Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Bildergalerie

- Der L-Schönefelder Almanach wünscht allen Usern und speziell den Freunden der Seite einen traumhaften zweiten Adventssonntag -

Schneemannpärchen küsst sichSchneemannpärchen küsst sich

*

Schienenbruch
Ich arbeitete während meiner Eisenbahnerzeit in den Sechzigern ein Jahr auf einem bedeutenden Bahnhof mit ein – und zweigleisigen Strecken.

Jeden Morgen kam ein Streckenläufer der Bahnmeisterei und meldete sich mit Eintrag in einem Kontrollbuch. Bekam eine Übersicht über das Betriebsgeschehen und ging in die Gleisanlagen. Die Aufgabe des Streckenläufers war es, alle Gleise zu Fuß abzulaufen und nach Unregelmäßigkeiten zu sehen. Kleine Schäden reparierte er vor Ort. Größere Schäden wie zum Beispiel Schienenbrüche wurden gemeldet und das Gleis für den Zugverkehr gesperrt. Der Streckenläufer kontrollierte auch eine eingleisige Strecke ohne Ausweichmöglichkeiten für den Streckenläufer. Er durfte also erst in das Gleis, wenn es für den Zugverkehr gesperrt worden war.

Einer dieser Männer nahm es mit den Sicherheitsvorschriften nicht so genau. Mehrmals kamen Meldungen von Lokomotivführern, dass sich Menschen im Gleisbereich aufhielten. Der Streckenläufer trug zwar eine weiße „Schutzweste“ und war weit zu sahen, aber der Bremsweg war so lang, dass es gefährlich wurde.
Der Mann wurde immer wieder, jeden Tag, wenn er kam belehrt, aber es nutzte nichts. Eines Tages konterte er und meinte, wir sollten nicht dauernd auf seinem Arbeitsbereich herumreiten, sondern uns lieber um das in den Gleisanlagen herumliegende Papier und den Unrat kümmern.
Schließlich hatte ich seine unqualifizierten Sprüche satt und machte ihn auf die geplanten Änderungen aufmerksam, die angeblich erstmals zur nächsten Herbstmesse durchgeführt werden sollten.
„Du bekommst eine neue Schutzweste mit blaugelbem Saum, den Leipziger Farben. Der Empfang dieser Schutzweste ist unterschriftlich zu bestätigen. Deine Dienstmütze ist ebenfalls Blau gelb. Dazu bekommst Du einen speziellen Sack für in den Gleisen liegendes Papier, dass Du aufzusammeln hast. Du brauchst Dich nicht zu bücken, da Du einen langen Stock mit scharfer Spitze zum Aufsammeln bekommst! Die Schutzweste und die Mütze gibst Du nach der Messe wieder ab. Das Papier musst Du immer sammeln!“

Auf dem Stellwerk waren pro Schicht ein Fahrdienstleiter, ein Zugmelder und ein Stellwerksmeister tätig. Der Mann starrte uns an. Der Fahrdienstleiter bestätigte meine Rede mit Kopfnicken.
Zwei Stunden später rief der Herr Bahnmeister bei meinem Fahrdienstleiter an und verlangte mich zu sprechen. Der Streckenläufer war in die Verwaltung gerannt und hatte sich lautstark beschwert. Schon auf dem Weg dahin hatte er jedem den er traf, die Neuigkeit unter lautem Fluchen mitgeteilt. Dem Herrn Bahnmeister war sofort klar gewesen, wer für diese Lügengeschichte verantwortlich sein musste. Er wollte mich zur Rede stellen. Da er nicht sachlich argumentierte, machte ich ihn darauf aufmerksam, dass er mir gar nichts zu sagen hätte. Dann rief der Bahnhofsvorsteher an. Der Fahrdienstleiter blockte wegen starkem Verkehr ab. Schließlich kam der Schichtleiter aufs Stellwerk. Ich machte zu Hause einen Neuerer Vorschlag daraus und reichte ihn ein.

Das Ende vom Lied: Alle Institutionen waren begeistert von der Idee mit dem Papiersammeln, aber der Vorschlag wurde, wie üblich, aus Kostengründen abgelehnt!
Obwohl ich seit vielen Jahren kein aktiver Eisenbahner mehr bin, wird über meine, oft völlig absurden Geschichten und Vorschlage, aber vor allem über die Gestaltung meines Unterrichts als Lehrer an der Betriebsakademie, immer noch gesprochen.

Kurt Meran von Meranien

30.11.2018

***

Huch - es wird kalt


Heute begann ich das große Suchen!
Ich suche mir meine Winter-Neben-Sachen zusammen. Die Handschuhe habe ich schon gefunden. Sie waren im Hut Fach. Zusammen mit acht Hüten, wobei die zwei Winterhüte nicht dabei sind. Ich habe noch meine Eisenbahnpelzmütze mit den runterklappbaren Ohrenklappen. Allerdings habe ich diese Mütze noch nicht gefunden. Wo sie sein sollte, lag einer meiner tollen Strohhüte. Der Schal ist auch noch abgängig. Nur mein Westernschaltuch ist anwesend. Drei Unterpullover sind in der Waschmaschine. Ich trage ungern Pullover, sondern Hemdergänzungshalsstücke. Im Pullover komme ich mir vor wie ein Regenwurm. Die Hemdergänzungshalsstücke sind auch noch abgängig.
Nachher muss ich meine Winterhose inspizieren. Waschen oder so anziehbar. Gottseidank bin ich allein und brauche mir keine Kritiken und überflüssige Ratschläge anhören.


Meiner ersten Ehefrau war es egal, was ich anhatte. Hauptsache ich hatte Geld einstecken.


Meine Zweite sagte einmal zu mir: „Kauf Dir endlich eine neue Hose!“ Ich dachte nicht daran. Hatte ja genug. Schließlich meinte sie eines Tages: „Du kaufst Dir heute Nachmittag eine neue Hose! Machst Du das nicht, brauchst Du gar nicht wieder herkommen!“ Ich hatte meine Wohnung noch nicht gekündigt. Ihr Wunsch war mir Befehl und führte ihn sofort aus. Ich ging zu mir. Zwei Tage später tauchte sie an meinem Arbeitsplatz auf und wir gingen zusammen zu Hollenkamp. Der Chefverkäufer kannte mich und im Nu hatte ich zwei neue Hosen. An der Zweiten musste noch etwas geändert werden. Eine junge Änderungsschneiderin des Geschäftes wollte das erledigen. Wir gingen anschließend in der Stadt Kaffeetrinken. Sie triumphierte. Ich lächelte. Drei Tage später informierte ich meine Frau darüber, dass ich am späten Nachmittag meine geänderte Hose abholen könne. Sollte es später werden, würde ich bei mir schlafen. Sie akzeptierte großmütig wegen ihres Triumpfes. Ich holte die Hose bei der jungen Änderungsschneiderin zu Hause ab. Das Anprobieren zog sich so in die Länge, dass ich bei ihr übernachten musste.


Meine Vierte vertrat den Standpunkt, dass zu jeder Festlichkeit, jedem Bekanntenbesuch und sonst was, ein neues Outfit nötig wäre. Der Höhepunkt war eine auswärtige Hochzeit. Ich musste mir einen neuen Anzug kaufen. Sie natürlich ein neues Kleid. Ich schäumte innerlich, als ich feststellte, dass der Bräutigam in seinem alten Straßenanzug zum Standesamt ging.
Ein Tiefstand wurde meinerseits erreicht, als ich in größter Sommerhitze in einem nagelneuen Sommeranzug ohne Krawatte zu einer Festivität kam. Meine Herzallerliebste hatte natürlich ein neues Kleid an. Zornbebend sagte sie: „Geh nach Hause und zieh Dir etwas anderes an!“ Wir hatten zwei Wohnungen, da ich meine Möbel nicht hatte verkaufen wollen. Ich führte ihren Befehl sofort aus. Zog mir in meiner Wohnung den Sommeranzug aus und den Hausanzug an und schaltete den Fernseher ein. Eine Stunde später war meine Liebste bei mir. Dummerweise hatte ich weder Wachs noch Watte und musste alles anhören was sie sagte. Ich wusste überhaupt nicht was sie wollte. Hatte ich doch getan was sie angeordnet hatte!


Meiner Fünften war es egal, wie ich herumlief. Hauptsache ich hatte Geld, möglichst viel Geld dabei!


Das überflüssige Zeug habe ich inzwischen in die Kleiderkammer gebracht. Ich war selbst überrascht, als ich feststellte, dass ich dreißig überflüssige Oberhemden, fünf alte Anzüge und jede Menge alte Hosen hatte.


Voriges Jahr habe ich bei HIRMER einen neuen festlichen Anzug und ein nicht ganz so festliches Jackett gekauft. Ohne dass mich jemand dazu auffordern musste!


KM 21.11.2018

***

Erinnerungen
Als ich heute in meinem Archiv kramte, fiel mir ein Zeitungsauschnitt aus dem Jahr 2008 mit meinem Bild in die Hände.
Ich war damals aktiv in einem Bürgerverein in der AG Stadtteilgeschichte. Diese AG wurde von L. K. seit 2003 geleitet. Weitere Mitglieder waren M. R. und ich.

Seit etwa 1955 interessiere ich mich für Kulturgeschichte und Kunst. Grundlagen waren die vielen Museen in Sachsen. Ich kannte viele dieser Kulturstätten. Kam ich in eine fremde Stadt ging ich, um Stadt und Bevölkerung kennenzulernen, zuerst ins Heimatmuseum. Dann folgten andere Museen, Kirchen und nicht zuletzt auch einmal eine Dorfkneipe.
 
Ich kannte natürlich alle Leipziger- und Dresdner Museen. Besuchte Kunstausstellungen in Sachsen und Umgebung.
 
Bevor ich im Urlaub eine andere Gegend fuhr, bemühte ich mich etwas über die Geschichte der Stadt zu erfahren. Dort musste ich dann erstaunt feststellen, dass die Bürger recht wenig über die Kulturschätze ihrer Heimat wussten. In Güstrow zum Beispiel kannte jeder den ,schwebenden Engel‘. Die Gertruden Kapelle und das Atelierhaus von Barlach waren ihnen fast völlig fremd.

Als ich nach 25
Jahren Abwesenheit wieder nach Leipzig kam, machte ich mich mit den Veränderungen bekannt und suchte nach einer Möglichkeit mich in das Stadtleben schneller zu integrieren. Dafür bot sich der Bürgerverein des Stadtteils an. Ich wurde Mitglied im Verein und der AG Stadtteilgeschichte. War dann Gründungsmitglied einer Schreibwerkstatt, entdeckte einen sehr aktiven Verein, der aber nichts von mir wissen wollte. Mit der Antwort: „Wie aus dem Namen hervorgeht, können Leute über 35 Jahren nicht Mitglied werden“, wurde meine Mitarbeit abgelehnt. Dann versuchte ich mich in die Kirchgemeinde zu integrieren, was auch nicht richtig klappte. Nur die Zeugen Jehovas waren zugänglicher.

Und wie der Hase so läuft, zog ich mich nach einem Streit aus dem Bürgerverein, dann aus der Schreibwerkstatt und schließlich auch aus der „Selbsthilfegruppe Hirntumor“ zu rück. Hatte aber inzwischen das Internet für mich entdeckt. Arbeitete freiberuflich von 2008 bis 2010 in der Redaktion eines größeren Internetportales, ohne je einen Cent Salär zu bekommen, schied 2010 aus und widmete mich meinem neuen Hobby, der Internetseite „L-Schönefelder Almanach“!

KM 30.10.2018
***

Das erste Mal
Wer träumt nicht vom ersten Mal? Wer spricht nicht begeistert vom ersten Mal – na ja, hinterher sagt man sich ernüchtert, so wild war es ja gar nicht.

Am Sonntag in der Nacht, natürlich nachts, sollte es passieren. Ich bereitete mich sorgfältig darauf vor. Schließlich durfte ja nichts schiefgehen. Meinen Kollegen und Freunden hatte ich versprechen müssen, dass ich ihnen alles haargenau erzählen würde.

Sogar meine ganze Familie, meine Mutter und die Geschwister zitterten mit. Alle hatten mir versprochen, den Daumen zu halten. Beizeiten hatte ich meine Sachen rausgesucht, anprobiert und aufgebügelt. Alle sollten sehen, dass ich nicht nur leger, sondern auch anständig mit etwas Extravaganz aussehen konnte.

Die Zeit nahm sich Zeit. Ich hatte den Eindruck, dass der Zeiger meiner Uhr gar nicht wusste, dass er sich drehen sollte. Er schien regelrecht an einer Stelle zu kleben. Schließlich wurde es doch Zeit und ich machte mich auf den Weg. Meine Mutter und die Geschwister legten mir im Treppenhaus noch einmal eindringlich ans Herz, alles richtig zu machen. Keine Nachlässigkeit zuzulassen. Trotz aller intensiver Vorbereitung hatte ich ein immer stärker werdendes Schreckensgefühl.

Als ich dann Raum betrat in dem es passieren sollte, war alles so wie sonst auch. Nichts deutete auf das auf mich zukommende überragende Ereignis hin. Natürlich hatte ich mich „schlau“ gemacht und alles gelesen, was über das Erlebnis geschrieben worden war. Trotzdem ging ich immer wieder in Gedanken die Reihenfolge in der es ablaufen sollte durch. Und immer mehr zitterte ich, bei dem Gedanken etwas falsch zu machen, etwas zu vergessen und mich unsterblich zu blamieren.

Heute denke ich manchmal, hat da damals nicht jemand von Routine geplappert und mich so komisch angesehen? Manche mussten mich regelrecht vera…, veralbert haben. Sie behaupteten doch tatsächlich, es noch nie erlebt zu haben!

Und schließlich war es tatsächlich so weit!
Das erste Mal – ein unvergessliches Erlebnis lief wie geplant ab und ich wusste ich würde es nie vergessen!
Ich war stolz und erzählte es immer wieder – ich habe es unmittelbar erlebt:

Das allererste Mal die Umstellung der Bahnhofsmutteruhr auf die moderne Sommerzeit!

Kurt Meran von Meranien 6.04.1980

***

Lektion eins
zur Handhabung des neuen Datenschutzgesetzes:

Nach Beendigung einer Vereinsversammlung hielt der Kassierer wieder einmal die Hand auf. SPENDEN!
Nach einigem Zögern, ich halte nichts davon, erst einmal auf der Spendenliste nachzusehen, was andere rausgerückt hatten, drückte ich dem Kassierer einen Geldschein in die Hand. Er betete irgendeinen Spruch vor sich hin. Dann trug er in die Spendenliste den gespendeten Betrag ein und unterschrieb!

Einigermaßen erstaunt fragte ich: „Wieso schreibst Du Deinen Namen hin und nicht meinen?“ Unwirsch antwortete er: „Ich habe doch gerade erklärt warum! Hör besser zu oder wasch Dir die Ohren. Also noch einmal: Dein Name ist geschützt, denn er wird nicht genannt!“
Nach einer Pause ergänzte er: „Du kannst diesen Betrag in Deine Steuererklärung eintragen. Für Spenden unter fünfzig Euro gibts es aber keinen Nachweis mehr!“

Die Kehrseite der Medaille: Früher machte sich der Vorstand die Arbeit, für Spenden ab zehn Euro ein Dankschreiben zu übergeben. Das fällt nun weg, denn er weis ja meinen geschützten Namen nicht.

Und mein Portmonee steht unter meinem Schutz und bleibt in Zukunft zu!
KM 2018
***

*

*

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?