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Weihnachtsgeschichten: Der Tannenbaum – Kartoffelsalat – Endlich ist es vorbei! Aus Daggis Tagebuch. Aufgeschrieben von Kurt Meran von Meranien am 27.04.2014

 

Dritte Weihnachtsgeschichte.

Endlich ist es vorbei!

Die Feiertage sind vorbei. Was für ein Stress! Adventszeit, bucklige Verwandtschaft, Weihnachtsvorbereitungen und Einkäufe, Weihnachtsbaum………! Jedes Jahr der gleiche Sch….! Völlig abgehetzt und fertig höre ich dann am Weihnachtsspätabend zur Befehlsausgabe: „Morgen und Übermorgen ruhen wir uns einmal richtig aus und machen es uns gemütlich!“ Wie das funktionieren soll ist mir völlig schleierhaft!

Aber beginnen wir von vorn.
Ich habe mir vor Jahren ein wundervoll funktionierendes System zum Geschenkekauf ausgedacht. Meine drei Dämlichkeiten warten immer bis zum letzten Tag, bis sie in die Gänge kommen. Passiert mir nicht. Ich habe 4 Sparbüchsen, die im Betrieb in meinem Spind stehen. Da können die Weiber nicht ran. Die Sparbüchsen sind für die Damen und für mich. Ich bewerte jede Dame jeden Tag. Jede bekommt jeden Tag bis zu 3,- € in die Sparbüchse. Bewertet wird bei meiner Gattin – wie ist der Haushalt geführt, wie lieb ist sie zur Familie, wie lieb ist sie speziell zu mir. Ist sie nachlässig, kommt der Euro in meine Sparbüchse. Knurrt sie rum, der Zweite. Kann ich ihr nichts recht machen, oder sie will nicht, der Dritte. Die beiden Mädchen werden ähnlich bewertet. Der erste Euro für die Schulleistungen, der Zweite wie sie zu Hause mitmachen, der Dritte wie sie sich mir gegenüber benehmen. Das Jahr hat 365 Tage – 270, ab Januar werden bewertet. Das wären für jede Dame maximal 810 Euro! Haben sie noch nie geschafft. Die ermittelten Summen kommen monatlich auf die Bank. Und ich habe spätestens Ende September ausreichend Mäuse für die Geschenke. Geburtstagsgeschenke gibt es, außer einer Aufmerksamkeit nicht mehr. Aber die Frauen! An den Adventssonntagen rammeln sie in die Stadt. Ich muss als Lastesel mit. Da wir alle zusammen gehen, wird natürlich nur geguckt, aber nichts gekauft. Das Geschenk soll ja überraschen! Zwei bis drei Tage vor Weihnachten fällt die Entscheidung. Jeder geht alleine in die Stadt. Oder besser gesagt, wir gehen bis zum Markt zusammen und trennen uns dann. An der Bushaltestelle. Dort habe ich zu warten. Ich lehne es prinzipiell ab, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Wir haben schließlich einen gut funktionierenden Nahverkehr. Ich muss mir auf dem Weihnachtsmarkt mehrere Stunden die Zeit vertreiben. Dieses Jahr bin ich an einem Bratwurststand mit dem Inhaber ins Gespräch gekommen. Wir haben uns über Senf und Ketschup gestritten. Schließlich habe ich den Vorschlag gemacht dicke Currysoße anzubieten. Habe mir dann die Zutaten besorgt und die Soße oder besser Creme angerichtet und lautstark beworben. Das Geschäft kam schnell in Gang. Bei uns standen die Leute in langer Schlange und die anderen Brater fluchten. Ich vergaß bei der ganzen Sache natürlich meinen Anhang, der ebenso fluchend nach mir suchte. Sie fuhren schließlich ohne mich mit verschiedenen Taxis nach Hause, weil die Anderen nicht herausfinden sollten, was in den Paketen war. Ich kam erst sehr spät nach Hause. Der Brater hatte mich am Umsatz beteiligt, was meine Brieftasche und dann meine Kehle erfreut zur Kenntnis nahmen. Ich brauchte nichts zu verstecken oder zu tragen, meine Geschenke passten in die Jackentasche. Am 24. war ich wie üblich der Tannenbaumschmücker. Das mache ich nun schon fast 20 Jahre, aber richtig habe ich es nach Ansicht meiner Familie noch nie gemacht. Zum Abendbrot gibt es Kartoffelsalat. Den macht meine Gute. Aber Kartoffelsalat schmeckt nur, wenn ich ihn selber mache. Nach dem Abendessen findet die Bescherung statt. Ich bekomme jedes Jahr eine Fliege, Ringelsöckchen und eine „echt“ silberne Krawattennadel. Ich trage nie eine Fliege. Krawatte nur im Theater oder Konzert, also höchstens 3-mal im Jahr, und die Ringelsöckchen schenke ich jedes Jahr einem unserer Lehrlinge.

Meine Damen bekommen jedes Jahr ihr Geschenk in je einem großen Karton. Ich gebe mir viel Mühe, mein Geschenk zu verpacken. Einer in unserer Werkstatt bringt das großartig. Das Geschenk kommt in einen kleinen Karton, der schön eingepackt in einen größeren gesteckt wird. Meistens sind es fünf oder sechs Kartons, die ineinander gesteckt sind. Da haben die Frauen ihre Beschäftigung beim Auspacken. Das geht nicht unter einer Stunde ab. Am ersten Feiertag besuchen wir eine verwitwete Freundin von Heidi. Die fühlt sich einsam. Erst freut sich Heidi auf den Besuch. Dann flucht sie. Wir können anstellen was wir wollen, wir kommen dort nicht wieder weg! Am Abend wieder zu Hause, sind wir vollkommen erledigt. Die Frau schnattert ohne Pause. Am Zweiten bekommen wir Besuch. Den kriegen wir nicht wieder los, selbst wenn wir grob werden. Die Kleiderschränke sichere ich vorher mit einem Spezialgerät so, dass die Türen nicht aufgehen. Eine stundenlange Modenschau ist sonst fällig. Silvester feiern die Mädchen bei Freundinnen. Heidi vorm Fernseher und ich schnarchend. Mitternacht gibt’s Sekt und anschließend wird in den Morgen getanzt. Wenn gegen 4 die Mädchen nach Hause kommen, sitze ich erschöpft im Sessel und meine Füße im warmen Wasser. Ich brauche im neuen Jahr mindestens eine Woche um wieder zu mir zu finden, und zwei Monate um wieder in meine Hosen zu passen.

Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist!

Übrigens, wenn SIE wissen wollen, was ich meiner Familie geschenkt habe: Jede hat einen Warengutschein oder einen Scheck und ein paar Süßigkeiten bekommen.

Bis zum nächsten Mal Euer Dagoperth

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17. Wochenendgeschichte: Kartoffelsalat
Froh meine Ruhe zu haben, setzte ich mich in meine Küche, stellte die vier Teller mit dem Kartoffelsalat vor mir auf und begann zu essen. Es dauerte gar nicht lange, dass ich Schritte hörte. Jemand öffnete alle Türen sogar die Badtüre. Dann klopfte es, und herein kam Cora, meine jüngste Tochter, in einem entzückenden neuen Kleidchen. Zuckersüß fragte sie: „Papi, Mutti lässt fragen wo der Kartoffelsalat steht, den Du machen wolltest?“ Ich zeigte nur auf den Tisch. Sofort kam die nächste Frage: „Welche Portion gehört mir?“ Ich zeigte auf einen Teller und forderte sie auf: „Hier koste einmal.“ Sie ergriff einen Esslöffel und fuhr damit in den Salatberg. Ich rügte sie: „Seit wann essen wir Kartoffelsalat mit dem Löffel?“ Artig nahm sie eine Gabel und fuhr nun mit dieser in den Berg. „Hier wird nicht geschaufelt, hier wird gepickt!“ Sie nahm ein Stückchen Salat auf und schob es in ihr süßes Mäulchen. „Das schmeckt aber gut“, säuselte sie, ergriff den Teller und wollte gehen. „Halt! Stell den Teller hin. Du fällst mir immer in den Rücken. Vorhin und auch jetzt. Anstatt hier zu essen, willst du dort essen! Außerdem denkst du  nur an dich und nimmst anstatt alle drei Teller auf einem Tablett, nur einen Teller mit.“ Nahm den Teller schüttete den Salat auf meinen und sagte barsch, obwohl es mir in der Seele wehtat: „Verschwinde!“ Jana, die ältere Tochter, bekam auch nichts. Heidi, meine Frau kam nicht. Aber ich wusste genau, sie würde auch kommen. In der Nacht. Da ich nicht mühelos vier große Portionen verdrücken konnte, stellte ich alles wieder kühl.

In der Nacht wachte ich durch ein gewaltiges Poltern in meiner Küche auf. Ich zog mir in aller Ruhe meinen Hausmantel an und ging nachsehen. In der Küche bot sich mir, als ich das Licht anknipste, ein seltsames Bild. Heidi kniete im Flatterhemd auf dem kalten Boden. Die Hände auf dem Tisch, das Gesicht auf dem Küchenstuhl. Auf dem Tisch stand, schön in der Mitte ausgerichtet ein unversehrter Teller mit Kartoffelsalat. Ich half meiner Gattin auf, und fragte, warum sie knien würde, anstatt zu sitzen. Heidi war wohl nicht in der Lage zu antworten. Ich führte sie ins Bad, zog ihr das Flatterhemd aus, und besah sie mir von allen Seiten. Einen Schaden konnte ich nicht entdecken. Deshalb betastete ich alle Körperteile, sie immer wieder besorgt fragend: „Liebling tut es hier weh?“ Bis jetzt hatte Heidi sich alles teilnahmslos gefallen lassen. Sie zuckte zusammen, als hinter uns zweistimmig gefragt wurde: „Papi, was machst Du da?“ Wahrheitsgemäß berichtete ich, wie ich Heidi vorgefunden hatte. Derweil stieg sie in die Wanne um zu Duschen. Ich sagte zu Jana, Cora war verschwunden: „Dusch Deine Mutter heiß und kalt ab, ich hole ihren Bademantel!“

Danach suchten wir zusammen die verschwundene Cora. Die hatte in der Küche meine Falle für Kartoffelsalatdiebe beseitigt, sich als Belohnung den Teller mit dem Salat angeeignet und im Ankleidezimmer aufgegessen. Als wir sie fanden, war sie gerade fertig und seufzte genüsslich. Heidi und Jana fragten: „Und wir?“ Ich zuckte bedauernd mit den Schultern. Natürlich war noch genug Kartoffelsalat da.

Da nach der halbdurchwachten Nacht keiner von uns Lust hatte Besuche zu machen, blieben wir zu Hause. Nur Mittagbrot wollten die Damen beim Italiener essen. Dazu sagte ich nichts, da ich nicht mit durfte. Während sie sich gegen Mittag langsam fertig machten, bereitete ich in meiner Küche Bratfisch zu. Das Fensterchen meiner Wohnungstür war offen und es duftete im ganzen Haus. Die drei gingen sofort in die Falle und kamen herein. Ich hatte meinen Tisch nett gedeckt. In der Mitte stand eine Schüssel mit dem restlichen Salat. Vier Teller warteten darauf befüllt zu werden. Auf dem Herd schmurgelte der Fisch.

Erstaunt fragte Heidi: „Bekommst Du Besuch?“ „Ja, Nachbars. Ich wünsche guten Appetit.“ Cora setzte sich sofort und sagte: „Ich bleibe bei Vati.“ Heidi und Jana standen ein bisschen ratlos herum. Ich legte ein wenig Fisch auf ein Tellerchen und gab ihn Cora zum Kosten. Die verschlang die Kostprobe. Dann nahm sie einen großen Teller, bepackte ihn mit Salat und hielt ihn mir hin. Ein schöner großer Fisch kam obendrauf. Ich machte meine Portion fertig, und wir begannen zu Essen. Wortlos sahen die Beiden zu. Nach den ersten Bissen fragte ich über die Schulter: „Wartet ihr auf etwas?“ Heidis Augen standen voller Tränen. Ich hielt es nicht mehr aus, und sagte barsch: „Nun setzt Euch endlich ihr dummem Gänse. Beeilt Euch der Fisch wird sonst kalt.“ Jana zerrte ihre Mutter zum Tisch und füllte beide Teller mit Salat und Brathering. Dann sah sie sich suchend um und fragte: „Wo ist der andere Fisch?“ „Welcher Fisch?“ „Aber Papi, Du hast gesagt, dass Du Besuch bekommst.“ „Ja, Nachbars.“ „Aber für die ist nichts mehr da.“

„Wieso nicht? Für Euch wird es doch reichen?“ Die Beiden kapierten endlich. Die Bande aß alles ratzekahl auf und leckte auch noch Teller und Schüssel ab. Danach pflanzte sich Heidi mit ihren 140 Kilo in meinen Fernsehsessel, der darob beleidigt knarrte. Ich setzte mein künstliches Bäumchen unter Strom, und wir erfreuten uns am dauernd wechselnden Farbenspiel. Seit diesem Weihnachtsfest steht jedes Jahr in meinem Zimmer mein Bäumchen von EuroTops. Und wenn ich nachmittags zwischen Weihnachten und Silvester in mein Zimmer komme, liegt Heidi im Sessel. Neben sich Kaffee und Pralinen. Die Mädchen teilen sich die Couch, und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich auf dem Teppich zu platzieren.

Dagoperth

16. Wochenendgeschichte

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Daggis Tagebuch – aufgeschrieben von Kurt Meran von Meranien am 27.04.2014
Weihnachtsgeschichten: Der Tannenbaum – Kartoffelsalat – Endlich ist es vorbei

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Der Tannenbaum
Vor vier Jahren hatte ich eine Änderung für unser Weihnachten angestrebt. Und zwar in Bezug auf den Weihnachtsbaum und den Kartoffelsalat. Das ganze Jahr über freut sich alles auf Weihnachten. Jeder tut so, als ob es nichts anderes gibt, was das Jahr schön macht.
Also vor vier Jahren sah ich in einem Katalog von EuroTops einen kleinen Weihnachtsbaum, der mir sofort in die Augen stach. Ein Meter hoch, an den untersten Zweigen einen halben Meter Durchmesser. Die Nadeln aus Glasfaser. Wurde Strom zugeführt, sprangen bunte Blitze von Nadel zu Nadel. Vom tiefsten Blau bis glitzerndem Silber.
Ich bestellte den Baum im Oktober, vorsichtshalber gab ich die Adresse eines Kollegen an. Am 23. machte ich eine schöne große Schüssel Kartoffelsalat, die ich beim Nachbarn deponierte.
Um alles zu verstehen, muss ich nun über unsere Wohnung sprechen. Unsere Wohnung besteht aus 2 Teilen, und hat 10 (!) Räume. Zuerst hatten wir, wie jede normale Familie: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Wohnküche, Bad und einen Abstellraum. Der Abstellraum wurde Kleiderkammer genannt, da dort die Kleider von Heidi in deckenhohen Schränken gesammelt wurden. Als Cora kam, wurde in Janas Zimmer einfach ein zweites Bett gestellt und fertig. Aber eines Tages brauchten wir noch 2 Räume. Jana kam in die Pubertät und Heidi verlegte sich nachts, anstatt zu schlafen aufs Schnarchen. Auf unserer Etage gab es eine 2-Raumwohnung, bewohnt von einer alten Dame. Ich versuchte sie zu bewegen, auszuziehen und bot ihr sogar Geld an. Bevor ich noch ärmer wurde, brachte ihre unsensible Tochter sie in einer Seniorenresidenz unter. Problemlos konnte ich die Wohnung mieten. In die Verbindungswand kam eine Tür. Cora und ich zogen in die kleine Wohnung. Wir hatten einen separaten Eingang und waren der Familienkontrolle weitgehend entzogen. Das Wohnzimmer wurde zum „Salon“ umgestaltet. Allgemeiner Familientreff wurde die Wohnküche. Der Salon wurde nur an Feiertagen und bei Besuch benutzt. Ein ausgeklügeltes elektronisches Signalsystem brachte Heidi und mich nachts immer einmal zusammen. Mein Zimmer hatte einen Balkon zur Straße, die alte Wohnung einen zur Hofseite.
Weihnachten.
Der neue Weihnachtsbaum stand in seinem Karton in meinem Zimmer. Der Kartoffelsalat wartete im Kühlschrank des Nachbarn. Ich hatte das Wohnzimmer für mich allein. Der Baum war schnell aufgebaut. Jetzt wurde mir die Zeit lang! Ich hatte mir Kontrollbesuche verbeten. Anstatt wie üblich nach dem Abendessen die Bescherung durchzuführen, fiel Heidi plötzlich ein, sie nach dem Vesper zu machen. Es wurde eng. Ich sah auf die Uhr. Dann bat ich die Damen ins Wohnzimmer. Es waren nicht nur der Weihnachtsbaum, sondern auch meine Geschenkkartons aufgebaut. Die Vorhänge zugezogen. Der Baum leuchtete. Bei dieser Technik war Schmücken überflüssig. Die drei Damen stürzten herein und standen starr!
Jana und Cora waren nur verdutzt. Aber Heidi! Meine geliebte Gattin ist sehr groß. Aber jetzt blähte sie sich richtig auf. Fasziniert beobachtete ich, wie sie immer größer und dicker wurde. Sie glich mehr und mehr dem Drachen, den sie manchmal herauskehrte. Ich dachte, wenn ich das Fenster öffne, fliegt sie bestimmt davon. Andererseits könnte sie ja auch platzen und ich müsste die ganze Schweinerei entsorgen. Also ging ich vorsichtshalber raus.
Durch die offene Tür konnte ich beobachten, dass sich Jana und Cora für die Kartons zu interessieren begannen. Heidi schrie plötzlich: „Du elender Schweinehund. Das soll ein Weihnachtsbaum sein?“ Ich nickte und meinte versöhnlich: „Ich kann Dir die Rechnung zeigen. Da steht Tannenbaum mit optischen Fasern drauf.“ Sie schnappte die Mädchen und brüllte, jeden Widerstand erstickend: „Los wir besorgen jetzt einen richtigen Weihnachtsbaum. Und das Ding will ich nicht wieder sehen.“ Sie zogen sich ihre Straßensachen an und verschwanden. Wo sie gegen 17 Uhr Heiligabend einen Baum besorgen wollten, war mir schleierhaft. Ich baute das Bäumchen in meinem Zimmer auf. Holte den Kartoffelsalat und verteilte ihn in meiner Küche auf vier Teller.
Gegen 8 trafen die Baumbesorger verschwitzt und verzweifelt wieder ein. Jede mit einem jämmerlichen Sturzel. Ich begrüßte liebevoll die Damen: „Na Ihr Süßen, wie ich sehe habt ihr Erfolg gehabt. Seid ihr im Wald gewesen?“ Heidi kommandierte mit eiserner Miene: „Du Ungeheuer, uns so Weihnachten zu versauen! Du wirst jetzt alle drei Bäume schmücken, während wir zu Abend essen. Dann kannst Du Dich in Dein Zimmer verziehen! Weihnachten ist für Dich gelaufen.“ Ich lehnte das Schmücken ab: „Diesen Abfall könnt ihr selbst anputzen und in Eure Zimmer stellen. Ins Wohnzimmer kommt das Zeug nicht.“ Und ging. Ich war noch nicht einmal in meiner Wohnung, als ich gerufen wurde. Alle drei riefen. Sie standen vorm Wohnzimmer und trauten sich nicht hinein. Heidi stotterte schließlich: „Was soll denn das?“ Und ich: „Wenn es Euch nicht passt, dann schmeißt es weg.“ Und ging nun wirklich.
Da ich mit allem rechnen musste, und ahnte, dass ich wieder einmal Pech hatte, hatte ich vorsichtshalber eine Nordmanntanne gekauft.
Schön geschmückt aufgestellt, während die Weiber weg gewesen waren.

Bis zum nächsten Mal Euer Dagoperth ("Kartoffelsalat gibt es nächstes WE" die WE-Geschichten 10 - 14 stehen auf http://f-e-st.com/we-geschichten/)
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Dagoperth erzählt

Wochenendgeschichte 15 Urlaubsplanung

Wenn man Sommerurlaub hört, denken die meisten Menschen sofort an Sonne, Bikinis und Meer.

Ich nicht! Dieses Jahr besonders nicht. Es begann alles ganz harmlos. Anfang Juli sagte mein Chef zu mir: „Daggi. Du wolltest doch schon immer einmal zur Kur. Diesen Wunsch kann ich Dir jetzt erfüllen. Die Auftragslage ist schlecht. Also ab zum Kurschatten.“ Ich starrte ihn völlig baff an. Dann sagte ich: „Wie kommst Du denn jetzt auf Kur? Ich wollte doch im August Urlaub haben.“ Er nickte, und sagte großzügig: „Du fährst erst zur Kur. Danach kannst Du Dich hier eine Woche betätigen und anschließend geht’s in den Familienurlaub. Heidi hat bestimmt nichts gegen Deine Kur. Ich hab auch beim Onkel Doktor schon vorgefühlt. Das wird eine Abspeckkur.“ Nun, ich hatte nichts gegen die Kur. Warum auch. Nur das blöde Grinsen der anderen Mitarbeiter störte mich. Irgendetwas stimmte hier nicht. Zu Hause freuten sich alle auf eine Erholung von meiner Anwesenheit. Ich fand das Verhalten meiner Familie gemein. Dann kam die bis jetzt ungeklärte Frage wieder auf, wohin wir im Urlaub fahren wollten. Heidi wollte zu einer Nilkreuzfahrt nach Ägypten. Jana nach Mallorca, Cora nach Griechenland – meine ganze Klasse fährt nach Griechenland meinte sie herausfordernd. Ich wollte in den Harz. Da wir uns nicht einigen konnten, wurde das Thema verschoben. Bis nach der Kur. Ich gewöhnte mich langsam an den Gedanken, mal drei Wochen Ferien von der Familie zu machen. Heidi versprach mir freundlich und großzügig mich nicht mit Kontrollbesuchen zu belästigen. Ich genoss die Zeit. Hätte ich gewusst, was nach der Kur los war, dann …! Ich kam nach drei Wochen kreuzfidel und um einige Kilo leichter nach Hause. Post hatte ich dort nicht bekommen. Ein paar Anrufe. Weiter nichts. Gespannt war ich nur auf die Urlaubsplanung. Die Damen hatten sich bestimmt geeinigt. Die Jahre zuvor hatte es auch immer Streit wegen der Urlaubsziele gegeben. Während der Kur hatte ich einen Familienvater kennengelernt, der das Problem auf seine Art löste. Er hatte eine Art Wahlurne gebaut. Jedes Familienmitglied schrieb sein Urlaubsziel auf einen Zettel, der in den Schlitz gesteckt in den Kasten fiel. Ein Glücksbringer wurde gewählt, der einen der Zettel herausfischen musste. Das Ziel, welches auf dem Zettel stand, wurde ins Auge gefasst. Grinsend meinte er: „Und so fahren wir immer dahin, wohin ich will.“ Später erklärte er mir den Trick mit dem Kasten. Und noch etwas später bauten wir einen für mich. Einen richtigen Zauberkasten.

Als ich nach Hause kam, wurde ich zwar stürmisch, aber auch etwas anders als normal begrüßt. Besonders Heidi hielt sich zurück, was sonst gar nicht ihre Art war. Und dann merkte ich es: Heidi hatte sich heimlich ihre Brüste vergrößern – oder wie sie es nannte – straffen lassen! Wäre ich gefragt worden, ich hätte nie zugestimmt. Jetzt zu schimpfen war sinnlos. Ich zuckte nur mit den Schultern. Meine einzige Konsequenz war, dass ich für alle drei Weiber die Tagesprämien für das Verhalten mir gegenüber, wegen Vertrauensbruch, für das ganze Jahr strich. Für die drei Damen würden die Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke sehr mager ausfallen. Über das Urlaubsziel hatten sie sich noch nicht geeinigt. Nur wollte Cora inzwischen nicht mehr nach Griechenland, sondern in die Türkei. Also musste der Zauberkasten ran.

Bei einer richtigen Wahlurne liegt über dem Schlitz ein Blatt Papier oder ein Brettchen. Bei meiner glitt in Führungsleisten das Brettchen hin und her. Der Kasten war in der Seitenansicht rechteckig und in der Draufsicht quadratisch. Alle Seiten waren bunt bemalt, wobei jede Seite das gleiche gekringelte Muster hatte. Im Grunde genommen sah der Kasten fast so aus wie eine hölzerne Kaffeemühle. Oben ohne halbrunden Aufsatz und ohne Kurbel. Unten mit einer Schublade. Ich stellte visitenkartengroße, auf steife Pappe geklebte Etiketten her. Auf jedem Etikett stand das Urlaubsziel in der gleiche Schrift, Farbe und Größe. Am dritten Tag nach meiner Heimkehr versammelten wir uns im Wohnzimmer, um feierlich das Urlaubsziel zu wählen. Während ich die „Wahlurne“ etwas schräg hielt, damit die Wahlpappen gleich umfielen, wie ich erklärte, steckte jeder seine Pappe in den Schlitz. Der Boden des Schubfachs war aus dünnem „klingendem“ Holz. Wir hörten deshalb, wie die einzelnen Pappen im Schubfach ankamen und umfielen. Langsam zog ich das Fach heraus. Alle vier Pappen lagen mit der Rückseite nach oben. Cora, die gewählte Glücksfee stach mit einer langen Stopfnadel eine Pappe an und hob sie heraus. Ich schob das Fach wieder in den Kasten. Auf der Pappe stand groß und dick: GRAZ! Die drei Damen sahen mich verblüfft an. Dann fragten sie dreistimmig: „Wie kommt die Karte in den Kasten?“ Ich sagte ruhig: „Nicht nur Cora hat es sich anders überlegt, ich auch!“ Zu allem Überfluss gab ich dann noch bekannt, dass ich zwei Einbettzimmer und ein Zweibettzimmer vorgesehen hätte. Allerdings könne das Zweibettzimmer noch in Einbettzimmer getauscht werden. „Unser Hotel liegt nicht in Graz, sondern in Übelbach. Das ist ein idyllisch gelegener kleiner Ort.“ Heidi vermutete einen Trick, und zog das Schubfach erneut auf. In ihm lagen drei Pappen. Als sie diese umdrehte, lasen wir: Nil, Mallorca, Türkei! Seufzend schob sie das Schubfach wieder in den Kasten. Wir wählten die Einbettzimmer und verlebten vierzehn schöne Tage in Österreich.

Der Kasten wurde von mir unter strengem Verschluss aufbewahrt. Er kam nur beim Wählen des Urlaubszieles zum Einsatz.

 

Ich habe nie den Trick verraten: Es existierten zwei Schubladen! In eine fielen die Pappen und in der anderen lagen vier Pappen mit dem gleichen Ziel – meinem Ziel.

 

Bis später Euer Dagoperth

02.09.2015

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Der „L-Schönefelder Almanach“

(http://l-schoenefelder-almanach.de/ - http://lsa-news.de/  - http://www.kmvmso.com/),

ist eine private (Hobby)-Onlinezeitung ohne werbliche Inhalte. Warenwerbung wird, falls erkannt, auch wenn sie als Pressemitteilung getarnt ist, nicht publiziert! KM

! PALMÖL ist nicht nur im TANK – sondern auch in industriellen LEBENSMITTELN ! Für PALMÖL muss der REGENWALD sterben ! WAS TANKST DU – WAS ESSEN DEINE KINDER ?

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