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Unter http://www.derstoryteller.de/ habe ich folgende Meldung gefunden:

Bildungsrevolution – Finnland schafft bis 2020 alle Schulfächer ab …


Dazu fiel mir ein, das im L-Schönefelder Almanach im Jahr 2012 ein Buch mit dem Titel: Nie mehr Schule – Immer mehr Freude rezensiert wurde. Diese Rezension von GS stelle ich hier im L-Schönefelder Almanach ein.
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Andreas Salcher   Nie mehr Schule – Immer mehr Freude

Andreas Salcher spricht aus, was viele DENKEN, aber kaum an eine Besserung glauben. Als die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen zum ersten Mal vorlagen, ging ein Aufschrei durch Mitteleuropa! Wieso war Finnland so gut? In Österreich wird es genauso gewesen sein.

In Deutschland gibt es mehrere Millionen Analphabeten – wieso? Ich fand erst Antworten auf meine Fragen, als ich mich mit einer Lehrerin unterhalten hatte. Sie sagte mir ganz einfach: Warum sollte ich schlechteren Schülern die Zukunft verbauen? Wer sich nicht meldet, bekommt eine DREI. Nur, wer mitarbeitet, wird leistungsmäßig zensiert. Auf meine Frage, wie das bei den Prüfungen funktionieren würde, lächelte sie und zuckte mit den Schultern.

Salcher schildert die allgemeinen Zustände in österreichischen Schulen und nennt sie „tödliche Schule“. Warum es sie noch gibt und wer sie verteidigt.  
Spricht über das Entstehen dieses Schulwesens und wie es in der Gegenwart gehandhabt wird. Die meisten Lehrer halten vor den Schülern Monologe. Arbeiten den Lehrplan ab und kümmern sich um nichts anderes. Den Kindern wird die Freude am Lernen genommen. Sie werden unaufmerksam und sehnen sich nach dem freien Nachmittag. Für Hobbys sind sie viel besser motiviert. Ganztagsschulen werden von den Lehrern und den Lehrergewerkschaften prinzipiell abgelehnt. Die Eltern müssen sich nach Feierabend als Hilfslehrer mit ihren Kindern beschäftigen. Wer es sich leisten kann, engagiert Nachhilfelehrer. In WIEN geben Eltern je Kind im Jahr 866 Euro für Nachhilfe aus. Österreich mutiert zum Land der Hilfsarbeiter. Acht von zehn Bewerber um eine Lehrstelle scheitern trotz positivem  Hauptschulabschluss an den Aufnahmetests, die größere Unternehmen durchführen. Dabei werden nur die Grundrechnungsarten, Prozentrechnungen und einfache Deutschkenntnisse überprüft.

Die Bilanz die Salcher zieht ist erschreckend. Er zeigt aber nicht nur auf die Mängel im Schulwesen.
Im zweiten Teil seines Buches schildert er die „lebendigen Schulen“ in denen Direktor, Lehrer, Schüler und Eltern einen Verbund bilden. Eine homogene Einheit. Wo lernen Freude macht.

Salcher sitzt nicht nur am Schreibtisch und kritisiert. Er besucht Schulen und spricht mit Schülern, Lehrern und Eltern. Im ersten Bereich „Tödliche Schule“ wird über drei wichtige Themen gesprochen: Die Lügen der Politik. Die Irrtümer der Lehrergewerkschaft und die Selbsttäuschungen von uns allen. Im zweiten Teil „Die lebendige Schule“ – wo es sie schon gibt und wie sie funktioniert, lauten die Themen: Die sieben Wahrheiten der lebendigen Schule. Es gibt eine Verschwörung zum Guten. Die unaufhaltsame Revolution – warum Lernen Freude machen wird.

Einhundertvierundzwanzig Seiten eines kleinen Buches. Bilanz auf fünfundsechzig und Fortschritt auf neunundfünfzig Seiten.
Ich glaube, dass dieses Buch nicht nur für Österreich wichtig ist!

hS 07.10.2012

Seiten    128
Format    12,4 x 18,2, gebunden mit Schutzumschlag
Preis    EUR 14,90 (A/D), CHF 21,90
ISBN    978-3-7110-0032-3

Bilder: © Ecowin Verlag GmbH | Dr. Hannes Steiner | Lessingstraße 6 | 5020 Salzburg | Österreich

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Kurt Meran von Meranien 03.02.2019

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Reporter ohne Grenzen informiert (11.01.2019)

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Deutschland 11.01.2019 - Doxing-Angriff auf Medien

Nach dem sogenannten Hackerangriff beobachtet Reporter ohne Grenzen (ROG) mit großer Sorge, dass Journalistinnen und Journalisten nach diversen Vorfällen in anderen Ländern nun auch in Deutschland mit solchen Angriffen konfrontiert sind. Beim sogenannten Doxing werden persönliche Informationen veröffentlicht mit dem Ziel, dem Ruf der Personen zu schaden. In vielen Fällen handelt es sich um nichtstaatliche Akteure, die sich jedoch als „Partisanen“ politischer Gruppen verstehen und mit vergleichsweise einfachen Methoden an persönliche Daten kommen. ROG geht davon aus, dass diese Gefahr in Deutschland zunehmen wird. Journalistinnen und Journalisten gefährdet dies in ihrer eigenen Sicherheit und in ihrer Vertrauenswürdigkeit gegenüber Publikum und Quellen.

„Doxing von Journalistinnen und Journalisten ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Angriff auf die Integrität und Freiheit der Medien allgemein“, kritisiert ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Er erinnert jedoch auch an die Verantwortung für die IT-Sicherheit aller, die im Medienbereich arbeiten: „Der aktuelle ‚Hack‘ zeigt eindrücklich, dass sich Medien gegen solche Partisanen mit einfachen Mitteln schützen können. Wir appellieren an alle Journalistinnen und Journalisten, diese Maßnahmen umgehend zu ergreifen, um die eigenen Daten und die ihrer Kolleginnen und Kollegen zu schützen.“
Daten-Diebstahl enthüllt Informationen zu Dutzenden Journalisten

Am Freitag (04.01.) war bekannt geworden, dass über einen Twitter-Account namens _0rbit seit Anfang Dezember als eine Art Adventskalender 24 Mal Links zu privaten Informationen von Politikerinnen, Satirikern, Schauspielerinnen und Journalisten veröffentlicht worden waren. Von einer breiteren Öffentlichkeit bemerkt wurde dies jedoch erst in der vergangenen Woche, als diverse Medien das Leak auswerteten und darüber berichteten. Betroffen waren unter anderem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ARD, des ZDF und des öffentlich-rechtlichen Jugendangebots Funk.

Daniel Moßbrucker, ROG-Referent für Internetfreiheit und Security-Trainer, hat den Datensatz umgehend analysiert und festgestellt, dass es sich hier nicht wie medial anfangs kolportiert um einen großen „Hack“ von Medienunternehmen handelt, sondern eher um den gezielten Dox von Journalistinnen und Journalisten und anderer Personen, die im öffentlichen Leben stehen. Es ist der erste größere Dox deutscher Journalistinnen und Journalisten. Damit ist ein Trend, mit dem sich Medienschaffende in anderen Ländern der Welt bereits seit einiger Zeit konfrontiert sehen, auch in Deutschland angekommen.

Daniel Moßbrucker
Referent für Informationsfreiheit im Internet
11.01.2019

Bearbeitet GS Mitglied bei ROG

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Jahresbilanz der Pressefreiheit 2018

Getötete, inhaftierte, entführte oder verschwundene Journalisten 2018

Weltweite Übergriffe gegen Journalisten 2018 im Überblick
Gefährlichste Länder: Afghanistan, Syrien, Mexiko, Jemen, Indien

Die Länder mit den meisten getöteten Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeitern waren 2018 AFGHANISTAN (15 Medienschaffende getötet), SYRIEN (11), MEXIKO (9), JEMEN (8) und INDIEN (6). Auch in den USA starben in diesem Jahr sechs Journalisten, vier von ihnen wurden beim Anschlag auf die Lokalzeitung Capital Gazette an 28. Juni gezielt getötet.

44 Medienschaffende starben in Gebieten mit bewaffneten Konflikten, 36 außerhalb solcher Gebiete. Wie schon im Vorjahr war MEXIKO das Land ohne bewaffneten Konflikt, in dem die meisten Journalisten ermordet wurden. Über Korruption und Drogenkriminalität zu berichten, ist dort weiterhin lebensgefährlich. Der Schutz, der bedrohten Journalisten gewährt wird, ist oft unzureichend und inneffektiv.

49 der getöteten 80 Medienschaffenden wurden wegen ihrer journalistischen Tätigkeit gezielt ermordet. Die übrigen 31 kamen im Einsatz ums Leben. Unter den Getöteten waren 63 professionelle Journalisten, 13 Bürgerjournalisten sowie vier Tontechniker und Fahrer. Drei der Getöteten waren Frauen. In den vergangenen zehn Jahren wurden weltweit 702 professionelle Journalisten getötet.

Die Zahl getöteter Bürgerjournalisten hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, von 7 auf 13. Bürgerjournalisten spielen gerade in Ländern mit autoritären Regimen und Kriegsländern eine immer wichtigere Rolle in der Berichterstattung, denn dort sind viele Regionen für professionelle Journalisten kaum zugänglich. Diese Regionen sind zugleich diejenigen, in denen unabhängige Berichterstatter besonders gefährdet sind.

    Mehr als die Hälfte aller Inhaftierten sitzen in nur fünf Ländern im Gefängnis
    59 von 60 Entführten im Nahen Osten gefangen gehalten
    ROG fordert UN-Sonderbeauftragten

Mehr als die Hälfte aller Inhaftierten sitzen in nur fünf Ländern im Gefängnis

Auch die Zahl der inhaftierten Bürgerjournalisten stieg 2018 sprunghaft an: um 40 Prozent von 107 auf 150. Nachdem sie bereits gegen traditionelle Medien hart durchgegriffen haben, überarbeiten Länder wie CHINA, ÄGYPTEN, IRAN und SAUDI-ARABIEN jetzt ihre Unterdrückungsstrategien. Neue Internetgesetze etwa erleichtern es ihnen, gegen Online-Journalisten und Nutzer von sozialen Netzwerken vorzugehen.

Insgesamt saßen am 1. Dezember 2018 weltweit 348 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit in Haft – mehr als die Hälfte von ihnen in nur fünf Ländern: in CHINA (60), ÄGYPTEN (38), der TÜRKEI (33), IRAN (28) und SAUDI-ARABIEN (28). In CHINA sind unter den Inhaftierten 46 Bürgerjournalisten, die versuchen, der zunehmend scharfen Kontrolle der Kommunistischen Partei über traditionelle Medien zu entgehen. Einige wurden wegen eines bloßen Posts in sozialen Medien oder Messenger-Diensten festgenommen. Viele Inhaftierte in China werden misshandelt, einige gefoltert. Zehn chinesische Bürgerjournalisten drohen wegen ihres schlechten Gesundheitszustands in Haft zu sterben.

Die TÜRKEI bleibt auch in diesem Jahr das Land, in dem weltweit die meisten professionellen Journalisten wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen. Dass es im Vergleich zu 2017 weniger sind, bedeutet nicht, dass sich die Situation verbessert hat. Viele der Freigelassenen sind nur unter Auflagen freigekommen und warten noch auf ihr Urteil in erster oder höherer Instanz.

SAUDI-ARABIEN zog in diesem Jahr die internationale Aufmerksamkeit auf sich, als am 2. Oktober der regimekritische Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde. Mindestens 28 weitere Medienschaffende sind zurzeit in Saudi-Arabien wegen ihrer Arbeit inhaftiert. Viele von ihnen wurden während der Verhaftungswelle unter Kronprinz Mohammed bin Salman im Herbst 2017 festgenommen.
59 von 60 Entführten im Nahen Osten gefangen gehalten

Ende 2018 sind weltweit 60 Medienschaffende entführt, sechs mehr als ein Jahr zuvor. Die regionale Verteilung zeigt, dass die Entführung von Medienschaffenden vor allem ein Kriegsmittel im Nahen Osten ist: Mit Ausnahme eines Journalisten, der von der separatistischen „Volksrepublik Donezk“ im Osten der UKRAINE festgehalten wird, konzentrieren sich diese Fälle vollständig auf SYRIEN, den JEMEN und den IRAK.

Allein in SYRIEN befinden sich derzeit mindestens 31 Medienschaffende in der Gewalt verschiedener bewaffneter Gruppen. Im IRAK sind 11 Medienschaffende aktuell entführt, obwohl schon im Dezember 2017 das Ende des Krieges gegen den Islamischen Staat verkündet wurde. Der IS hält trotz seiner Schwächung in beiden Ländern zusammen noch immer 24 Medienschaffende gefangen. Im JEMEN halten die Huthi-Rebellen 16 Medienschaffende gefangen. Nach der Freilassung des japanischen Journalisten Jumpei Yasuda im Oktober in Syrien sind weltweit noch sechs ausländische Journalisten in der Hand von Geiselnehmern.

Drei Journalisten sind 2018 verschwunden: ein Zeitungsjournalist aus MEXIKO, ein Fotograf aus HAITI und ein Online-Journalist aus RUSSLAND. Seit Monaten gibt es weder glaubhafte Bekennererklärungen für eine Entführung noch Belege für ihren Tod. Bereits seit Mitte Juli 2016 wird der burundische Reporter Jean Bigirimana vermisst.
ROG fordert UN-Sonderbeauftragten

Um die Verantwortlichen für solche Verbrechen endlich zur Rechenschaft zu ziehen und den Kreislauf der Straflosigkeit zu durchbrechen, wirbt Reporter ohne Grenzen bei den Vereinten Nationen intensiv für die Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten. Dieser sollte die Bemühungen der verschiedenen UN-Institutionen zum Schutz von Journalisten koordinieren, bestehende völkerrechtliche Vorschriften durchsetzen und so die Zahl von Gewalttaten gegen Journalisten endlich wirksam verringern. Als weltweit erstes Parlament stellte sich der Deutsche Bundestag am 23. Juni 2017 hinter die Forderung von ROG.

Schon jetzt gibt es zwar eine ganze Reihe von UN-Resolutionen für einen besseren Schutz für Journalisten vor allem in Konfliktgebieten, sie hatten aber bislang kaum konkrete Auswirkungen auf die Lage der Betroffenen.

Unter Federführung von Reporter ohne Grenzen und der iranischen Anwältin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat im November eine internationale Kommission aus Nobelpreisträgern, Journalisten und Mitgliedern der Zivilgesellschaft eine „Internationale Erklärung über Information und Demokratie“ verabschiedet. Darin forderte die Kommission ein weltweites Grundrecht auf freie und unabhängige Informationen. Der globale Informations- und Kommunikationsraum sei ein gemeinsames Gut der Menschheit, das geschützt werden müsse.

Zu den 25 Mitgliedern der Kommission zählten die Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz (USA) und Amartya Sen (Indien), der Anwalt und Menschenrechtsaktivist Teng Biao (China), die Rechtsanwältin Hauwa Ibrahim (Nigeria) sowie die Journalisten Michail Zygar (Russland), Maria Ressa (Philippinen) und Can Dündar (Türkei).

Reporter ohne
Grenzen
28.12.2018
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Pressefreiheit in Saudi-Arabien und anderswo

Liebe Freundinnen und Freunde der Pressefreiheit,

mehr als einen Monat ist es nun her, dass der Journalist Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul auf brutale Weise ermordet wurde. Der Fall hat international Entsetzen und Fassungslosigkeit hervorgerufen. Es ist wohl der erste Fall weltweit, in dem ein Journalist in der Botschaft seines Landes im Ausland hingerichtet wurde.

Wir forderten auf vielen Kanälen Aufklärung und legten den Fall der UN-Arbeitsgruppe zur Frage des Verschwindenlassens von Personen vor, die daraufhin ein Verfahren einleitete.

So drastisch der Fall Khashoggi ist, er ist leider nur ein Beispiel von vielen dafür, wie gefährlich Journalistinnen und Journalisten in weiten Teilen der Welt leben. 78 Medienschaffende sind bislang in diesem Jahr in Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, und es steht zu befürchten, dass die meisten dieser Morde nie geahndet werden. Neun von zehn Journalistenmorden werden nie aufgeklärt. Auf diesen untragbaren Missstand machen wir immer wieder aufmerksam, zuletzt mit einer Aktion am Vorabend des 2. November, des Welttags gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten: Für einen kurzen Moment erloschen die Lichter des Eiffelturms in Paris, um an Khashoggi und all die anderen Getöteten zu erinnern.

Saudi-Arabien steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 169 von 180 Staaten. In den zwölf Monaten vor dem Mord an Khashoggi ließ das saudische Regime mindestens 15 Journalistinnen und Journalisten heimlich festnehmen; die Angehörigen erfuhren zum Teil erst Monate später, was mit ihnen geschehen war. Mindestens 28 Journalistinnen und Journalisten sitzen aktuell in Saudi-Arabien in Haft. Um auf sie und auf die ebenso undurchsichtigen wie willkürlichen Hintergründe ihrer Haft aufmerksam zu machen, zeigen wir ihre Porträts auf unserer Webseite.

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/saudi-arabien/inhaftierte-in-saudi-arabien/

Reporter ohne Grenzen November 2018


Juliane Matthey
Pressereferentin

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Liebe Freundinnen und Freunde der Pressefreiheit,

Überwachung gefährdet Journalistinnen und Journalisten auf der ganzen Welt. Staaten hacken ihre Handys, hören Telefonate ab oder durchleuchten sie bei Recherchen im Internet. In einigen Fällen ist bewiesen, dass digitale Überwachung zu Verfolgung und Folter geführt hat.

Was bis heute kaum bekannt ist: Die Autokraten und Diktatoren dieser Welt gehen auch bei deutschen und anderen europäischen Firmen auf Einkaufstour und rüsten sich mit den neuesten Schnüffelprogrammen aus, um Regimekritiker zu überwachen. Ein Beispiel ist der marokkanische Journalist Hisham Almiraat, der im Zuge des Arabischen Frühlings ein regierungskritisches Blog gründete. Als die Proteste in seinem Land zunahmen, wurden sie schnell zu einer kraftvollen Stimme der Opposition. Dann allerdings hackte mutmaßlich die marokkanische Regierung die Geräte der Redaktion mittels modernster Technologie aus Italien. Quellen wandten sich aus Angst ab, auch die Journalisten beendeten ihre Arbeit – kurz darauf stellte das Blog seinen Betrieb wieder ein.

Solche Fälle zeigen: Der europäischen Überwachungsindustrie müssen enge Grenzen gesetzt werden. Europas Länder dürfen nicht zulassen, dass mutige Journalistinnen und Journalisten aufgrund von Profit-Interessen in das Visier autoritärer Herrscher geraten.

Vor zwei Jahren startete die EU-Kommission auf Druck der Bundesregierung eine Initiative. In einem Vorschlag für eine Neufassung der Dual-Use-Verordnung nannte die EU-Kommission den Schutz von Menschenrechten explizit als Grundlage von Exportkontrollen. Geheime Dokumente, die wir gemeinsam mit dem Blog netzpolitik.org veröffentlicht haben, zeigen jedoch: In den Brüsseler Verhandlungen lobbyiert die Bundesregierung teilweise aktiv gegen die Berücksichtigung der Menschenrechte, um Industrieinteressen durchzusetzen.

Wir fordern die Bundesregierung und den zuständigen Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, daher auf, dass sich Deutschland in der letzten Verhandlungsrunde im November in Brüssel nochmals klar zu den Menschenrechten bekennt und sein enormes politisches und wirtschaftliches Gewicht nutzt, um den EU-Entwurf nicht zu verwässern!

Daniel Moßbrucker
Referent für Informationsfreiheit im Internet
Reporter ohne Grenzen

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bearbeitet: KM 31.10.2018

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Zu Magazine - Aktuelle News - Panorama (© imago/Future Image)

 

im WEB.DE Magazin vom 22.12.2018

Mehr Übergriffe auf Bahnpersonal - Wut der Reisenden trifft Bahnpersonal

 

Das ist ein Problem, welches es nicht erst jetzt gibt! An wen sollen sich die Reisenden denn halten? Sie lassen ihren Frust wegen Verspätungen an denen aus, die sie sofort erreichen. Und das sind nun einmal die Zug- und Bahnsteigpersonale. Diese Mitarbeiter der Bahn können zwar nichts dafür, eignen sich aber Prima als Blitzableiter.

Das kenne ich noch aus meiner eigenen Eisenbahnerzeit bei der DR/DB! Ich war zwar nicht beim Zugpersonal, trug aber Uniform war und damit Ansprechpartner, ob ich wollte oder nicht! Und Gewalt in den Zügen gegenüber dem Zub gab es schon immer. Viele Male, ich war nach langen Jahren im Stellwerksdienst Bahnhofsvorsteher, wurde ich bei haltenden Personenzügen vom Zub zur Hilfe gerufen, wenn die Lage im Zug eskalierte. Oder griff als „Reisender“ auf Dienstweg im Zug sofort ein. In der DDR war die zuständige Transportpolizei und in der DB die Bundespolizei meist nicht am Ort und wir Eisenbahner mussten uns selbst helfen.

„Bahn über Jahre auf Verschleiß gefahren!“
Wir haben uns oft gefragt, wohin die vielen Einsparungen führen sollten. Sparen, sparen und nochmals sparen ist die Devise der Kaufleute an der Spitze der DB und die leitenden Mitarbeiter müssen dieses Sparkonzept ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen.

Sehen wir uns doch die Bahnhöfe (Erlebnisbereiche mit Gleisanschluss), Strecken und Fahrzeuge doch einmal an. Da kann ich als alter Eisenbahner kaum hinsehen, ohne mich zu schämen!

Bin ich mit der Bahn unterwegs, interessiert mich die vorbeifliegende Landschaft nicht. Ich beobachte die Arbeit der Teams. Das Fahrverhalten der Triebfahrzeugführer und das Verhalten der örtlichen Eisenbahner. Und sehe mir die Bahngebäude an.
Wenn mich als Bahnreisender eine Anfangsverspätung trifft, die natürlich niemals ausgeglichen werden kann, und sich ins unermessliche vervielfacht, bin auch ich sauer.

Pünktlichkeit bei der Bahn ist inzwischen ein fast schon vergessenes Fremdwort!

Meine Beobachtungen verarbeite ich zu Kurzgeschichten, die bei Lesungen einschlagen und zu Diskussionen führen.

Georg Schlitte
Reichsbahn-Rat a.D.
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Das PEN-Zentrums Deutschland informiert:

Darmstadt, 10. Oktober 2018

Übergriffe und Selbstzensur: PEN-Studie offenbart alarmierende Ergebnisse zur Meinungsfreiheit in Deutschland

Das freie Wort befindet sich in der Wahrnehmung von Autorinnen und Autoren in Deutschland unter starkem Druck. Eine durch das PEN-Zentrum Deutschland und das Institut für Medienforschung der Universität Rostock durchgeführte Studie, an der sich 526 Schriftstellerinnen und Schriftsteller beteiligt haben, fördert erschreckende Zahlen zutage: Drei Viertel sind in Sorge über die freie Meinungsäußerung in Deutschland und beklagen eine Zunahme von Bedrohungen, Einschüchterungsversuchen und hasserfüllten Reaktionen. Jeder Zweite hat bereits Übergriffe auf seine Person erlebt und hat außerdem Kenntnis von Angriffen auf Kolleginnen und Kollegen.

Diese Angriffe und die sorgenvoll wahrgenommene Entwicklung haben Auswirkungen nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden der Betroffenen, sondern auch auf das literarische Schaffen: Jeder Vierte, der Angriffe erlebt hat, ist vorsichtiger geworden in der Beurteilung von Geschehnissen; jeder Fünfte schreibt weniger über kritische Themen und jeder Achte beschränkt sich in der Darstellung. Die Kommunikation über sensible Themen leidet ebenfalls, indem bestimmte Inhalte vermieden und insbesondere Aktivitäten in sozialen Medien reduziert werden. Gerade die Online-Plattformen stellen für die weit überwiegende Mehrheit der Befragten eine Bedrohung für die schriftstellerische Freiheit dar. Immerhin: Dem Druck, der auf dem freien Wort lastet, stellt sich jeder zweite Autor bzw. jede zweite Autorin mit größerem Selbstbewusstsein entgegen und bestärkt sie im eigenen Schaffen.

 „Das sind erschütternde Ergebnisse, die man für eine freiheitlich-demokratisch verfasste Gesellschaft nicht vermutet hätte“, so Carlos Collado Seidel, Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland. „Es ist nicht nur offensichtlich, dass das freie Wort und Toleranz gegenüber den Meinungen anderer, höchste Güter unserer Grundordnung, unter Druck stehen. Ein weiterer Erosionsprozess bedroht Pluralität und Meinungsvielfalt und damit den Kernbestand unserer Gesellschaft.“

 „Mit dieser Studie haben wir ganz offensichtlich einen Nerv getroffen“, so Prof. Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock. „Wir waren völlig überrascht über die hohe Beteiligung und vor allem über das außerordentliche persönliche Mitteilungsbedürfnis. Das Thema treibt Schriftstellerinnen und Schriftsteller stark um. Dieses Alarmsignal muss ernst genommen werden.“

Die Ergebnisse der Studie „Das freie Wort unter Druck“ werden auf der Frankfurter Buchmesse im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem Autor und Journalisten Günter Wallraff sowie dem Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, vorgestellt und diskutiert werden: Mittwoch, 10.10.2018, 15.00-16.00 Uhr, Bühne des Weltempfangs (Halle 4.1 B 81).

PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

KM 11.10.2018

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