu leben lernte und letztlich doch zu einem gestärkten Neuanfang fand. So, wie wir heute allenthalben Zeichen eines kreativen Selbstbehauptungswillens sehen, sind auch die Sammlungen des Stadtgeschichtlichen Museums voller Objekte, die Zeugnis von der Orientierungssuche und dem Streben nach Menschlichkeit und Zusammenhalt in schweren Zeiten ablegen.“ so Direktor Dr. Anselm Hartinger.

Das Kuratorenteam des Museums, bestehend aus Experten der Stadtgeschichte bis 1800, der Stadtgeschichte ab 1800, des Sportes, der Musik, der Kunstgeschichte, Bibliothekswissenschaft und der Fotografie, stellt einige dieser Hoffnungszeichen als Inspirationsquelle, Anstoß des Innehaltens und Beispiel für heute und morgen vor. Leipziger und interessierte Museumsbesucher erleben dies dabei nicht wie gewohnt beim Besuch einer Ausstellung oder bei einer Kuratorenführung im Museum selbst. Sie können von zu Hause aus auf der Museumswebsite und im Social Media Momente der Zuversicht finden.    

„Wir haben uns kurzfristig überlegt, wie wir den Kern unserer wissenschaftlichen Arbeit - die Bewahrung, Erschließung und Vermittlung unserer Objekte - nicht nur fortsetzen, sondern auch bei unseren Besuchern präsent halten können – gerade angesichts der aktuellen räumlichen Distanz und für die vielen Menschen, die Museum momentan nur zuhaus erleben können. Wir tun dies, weil wir überzeugt sind, dass unsere Objekte aus der Geschichte heraus auch für heute etwas zu sagen haben – und wenn dies ein Moment des Nachdenkens, der Erkenntnis oder auch des Schmunzelns in einer so bedrückenden Situation ist. Genau dafür sind unsere Sammlungen da“, so Ulrike Dura, Kunsthistorikerin im Stadtgeschichtlichen Museum.

Stadt Leipzig
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Böttchergäßchen 3
04109 Leipzig

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Tag 1, 23.03.2020

Ein kostbarer Kelch für das Ende der Plage Wir schreiben das Jahr 1632: Wieder einmal hatte die Pest Leipzig fest im Griff. In der Stadt mit ihren seinerzeit rund 13.000 Einwohnern wurde viel getan, um der Seuche Herr zu werden: Gebäude, in de-nen Betroffene wohnten, wurden abgeriegelt, Menschen mit Kontakt zu Pestkranken isoliert, vor An-sammlungen wurde ausdrücklich gewarnt. Ein- und ausgehende Personen und Transporte unterlagen an den Stadttoren strengen Kontrollen und sogar die Michaelismesse fand außerhalb der Mauern im nahegelegenen Wurzen statt. Die beiden vor den Stadtmauern gelegenen Lazarett- bzw. Pestilenz-häuser nahmen die Infizierten auf. Kurzfristig stellte der Stadtrat zusätzliche Ärzte, Hilfspersonal sowie Pfarrer ein, um die Vorsorge, Behandlung und Fürsorge sowie im damals sehr häufigen Todesfall menschenwürdige Bestattungen sicherzustellen. Trotz aller Bemühungen standen die Menschen dieser Zeit den fast permanent grassierenden Epide-mien weitgehend ohnmächtig gegenüber. Umso mehr sehnte man das Ende der als Strafe Gottes an-gesehenen Plage herbei und scheute weder Kosten noch Mühen, um entsprechende Sühnegaben an-zufertigen. So stiftete ein Leipziger Bürger als Dank für das Abklingen der Pest im Jahr 1632 diesen vergoldeten Kelch einer Leipziger Kirche. Mit der Inschrift „Maria“ stellte er sich auch für künftige Zei-ten demonstrativ unter den Schutz der Gottesmutter.

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Durch die Funktion als Abendmahlskelch wurde aus dem Bußwerk in Notzeiten ein die Gemeinde dauerhaft verbindendes Geschenk. Inv.-Nr. ME 116 Abendmahlskelch, sog. Leipziger Pestkelch, 1632, Kupfer, vergoldet  

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Tag 2 Mit Volldampf an den Wiederaufbau

Am Ende des Zweiten Weltkriegs glich das durch etliche Bombenangriffe geschädigte Leipzig in eini-gen Stadtteilen einer Trümmerwüste. Etwa 7 Millionen Kubikmeter Trümmer und Schutt mussten be-seitigt werden, bevor an einen Wiederaufbau gedacht werden konnte. Dennoch galt Leipzig schon nach wenigen Jahren als die am besten beräumte Stadt im Osten Deutschlands. Entscheidenden An-teil daran hatte der Einsatz von Feldbahnen, deren Gleisnetze sich kilometerlang durch die ganze Stadt erstreckten. Es war eine Zeit, in der man im Stadtzentrum ebenso wie in stillen Seitenstraßen oder auf Parkwegen fauchenden Dampflokomotiven begegnen konnte. Selbst an der Ostseite des Al-ten Rathauses verlief ein Gleis. Tatkräftige Männer der Stadtverwaltung, wie zum Beispiel Stadtbaurat Walther Beyer, sowie zahlrei-che Frauen und Männer aus allen Teilen der Gesellschaft sorgten dafür, dass die Stadt Leipzig bis 1955 weitgehend trümmerfrei war. Diese Arbeiten waren Voraussetzung für das umfassende Wieder-erstehen der Stadt, das allerdings viele Jahre dauern sollte.

 

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Inv.-Nr.: F_2020_218 Trümmerbahn vor dem Neuen Rathaus (Foto Siegfried Müller, um 1950)

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Tag 3 Ein Helfer in der Finsternis

„Ein Helfer in der Finsternis“ – wer könnte ihn nicht gerade jetzt brauchen? Helfen sollte das kurios anmutende Gestell bei kniffeligen Tätigkeiten in schummerigem Licht oder beim notbedingten Ausfall regulärer Beleuchtungssysteme. Ob die „leuchtende Arbeitsbrille“ der Marke „Komet“ tatsächlich weite Verbreitung fand, sei dahingestellt, dem Träger des Modells in schickem Rot dürfte zumindest einige Aufmerksamkeit sicher gewesen sein. Das im thüringischen Waltershausen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hergestellte brillenartige Leuchtwunder sollte mit einer Flachbatterie betrieben werden und dem Träger freie Hände bei intensiver Beleuchtung gewähren. Die Vorstellung, einem Maikäfer nicht unähnlich, mit zwei lohenden Glühlampen in den Augenwinkeln eine Uhr reparieren oder eine Leiterplatte löten zu sollen, lässt um das Arbeitsergebnis fürchten – für ein Schmunzeln in der Umgebung wird es gesorgt haben.

Bild 3

Inv.-Nr. Z0056275
Belichtete Arbeitsbrille, Waltershausen, ca. 1950


Tag 4 Solidarität in Tönen


Programm eines Benefizkonzerts, Schützenhaus Leipzig, 13. Mai 1840

Stadtbrände, Wasserfluten und Hagelstürme gehörten in früheren Jahrhunderten zum Alltagsleben. Anders als in der Moderne gab es dafür jedoch in der Regel keinerlei Rettungsschirme oder Versicherungen – vielmehr waren notleidende Betroffene auf sich selbst oder die Barmherzigkeit ihrer Mitmenschen verwiesen. Diese aber gab es oft reichlich, und auch die Idee, mit Musik nicht nur Einsamkeit zu überwinden, sondern aktiv Not zu lindern, gehört keineswegs allein unserer Gegenwart an. Tatsächlich waren besonders im 19. Jahrhundert viele Kirchen- und Platzkonzerte einem Benefiz-Zweck gewidmet, wobei die klingende Solidarität oft weit über die Mauern der eigenen Stadt hinausreichte.

Im Frühjahr 1840 waren kurz nacheinander mit Elsterberg und Markneukirchen gleich zwei Städte des sächsischen Vogtlandes durch großflächigeBrände verheert worden. Für das aus diesem Anlass im Garten des Leipziger Schützenhauses gegebene Benefizkonzert fanden sich am 13. Juni 1840 sage und schreibe „neun Militair- und Civil-Musikchöre, gegen 130 Musiker“ zusammen. In einem dreiteiligen Programm wurde neben Märschen und Walzern sowie Opernklassikern auch anspruchsvolles sinfonisches Repertoire von Beethoven und Mendelssohn dargeboten. Während der Eintrittspreis mit 2 Groschen relativ günstig ausfiel, wurde durch den Zusatz „ohne der Wohlthätigkeit Schranken zu setzen“ auf charmante Weise zu höheren Spenden eingeladen. Das Areal des Schützenhauses an der heutigen Wintergartenstraße blieb mit den Nachfolgeprojekten „Krystallpalast“ und „Haus der heiteren Muse“ auch später der gepflegten Unterhaltung verbunden.

Bild 4

Inv.-Nr.: MT/468/2007
Programm eines Benefizkonzerts, Schützenhaus Leipzig, 13. Mai 1840
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Tag 5 Ein Kerzenlicht trotz dunkler Zeit

Derzeit werden als Zeichen der Zusammengehörigkeit deutschlandweit um 19 Uhr brennende Kerzen in die Fenster gestellt. Um zu zeigen "Du bist nicht allein!", auch wenn es sich in der häuslichen Isolation für viele, gerade alleinstehende Menschen gerade so anfühlen mag.

In unserer Sammlung findet sich aus der Nachkriegszeit ein Notkerzenständer, den unbekannte Vorfahren kurzerhand aus einem Topfdeckel gefertigt haben. Auch hier das Zeichen: Wo Menschen sind, wird es hell! Auch wenn es manches Mal Einfallsreichtum abverlangt, finden wir doch immer einen Weg zur Erleuchtung unserer Lebenswelt. Und selbst in der von Hunger und Entbehrung geprägten Zeit nach 1945 galt offenbar der Leitsatz: Mindestens so wichtig wie die leibliche Sättigung ist die Seele und Herz wärmende Aura des Lichts.

Bild 5

Inv.-Nr.: V/2994/2005
Kerzenständer aus einem Topfdeckel, emailliert, nach 1945
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Tag 6 „Sammelbüchse“:

Viele Leute denken da an freundliche Damen und Herren der Caritas, die noch manchmal in Einkaufspassagen für wohltätige Zwecke sammeln.
Mitte des 17. Jahrhunderts waren Sammelbüchsen viel verbreiteter als heute. Die älteste in unserem Museum aufbewahrte Spendendose zeugt davon, dass Bettler und Arme auch in einer Stadt, die bereits seit Ende des 16. Jahrhunderts als reicher Messeplatz beschrieben wird, zum Stadtbild gehörten. Die blecherne Dose mit dem unhandlichen Griff war in der Richterstube des Alten Rathauses öffentlich aufgestellt; hier sollten die zu Wohlstand gekommenen Leipziger Bürger ihren Obolus für die Armenfürsorge leisten. Eindringlich mahnt die Inschrift: „Gebet den Armen umb Gottes willen. 1652". Der fromme Wunsch wird unterstützt durch die Bemalung: Zu sehen ist der arme Lazarus, dessen Geschwüre von Hunden geleckt werden.

Die Inschrift verweist darauf, dass die Dose aufgestellt wurde, als der Leipziger Rat 1652 eine neue Bettelordnung verabschiedete. Die Einwohner hatten die schlimmsten Hungerjahre nach dem Dreißigjährigen Krieg zwar überstanden, trotzdem prägte „viel armes Volck“ den Alltag. Den einheimischen Armen gegenüber sollten sich die Leipziger großzügig zeigen. Die Bürger wurden allerdings ermahnt, keine „fremden“ Bettler zu beherbergen – zu groß war die Angst vor eingeschleppten Krankheiten wie Lepra oder Pest.

Die Verteilung der Spenden erfolgte einmal wöchentlich im Rathaus; über Einnahmen und Ausgaben wurde Buch geführt. Mit dieser geregelten Almosenvergabe installierte der städtische Rat einen Vorläufer der Wohlfahrtspflege. Wie alle Sammelbüchsen ist auch diese ein Ausdruck von Solidargemeinschaften in Krisenzeiten. Wie groß die Spendenbereitschaft wirklich war, verrät sie uns leider nicht mehr.

Bild 6

Inv.-Nr.: Me/92
Sammelbüchse, 1652, Blech, bemalt
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Tag 7
Bachmusik - Gottvertrauen in jeder Note
Nur Geduld, Geduld, mein Herze,
Es ist eine böse Zeit!
Doch der Gang zur Seligkeit
Führt zur Freude nach dem Schmerze.

Es sind Zeilen voller Zuversicht und Zuspruch, mit denen der Anfangschoral der Kantate „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ (BWV 58) von Johann Sebastian Bach endet. Thematisiert wird die Flucht von Maria und Joseph mit dem neugeborenen Jesuskind nach Ägypten. Auch wenn momentan keine Kirchenmusik in den Gotteshäusern selbst erklingen darf, treffen Bachs Kompositionen dennoch wie so oft den rechten Ton auch in unserer bedrängten Zeit.

Das hier gezeigte Notenmanuskript ist das der Kantate entstammende Bass-Rezitativ „Verfolgt dich gleich die arge Welt“. Allerdings handelt es sich nicht um ein Beispiel von Bachs charakteristischer Hand, sondern um eine Abschrift von Wilhelm Rust, der von 1880 bis 1892 Thomaskantor war. Als Mitherausgeber und schließlich Leiter der Bach-Gesamtausgabe galt er als einer der besten Bachkenner seiner Zeit.

Das musikalisch farbenreiche Rezitativ für Singstimme und Begleitung erzählt sowohl von den Gefahren, denen die Flüchtlingsfamilie auf ihrer beschwerlichen Reise ausgesetzt ist, als auch von der Zusage Gottes, nicht im Stich gelassen zu werden. Es endet mit Worten voller Hoffnung:

Gott hat ein Wort, das dich vertrauend macht.
Er spricht: Wenn Berg und Hügel niedersinken,
Wenn dich die Flut des Wassers will ertrinken,
So will ich dich doch nicht verlassen noch versäumen.


Bild 7
Inv.-Nr  A/4652/2009
Wilhelm Rust, Abschrift des Rezitativs „Verfolgt dich gleich die arge Welt“ aus BWV 58 von Johann Sebastian Bach
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Tag 8/9

Sehnsucht nach Europa

Der bürgerschaftliche Aufbruch vom Herbst 1989 gehört zu den großen Ereignissen der Leipziger Geschichte. Neben dem urdemokratischen Widerstand gegen ein verkrustetes Regime sowie den massiven Verfall von Bausubstanz und Umwelt gehörte auch die Sehnsucht nach Freiheit im umfassenden Sinne zu den Forderungen der montäglichen Protestzüge. Der verständliche Wunsch, Mauern zu überwinden und endlich die in Leipzig meist nur für einige Messetage pro Jahr erahnbare weite Welt kennenzulernen, verlieh den Demonstrationen eine weit über die Stadt und Region hinausweisende europäische Dimension.

Dieser europäische Gedanke ist heute so wichtig, aber auch so gefährdet, wie lange nicht. Die Bekämpfung der Corona-Pandemie erzwingt Maßnahmen und Abgrenzungen, die längst überwunden schienen. Umso wichtiger ist es, dass Europa und der Zusammenhalt seiner Nationen im Eindämmungskampf jedes einzelnen Landes nicht in Vergessenheit geraten. Die tapferen Menschen in Mailand und Madrid sind heute ebenso unsere Schwestern und Brüder, wie die Krise und ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen nur in einer gemeinsamen solidarischen Kraftanstrengung zu meistern sein werden. Daran erinnert dieses Foto von der Demonstration am 23. Oktober 1989 auf dem Nikolaikirchhof. Aufgenommen wurde es von dem seit 1979 freiberuflich tätigen Fotographen Armin Kühne (Jahrgang 1940), der den "Leipziger Herbst 1989" besonders intensiv mit seiner Kamera begleitet hat.

Bild 8

Inv.-Nr. F/9778/1990
Europaplakat Demonstrationsszene, 23. Oktober 1989 (Foto: Armin Kühne)

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Tag 10

Das, was in diesen Tagen oft als Husten- oder Niesetikette bezeichnet wird, ist keine Erfindung der Corona-Krise. Schon als 1882 Robert Koch den Tuberkuloseerreger nachgewiesen hatte, wurde nicht nur auf die baldige Entdeckung eines Heilmittels, sondern auch auf die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln gesetzt. Man war sich der potenziellen Gefährlichkeit menschlicher Partikel durchaus bewusst.

 

Auch dieses Agitationsplakat von etwa 1940 thematisiert den unschönen Fakt, dass beim Husten und Niesen Krankheitserreger versprüht und durch Tröpfcheninfektion übertragen werden können. Der offenbar nachlässige Protagonist mit Hut wird von dem Jungen neben ihm mit der Frage „Soll ich Ihnen mein Taschentuch borgen“ verspottet, während sich ein anderer Mann hinter seinem Regenschirm duckt: „Wie gut, daß ich den Schirm mithabe“. Aus aktueller Sicht stehen die Menschen natürlich immer noch viel zu dicht beieinander.

Dass selbst bei berechtigten Hygiene-Kampagnen immer auch die Gefahr der Stigmatisierung Betroffener bedacht werden muss, darf mit Blick auf den Entstehungskontext des Bildes allerdings nicht verschwiegen werden. So wird als Grafiker zwar Peter Landhoff genannt, von dem auch weitere Gesundheits-Plakate mit Devisen wie „Gut gekaut ist halb verdaut“ oder „Schlafe möglichst bei offenem Fenster“ stammen. Herausgeber des Plakats war jedoch der „Reichsausschuß für Volksgesundheitsdienst“, der 1933 aus einem Vorläufer "für hygienische Volksbildung“ hervorgegangen war und als propagandistisches Instrument am Reichsinnenministerium genutzt wurde. So sollte „allen Volksgenossen“ mit Plakaten nebenher auch die rassistische Theorie der Nationalsozialisten nahegebracht werden. In einer Demokratie hingegen gehören physisches Abstandhalten und solidarisches Mitempfinden untrennbar zusammen.

Bild 9

Inv.-Nr: PLA 67
Agitationsplakat, Wirtschafts-Werbeverlag Curt Cowall, Berlin, um 1940

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Weitere HOFFNUNGSZEICHEN weiterlesen: https://www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de/hoffnungszeichen

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https://www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de/hoffnungszeichen/editorial/ 

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